Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Carl von Holzhausen in <Frankfurt/M.> v. <20.8.>/<8.9.>1816 (Berlin)


F. an Carl von Holzhausen in <Frankfurt/M.> v. <20.8.>/<8.9.>1816 (Berlin)
(BN 277, Bl 149-150, undat. Entwurf 1 B 4° 3 S. Es handelt sich um eine Nachschrift “NB“ zum Briefentwurf an Caroline v. Holzhausen v. 19.8.1816. F. überprüft hier sein im Brief v. 25.6/5.7.1811 dargestelltes pädagogisches Verhältnis zu seinem ehemaligen Zögling Carl v. H. Der Briefentwurf dürfte aber über diese Skizze nicht hinausgelangt sein. Das Datum wird in Anlehnung an die Datierung des vorausgehenden Briefentwurfs an Caroline v. H. bzw. des folgenden Textes Bl 150V Mitte festgelegt.)

NB Gestern Abend in Bezug auf Carln und als ein Theil zu
einem Briefe als Carl über mein Verhältniß zu ihm u in seiner
Eltern Hause gedacht: [Ab hier Briefentwurf an Carl v.Holzhausen]
Sie wurden von mir öfters auf das härte-
ste für Etwas gestraft, woran sie [sc.: Sie] nicht Schuld waren, was
Folge der jetzigen Verderbtheit des Menschengeschlechtes wäre und
was welches Schlechte Fehlerhafte ohne alle ihre[sc.: Ihre] Schuld in ihr [Ihr] Wesen überging. Sie wurden um
der Menschheit willen
um die Fehler anderer vielleicht
gar um meiner eigenen Persön[-]
licher auf
sie [sc.: Sie] u in sie [sc.: Sie] einwirken-
der Fehler willen um der Fehler
willen die d[urc]h mein Seyn, mein
Leben mit Handeln mit Ihnen und
in ihrem [sc.: Ihrem] Elterlichen Hause, in ihnen [sc.: Ihnen]
hervorgerufen, geweckt, genährt
verursacht wurden[,] auf das
auf das strengste
auf das härteste auf das empfindlich[-]
ste von mir gestraft. Dieses Leiden
um Anderer selbst um meiner selbst
des Geiselnden Ihres Peinigers willen
empörte Sie empörte Sie dortmals
mit Recht (ich sage mit Recht in sofern
ich sie [sc.: Sie] als den betrachten muß der Sie
waren, als einen in dem das höchste
zurückgedrängt, erstorben war[.]
Aber dieses Gefühl der Empörung kann in dem werdenden Mann /
[149R]
und nun vollends gar in dem seyenden Manne kein Bleibendes
seyn denn erstl[ich] Sie wurden ohne Ihre Schuld um der Fehler der
Zeit der jetzt lebenden Menschen willen auf das strengste gestraft
für Fehler mit welchen man Sie getränkt u gespeist hatte ohne
alles ihr [sc.: Ihr] zuthun. Um der Menschheit willen also wurden sie [sc.: Sie]
von mir gegeiselt, gepeinigt, gezüchtigt, Sie als Sie verdienten
nicht einmal Strafe. Aber wollen Sie einst theilnehmen an dem
unendlichen kostbaren Schatze, dem unendlichen unaussprechlichen Reichthum, an
dem [sc.: den] herrlichen, Göttlichen Gaben, welche der Menschheit bestimmt sind
zu welchen Sie berufen sind, welche zu erringen ihre [sc.: Ihre] Bestimmung ist (Und
daß Sie dieß wollen setze ich ohne weiteres voraus weil Sie
Mensch sind, sich selbst Mensch nennen), so müssen Sie auch an
alle dem Kampfe, dem Schmerze, dem Druck, der Pein der Menschheit theil
nehmen, wod[urc]h jenes Köstliche jener ewige
Schatz nur einzig errungen werden kann. Sie – Sie sollen erhalten
genießen, was sie [sc.: Sie] nicht schufen, hervorförderten, um so [mehr]
leiden, erdulden, ertragen sie [sc.: Sie] auch was sie [sc.: Sie] nicht verschulde-
teten [sc.: ten] was aber das g[an]ze Menschengeschlecht verschuldete, durch
welches die Menschheit hind[urc]h muß wenn sie den Preiß er-
ringen will, wenn sie den Preiß erringen will, den auch
Sie sich auf Ihre Stirn zum ewigen unverwelklichen
Schmucke drücken wollen. Wollen Sie theilnehmen an den [sc.: dem]
Preiß der einst der Menschh[ei]t winkt nach harten u ausdau-
ernden entsagendem Streben zu Theil wird, so kämpfen sie [sc.: Sie]
auch den allgemeinen Kampf mit, so dauern tragen Sie auch
ausdauernd den allgemeinen Druck, die allgem:[eine] Last, den allgem:[einen]
Schmerz, die allgemeine Pein, so entsagen sie [sc.: Sie] freywillig
Schonung, Rücksichten, die sie [sc.: Sie] sich wohl eingestehen dürfen u können
leiden u dulden Sie was Sie nicht persönl[ich] verschuldeten, damit Sie ärndten /
[150]
und sich freuen, damit Sie genießen mögen wo Sie nicht säeten
damit Sie wohnen mögen wo Sie nicht baueten; damit Sie sich
bekleiden dürfen mit dem was sie [sc.: Sie] nicht webten.
Nun aber zweytens: Sie wurden ohne Ihre Schuld sogar um der
meiner eigenen Fehler willen um das d[urc]h mich in Ihnen selbst
hervorgerufene vielleicht gar d[urc]h mich genährte willen von mir
gestraft gezüchtigt gepeinigt. Der Peiniger peinigte züchtigte
strafte Sie um seiner willen; er züchtigte Sie da wo er
Pein, Zucht, Strafe verdient hätte. Zunächst seyn Sie fest überzeugt
verdiente Ihre[sc.. Ihr] Peiniger Pein, Strafe, so blieb oder bleibt
sie ihn [sc.: ihm] schlechterdings nicht aus sie erreicht ihn wenn sie ihn noch nicht
erreicht hat, sie trifft ihn wenn sie [bricht ab]
und er ist einer höhern Macht dafür verantwortl[ich.]

Am 8 Septbr 1816. Dem Kinde thun, geben was es wirklich fordert bedarf
ist der alles erfassende Grundsatz der Kindes Pflege[.]
Dem Kinde geben was es wirkl[ich] will, [ist] der [Grundsatz] des Unterrichtes der
Lehrer. Nur in Dir ist die Bestätigung für das was Dir gesagt wird
u trage es nicht zur Schau aber bearbeite es
damit Selbsterkennen Aufgabe. ernst u ruhig gehe Deinen Weg.
Überhaupt habe Achtung für Dein Inneres für Dein Gemüth,
pflege bewahre es es ist eine Göttl[iche] Gabe øs [Gottes.]