Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Berlin v. 22./23.10.1816 (Osterode)


F. an Heinrich Langethal in Berlin v. 22./23.10.1816 (Osterode)
(BN 277, Bl 153 u 156R, undat. Entwurf 1 ½ Bl 8° 1 ½ S.; in KN 18,3 Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S., ed. KG 1883, 10-11 und HV, 128-129 mit falscher Datierung „13.10“. Da der Entwurf räumlich direkt dem dat. Entwurf an Caroline v. Holzhausen vom 22.10.1816 und dem undatierten Entwurf an Middendorff folgt, dürfte er zugleich mit diesen Entwürfen verfasst worden sein.)

a) Entwurf

[Osterode 22.10.1816]


An Langethal

Du wünschst ich weiß es einige Nachricht von mir, dennoch kann ich Dir der Du jetzt
noch weniger noch Dir als schon einem bestimmten Stande gehörst, nur wenig mehr mit Bestimmt- /
[153R]
heit aussprechen als ich in den Andeutungen während der letzten Zeit unseres Zusammenlebens that. Würde ich Dir sagen: ich habe
unsere Heymath gefunden kehre auch Du bald in sie zurück könntest
Du jetzt schon diesem Ruf einige Aufmerksamkeit schenken? antwortete
ich Dir auch Deinen Fragen Heymath? - Vaterland? - mit jenem alten deutschen Sänger Deiner Frage Heymath? Vater-
land? - [:]
"Verachtend Vorurtheil u Tand,
'Ist Menschheit unser Vaterland!["]
Daß der Zweck meines Handelns Erziehung ist, daß ich wie schon längst in
mir nun auch außer mir aufgehört habe mir selbst zu gehören oder
richtiger vielmehr daß dieß so wie ich in mir, nie mir gehörte
nun dieß auch außer mir in meinen Handlungen d[urc]h mein Thun zeige u stets zeigen wer[-]
de, das muß Dir unzweydeutig schon aus unsern Gesprächen
hervorgegangen seyn. Schon führt das Schicksal an der Hand des
seelenvollen Vertrauens mir Kinder entgegen, deren Pfleger u Erzieher ich
seyn werde so bald ich in wenigen Wochen mit nächstem Monat an die heitern Ufer
der friedlichen Ilm zurückkehren werde und mit liebenden Sinn u
freundl[icher] Hand werde ich alle die [Kinder] ihnen vereinen die mit Zutrauen sich ihnen
anschließen, so werde ich sicher das Ziel erreichen das schon längst
in lichter Glorie meiner Seele vorschwebte u welches schon des
Knaben Gemüth erhob mit Seeligkeit erfüllte. Es beginnt nun
die Zeit der Erfüllung alles dessen was meine Worte in den Gesprächen
der letzten Zeit nur andeuten konnten. Dieß ist alles was ich Dir
jetzt schreiben kann, sage mir nun dagegen bald recht bald wie es
in und äußerl[ich] mit Dir steht dann sollst Du auch immer mehr u mehr
von mir hören. Bis zum 5 9br bleibe ich hier u da könnte ich wohl
einige Zeilen von Dir erhalten. Nach dieser Zeit schreibst Du mir unter
der Dir oder Midd[endorff] schon gegebenen Addresse nach Stadtilm. Dein Haus
grüße von mir besonders aber die Fr: Friedl[änder] theile dieser besonders /
[156R]
das Wesentliche aus diesen Zeilen mit; Du kennst unser
letztes Gespräch über die Pflicht des wissenden u erkennenden Mannes
ich hoffe, daß sie d[urc]h mein jetziges Handeln nun mit mir ausgesöhnt
seyn wird. Die Knaben die ich zunächst erziehe u [un]terrichte sind Kinder
meines meines nicht längst verstorbenen Bruders.
Jetzt lebe wohl      FWAFröbel.

b) Reinschrift

Osterode am Harz am 23sten Oktr 16.


Langethal!

Du wünschst ich weiß es einige Nachricht von mir, den-
noch kann ich Dir, der Du jetzt noch weniger Dir, als
noch einem bestimmten Stande gehörst, nur wenig
mehr mit Bestimmtheit aussprechen, als ich in den
Andeutungen während der letzten Zeit unseres Zu-
sammenlebens that. Würde ich Dir auch sagen: ich
habe unsere Heymath gefunden kehre auch Du bald
in sie zurück könntest Du ehe Du Deine nächste Ver-
bindlichkeit gegen Deinen Stand erfüllt hast jetzt
schon diesem Rufe einige Aufmerksamkeit schenken?
[dann] antwortete ich Dir auch auf Deine Fragen: Heymath?
- Vaterland? - mit jenem alten teutschen Sänger[:]
"Verachtend Vorurtheil und Tand,
'Ist Menschheit unser Vaterland!"
Daß der Zweck meines Handelns Erziehung ist, daß
ich wie schon längst in mir nun auch außer mir
aufgehört habe mir selbst zu gehören, oder richtiger vielmehr,
daß so wie ich in mir, nie mir gehörte nun dieß
auch außer mir in meinem Handeln durch mein Thun
zeige und stets zeigen werde, das muß Dir un-
zweydeutig schon aus unsern Gesprächen hervor[-]
gegangen seyn. Schon führt das Schicksal an der /
[1R]
Hand des seelenvollen Vertrauens mir Kinder entge-
gen deren Pfleger und Erzieher ich seyn werde
so bald ich mit nächstem Monate an die heitern
Ufer der friedlichen Ilm zurückkehren werde und
mit liebenden sorgenden Sinn und freundlicher
pflegender Hand werde ich alle die Kinder ihnen
vereinen die mit Zutrauen sich ihnen anschließen,
so werde ich sicher das Ziel erreichen, das schon
längst in lichter Glorie meiner Seele vorschweb[-]
te und welches seinem innersten Wesen nach schon
des Knaben Gemüthe mit Seeligkeit erfüllte.
Es beginnt nun die Zeit der Erfüllung alles
dessen was meine Worte in den Gesprächen
der letzten Zeit nur noch andeuten konnten.
Dieß ist alles was ich Dir jetzt schreiben kann,
sage mir nun dagegen bald recht bald wie es in und
äußerlich mit Dir steht dann sollst Du auch immer mehr
und mehr von mir hören. Bis zum 6en Novbr bleibe
ich hier und da könnte ich wohl einige Zeilen von Dir
erhalten.- Nach dieser Zeit schreibst Du mir unter der Dir
oder Middendorf[f] schon gegebenen Addresse nach Stadtilm. Dein
Haus grüße von mir, besonders die Fr: Friedländer; theile
dieser das Wesentliche aus diesen Zeilen mit; Du kennst unser
letztes Gespräch über die Pflicht des wissenden und erkennenden Mannes[.]
Ich hoffe daß sie nun durch mein jetziges Handeln mit mir ausgesöhnt
seyn wird.- Nun lebe recht wohl      FWA Fröbel.