Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Caroline von Holzhausen in Frankfurt/M. v. 22.10.1816 (Osterode)


F. an Caroline von Holzhausen in Frankfurt/M. v. 22.10.1816 (Osterode)
(BN 277, Bl 151-152, dat. Entwurf 1 B 4° 2 ½ S., ed. H V, 129-131.)

Osterode am 22 Obr 16


Gnädige Frau Keine[r] meiner letzten Briefe erfreute sich
von Ihnen einer Erwiederung.
Sie haben mir auf keinen meiner letzten Briefe geantwortet ich bin darüber ganz ruhig
da ich Ihre Handlungsweise höchst achte indem ich weiß, daß ihr [sc.: Ihr] Inneres in Ihrem Innern ruhende keimende Gründe Ihre Handlungen
bestimmen und ich dieses als eine höhere Stimme ehre <als> -
indem ich weiß daß Sie Ihre Handlungen d[urc]h Ihr Innerstes bestimmen lassen
lassen, [2x] dessen Rede Sie als höhere Stimme ehren. Allein ohngeach (Deßhalb)
Daher ist es mir aber auch ohngeachtet Ihres Schweigens Pflicht Ihnen mein Leben
so weit es sich bis jetzt in Bezug auf meine letzten Mitteilungen schon entwickelt hat bekannt zu machen. Unmittelbar
so wie ich aus meiner Stelle in Ber-
lin getreten war ging ich nach Griesheim am Thüringer Walde dem Orte wo die
Familie meines 1813 gestorbenen liebsten Bruders des Predigers noch lebt
mit dem nächsten Zweck um zunächst mich der Pflege Erziehung u Unterricht der hinterlassenen Kinder
derselben zu übernehmen ihnen hinzugeben widmen. Die Kinder
kamen mir mit den vollsten u unbefangendsten Zutrauen entgegen und
meinem Innersten wurde dad[urc]h schon der schönste Lohn für seyn bisheriges
Handeln. Mein Sch Sollte dieß Zutrauen der Kinder nicht getäuscht
werden so mußte meine nächste Sorge seyn dieselben so viel als mir
in meiner Lage nur mögl[ich] ist aus dem geistigen Druck u Fesseln zu befreyen in welchen
sie bis jetzt leben, da meine Schwägerin, die ohne alles Vermögen ist in Hinsicht ihrer
Subsistenz und samt ihren <Kindern> fast
ganz von einer Schwieger unmütterl[ichen] alten Mutter u einer <kränkl[ichen]> Tante zwey sehr alten fast mehr als
launigten Frauen abhängt ohne alles Vermögen ist, – bis jetzt leben.
Diese aus einer solchen Lage hervorgehenden Verhältnisse machten bey mein[em] Zweck absolut
nöthig die Kinder muntere lebhafte Knaben zunächst wenigstens
den größten Theil des Tages von jenen Verhältnissen abzusondern.
Dieß macht für den nächsten Winter einige Ausgaben nöthig für deren
herbey schaffung ich vorerst Sorge tragen muß. Meiner Pflicht u meinem
Lebenszwecke welcher in d[em] Vorstehenden <nur> in sein[em] <kleinsten Kern>
leise angedeutet ist habe ich bis her <fördernd> Alles dargereicht, was
wonach           So steht jetzt meine Sache /
[151R]
mein war u es ist mir unerläßliche (Forderung) Pflicht So stehen bis jetzt [die Dinge] die Forderung
meines Lebenszweckes so lange einzig d[urc]h mich selbst zu erfüllen als ich noch über
irgend ein Mittel zur Erfüllung derselben gebieten bestimmen kann; felsenfest über-
zeugt, daß <wo> dann noch äußere [Mittel] wenn dieß nicht mehr der Fall ist
Mittel zur Erreichung meines Zweckes länger nöthig
sind, daß sie mir dann sicher von anders woher werden würden.
Diese Überzeugung in der ich lebe in der ich aber auch nur einzig leben mag
bestimmt mich Ihnen abermals einen Wunsch u Bitte auszusprechen zu wiederholen, die ich
zwar immer wenn auch nicht so unmittelbar um dieses Zweckes willen
that, allein ohne es jedoch früher noch nicht aussprechen durfte zu dürfen. Ihre Aufnahme u Erwie-
derung auf meine früheren Bitten und gütevolle Mitwirkung zum Ver-
kauf meiner Mineral[i]en mögen in der Art u dem Grund gelegen haben in welchem
u welchen ich deßhalb aussprach. Die Art unserer Äußerung willkürlich
zu modifiziren hängt oft nicht vom Augenblick ab in der sie geschieht sondern
ist in der Gesammtheit eines Ganzen begründet daß Sie zu irgend einer
Bitte sich ein triftigerer Grund fügen finden kann, als der von mir angedeutete
bezweifeln <hindern> ist unmögl[ich]. Ich bin deßhalb fest überzeugt Ihnen dießmal jetzt
blos das Ziel den Zweck meines Wirkens und die Förderung desselben auszusprechen zu dürfen
und daß sich dann die Sache sicher durch Ihren Sohn Adolph
Ihrer gütigen Mitwirkung erfreuen wird. Seyen Sie deßhalb
so gütig mir zu schreiben ob es gar nicht möglich ist d[urc]h Adolphs
Mitwirken in Fr[an]kf[urt] ein[en] Käufer zu den Mineral[i]en zu
finden, ich gebe Sie [sc.: sie] gern auch für 3 Frddr hin da ich dad[urc]h
in den Stand gesetzt zu werden hoffe für nächsten Winder [sc.: Winter]
wenigstens Wohnung Licht u Holz für mein[en] Zweck bestreiten
zu können. Einfach habe ich Ihnen die Lage der Sache /
[152]
ausgesprochen, und erwarte zufrieden u heiter die
Leitung eines liebend waltend[en] Geschickes in allen meinen Begeg-
nissen mit Kindessinn ehrend, Ihr Handeln. Bis zum 5 9br
bleibe ich hier weil bis dahin von Ihnen Antwort wenn anders Sie mir Antworten wollen bis dahin dieselbe wieder hier
seyn kann. Darnach kehre ich unmittelbar zu dem mich erwartenden Berufe [zurück].
Ich grüße herzl[ich] Ihre Kinder und alle verehrten Glieder Ihres Hauses u die Fr v Hayden.
Leben Sie recht wohl.
Von meinem <frü[h]ern> Leben u dessen Zweck sage spreche ich Ihnen nichts
wünschen Sie es zu wünschen [sc.: wissen] so kann so wird es ihnen ihr [sc.: Ihnen Ihr] so wahres tiefes wahres Ge-
müthe ihr [sc.: Ihr] richtiger Sinn mit Sicherheit sagen: <-> Ich handle mit der <seelen>vollsten Beystimmung meines freundschaftlichen Bruders nur kann u darf ich von ihm keine Unterstützung fordern.
und Mit unerschütterlichem Mut u <Sinn> Festigkeit gehe ich denselben
denselben [2x] entgegen, und ich erreiche es sicher, ich erreiche es gewiß.