Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Caroline von Holzhausen in Frankfurt/M. v.15.8.1816 (Berlin)


F. an Caroline von Holzhausen in Frankfurt/M. v.15.8.1816 (Berlin)
(BN 277, Bl 44, Reinschr./Abschr. 1 Bl 8° 2 S., ed. H V, 106-107, Hoffmann vermerkt: “Deutlich engzeilige Schrift, wenig verbessert; wahrscheinlich eigne Abschrift des Anfangs eines abgesandten Briefes.“)

Mitte August 1816


Theuere, einzige Freundin,

Jubelnd dankt mein Gemüthe Ihnen
für alle die köstlichen Gaben des Ihrigen,
auch der, die aus ihm Ihre Briefe mir
brachten. Wie wahr ist Alles was Sie
sagen wie gut! Doch wissen Sie wohin
die Befolgung der Forderung dieser
Wahrheit führt? - Haben Sie es je ernst
erwogen? - Zum Leben! sagt, leuch-
tend vom Lichte des Gemüthes das Auge.
- Ja zum Leben! – Das Leben ist
ein neuer Tag; nur Eine Nacht Abend
nur eine Nacht geht dem Tage, dem neuen
Leben vorher. Der Abend ist aber
Bürge des neuen Tages, so wie das im
Auge strahlende Gemüthe Verkündiger
ist dieser Bedeutung des Abends.
Darum jubelt schon am Abend mein
Gemüthe für die köstlichen Gaben der
Freundin Dank, so wie auch dieser
Dank sicher jede Gestaltung des neuen
Tages, neuen Lebens ewig verschönt; /
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denn, so wie ewig lobend ewig unvoll[-]
endet bleibt das Lob der Heiligsten
der Reinsten, so bleibt, ewig sich ge-
staltend, ewig unausgesprochen
jener Dank.
Später: Ich bitte Sie aus der tiefsten
Tiefe meines Herzens für Alles
um Vergebung wodurch ich je auch ohne
alle mein Wollen und Erwarten Ihnen
Schmerz, Trauer, Wehe verursacht
habe. Sprechen Sie mir Alles aus
führen Sie mir alles mein Handeln
vor wodurch ich Ihnen Wehe, Schmerz
Trauer brachte; damit ich diese
Wirkung meines Handelns erkenne
auch da wo, ich gestehe es, ich es nicht
ahndete. Bald. Bald! kommt uns
die köstliche Zeit der hochgeprießenen
Aussöhnung des Schwindens alles Wider-
spruchs und sie ist schon da.
Welchen schönern Namen mag sie
führen diese Zeit, als den der Lilie? –