Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 21.11.1816 (Griesheim)


F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 21.11.1816 (Griesheim)
(GNM Bl 91, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S., ed. H V, 136)

      Griesheim bey Stadtilm, am 21sten November 16.


      Wohlgeborner Herr,
hochgeehrtester Herr Professor;

Sie waren Zeuge des Eindrucks, welchen im Winter 1814
die Nachricht von dem Todte meines ältesten mir sehr
theuren Bruders, der Prediger in Ilm war, auf mich machte; seit jener
Zeit war mein fester Entschluß den hinterlassenen
Kindern desselben, dessen Verlust somöglich mög-
lichst zu ersetzen. Da ich bald einsahe, daß mir
dieß mittelbar nicht möglich werden würde, ent-
schloß ich mich es unmittelbar, persönlich zu thun
und so ward dieser Entschluß bey meiner Bitte
um Dienstentlassung wirksam.
Die Pflege und die Erziehung der beyden jüngsten
Knaben meines verstorbenen Bruders, Carl und Julius <-> beschäftigt
mich nun hier zunächst.
Das Vertrauen und die Liebe meines Osteroder
Bruders, Christian Ludwig
, dessen häusliche, örtliche und GeschäftsVer[-]
hältnisse ihm nicht erlauben seine Wünsche als
Vater verwirklicht zu sehen, vereinigte mit
den gedachten Knaben noch die seinigen, und sie
wohnen und leben jetzt hier bey mir in meiner /
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Wohnung im freundlichen und friedlichen obern Ilm-
thale.
Ich bitte Sie nun hochverehrter Herr Professor
<sehr> ergebenst meinem Freund Herr Midden-
dorff
, Studenten und Hauslehrern bey Herrn
Bendemann sen: meine im Universitätsge-
bäude zurückgelassenen Sachen verabfolgen zu
lassen, da ich denselben um die gütige Beförderung
derselben nach Rudolstadt gebeten habe.
Ew: Wohlgeboren nochmals für die vielen Be-
weise wahrer Freundschaft auf das herzlichste
dankend, empfehle ich mich Ihren und Ihrer
Frau Gemahlin ferneren Wohlwollen
Gehorsamst
FWAFröbel