Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Berlin v. 21.11.1816 (Griesheim)


F. an Heinrich Langethal in Berlin v. 21.11.1816 (Griesheim)
(KN 18,4, Brieforiginal 1 Bl fol 2 S., ed. KG 1883, 11f.; zit. Halfter 1931, 483)

Griesheim am 21sten Nov. 1816.


Lieber Langethal;

Dein Brief hat mir Freude gemacht, ich danke Dir
herzlich für denselben. Was ich Dir von mir mit-
theilen könnte habe ich im Einzelnen an Middendorf[f]
geschrieben, damit ich es hier nicht zu wiederholen
bedarf so bitte selbigen daß er es Dir aus meinem
Brief mittheile. Seit meinem vorigen Brief an
Dich hat sich nämlich mein Wirkungskreis etwas
vergrößert indem mein Bruder in Osterode mir seine
2 Knaben zur Pflege u Erziehung anvertraut und
sie mir sogleich hieher mit gegeben hat. Ich wohne
hier nun schon ganz selbstständig und habe auf einem
ähnlichen Fuß wie in Berlin mein eigenes kleines
Hauswesen unabhängig von irgend äußeren
Verhältnissen. Erfreulich war es mir bey diesem
meinem jetzigen ganz selbständigen Verhältnisse
und Wirken in Deinem Briefe einen Gedanken
wegen der Zukunft Deines jüngsten Bruders
zu lesen. Es ist wahr es ist ein Theil des tief-
sten Gedankens meiner Seele Kinder derer
die mir lieb und theuer, und die also auch selbst
mir wieder lieb und theuer seyn müssen zur
Erziehung um mich zu versammeln. Bis jetzt bin
ich noch nicht in E.- [sc.: Erfurt] und also auch noch nicht
bey Deinem lieben Vater gewesen. Glaubst
Du nun, daß seine Gesinnungen und der
Plan den er mit Deinem Bruder hat mit Dir /
[1R]
mit dem Deinigen übereinstimmt, so sey so gut
und sprich Dich deßhalb gegen Deinen Vater aus[.]
Die Kinder welche jetzt das brüder- und schwester-
liche Vertrauen und Liebe um mich versammelt hat
sind 4 Knaben von 6 bis 9½ Jahren. Da diese be-
ständig beschäftigt und unter Obhut seyn wollen
so würde ich ohne eine bestimmte gleichgeltende
Veranlassung schwerlich in den nächsten Monaten
nach E.- kommen. Sey nun so gut und schrei-
be mir deßhalb bald Deine bestimmte Gesinnung.
Daß der Kostenaufwand weder Dich noch Deinen
l. Vater von der Ausführung des g von Dir ge-
äußerten Gedankens abhalten soll und kann
dieß sollst Du dann auch bald von mir hören.
Nimm es mir nicht übel mein werther Fr[eun]d
daß ich jetzt nicht in das Innere Deines Briefs
eingehen kann allein ich muß Dir wieder-
holen was ich schon zu Middendorff sagte,
daß ich von Euch überzeugt bin daß Ihr die
absolute und wechselseitige Bedingung des
Innern und Äußeren anerkennt.
Will ich daß Ihr diese Briefe möglichst
bald bekommen sollt, so muß ich Dir jetzt Lebe-
wohl sagen. Erfreue bald wieder mit einigen
Zeilen
Deinen

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