Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine Klöpper in Berlin v. 17.8.1817 (Keilhau)


F. an Henriette Wilhelmine Klöpper in Berlin v. 17.8.1817 (Keilhau)
(BN 444, Bl 1-9, Brieforiginal 4 ½ B 4° 16 ½ S.)

Keilhau ohnweit Rudolstadt am 17 August 1817.


Hochverehrte, edle Frau.

Mit demselben reinen und vollen Vertrauen,
mit welchem Ihr erstmaliges Erscheinen in
meinem Leben, mich sogleich erfüllte, lege
ich Nachstehendes der Tiefe Ihres klaren Ge-
müthes zur Prüfung vor.
"Es war ein Mann, dem in seinem frühesten
Knabenalter aus der Tiefe seines Gemüthes die
Wahrheit herauf leuchtete: daß das Wesen
des Menschen seiner Natur nach, nichts wenig-
er als schlecht oder böse, sondern nothwendig
gut sey; daß aber der Mensch, durch tausend
fehlerhafte und schlechte Einwirkungen, welche
ihn immer mehr und mehr dem Wesen sei-
ner Natur entfremden, zu dem, mehr als
armseligen Geschöpfe herabsinke, welches
er in jedem Augenblicke erscheint; und daß /
[1R]
daher derjenige Mensch, welcher ungestöhrt
der Natur seines Wesens nachgehe, daß der,
welchem so zu gehen vergönnt sey, vergönnt
werde, auch in seinem Leben, in dem Wirken
seines Lebens so gut, wie sein Wesen seyn
werde."
"Ihm selbst aber, diesem Manne, wurde ein
solches Leben nicht, vielmehr schien oft alles
ihn Umgebende sich recht eigentlich dazu zu
vereinigen, ihn von diesem Wege zu ent-
und auf die Irr- und Wirr-Wege der
Unnatur zu führen. Gewaltsam wurde in
ihm das Licht der ersten Wahrheit zurückge-
drängt, oft dämmerte es nur noch als matter
Schein herauf. Schon schien sein Untergang
gewiß, aber vertrauend dem auch noch so
matten Scheine, vertrauend dem auch noch so
schwachen Lichte, entwandelte er dem Un-
tergange. So reifte schon in des reifenden
Jünglings Gemüthe der ernste Vorsatz:
achtend zu pflegen, achtend nachzugehen
der Natur des Wesens, dem Gemüthe
ihm einst geschenkter Kinder." /
[2]
"So stand er in sich, da führte ihn das Leben, hin-
ein in das Leben, wie noch nicht er es kannte.
Kinder erschienen um ihn, manche noch Kind, schuld-
los wie Engel, manche an Jahren noch jung,
aber schon sichtbar genug die Spuren und Folgen
heftig zerstöhrender Einwirkungen an sich trag-
end. Vater und Lehrer sollte er ihnen seyn,
Vater und Lehrer wollte er ihnen seyn, aber
wie er im reinen Gemüthe, Vater und Lehrer
Pflicht trug; denn die Wirkungen der Unnatur
hoffte er durch hingegeben werden an die reine
Natur zu heilen. Doch so zu wirken, machten
Leben und Verhältnisse wie sie waren, ihm
nicht möglich. Heftig und gewaltsam begann,
furchtbar war und wurde, vernichtend schien
des Lebens Kampf um wahres Leben; doch
aller Erscheinungen letzter Ausspruch, um
welches willen sie eigentlich nur da zu seyn
schienen war: - Wahrheit zeugte das Licht
im jungen Gemüthe: Entfremdung der
reinen Natur des Menschen-Wesens und
hingegeben, hingestossen werden, und sich
hingeben der Unnatur, der Unnatürlichkeit /
[2R]
erzeugten die Gebrechen der lebenden Menschen-
der kaum entkeimten Kinder-Welt."
"Da dachte der, nun gereifte Jüngling, in sein
Knaben- wie sein Kindesalter und Leben zurück,
vor seiner Seele ließ er vorüber gehen sein
ganzes gelebtes und noch zu lebendes Leben
und dies Leben der jetzt entkeimenden und leben-
den Kinder; dankend erkannte er das nur jenes
ihm, in dem Kindesgemüthe entstiegene Licht,
habe ihn, im furchtbaren Kampfe vom Unter-
gange gerettet; mitleidend erkannte er hier:
allen ihnen drohete, wie das Leben der Kinder
er gesehn und nur sahe, ein gleicher vernich-
tender Krieg. Wohl wußte er, daß in jedem
Kinde, als ein Menschenkeim, als zarte Mensch-
en- und Menschheitspflanze, auch jenes ihm
geleuchtete und geleitete Licht des Kindes ge-
müthes, leuchte oder schimmre; aber er
sahe auch, die äußern, die sichtbaren Lebensver-
hältnisse schon so unnatürlich, daß Licht und
Schimmer sich nicht hervorarbeiten, sich nicht
zur unvergänglichen Lebenssonne erheben,
sondern vielmehr für immer unerkannt, wir-
/
[3]
kungslos in die Tiefe zurück sinken muß."
"Aber der Mann achtete, liebte die Menschheit,
die Menschen; denn das was, dem Menschen zu
erkennen, zu erreichen, darzustellen möglich, nir-
gends anders als, im Menschen und in der Mensch-
heit erschien es ihm, konnte es ihm, in gleicher lich-
ter Glorie erscheinen; er achtete und liebte die
Kinder; denn zu alle diesem herrlichen, diesem
Schönen und Guten liegt ja im Kinde der Keim.
Darum wünschte und sehnte sich sein liebend Gemü-
the, daß diese schwachen Kinder vor jenem furcht-
baren Krieg und Kampf behütet werden möchten.
Was aber erst nur als Wunsch, als Sehnsucht
ihm erschien, trat bald als Pflicht als Nothwendig-
keit ihm entgegen; denn das Licht des Knaben ent-
faltete sich weiter in die Wahrheit: Nicht soll
der Mensch unter vernichtenden, durch schwächende
vernichtende Kämpfe seine Bestimmung erreichen,
nicht auf dem gewagten, teuschenden Wege der
der Lebenskämpfe; der trügenden, vernichtenden
Zufälligkeit soll der Mensch sich entreißen; dieser
Zufälligkeit soll das Kind entrissen werden."
"Da wandte sich des Mannes ganzes Wesen, /
[3R]
alles sein Denken, alles sein Empfinden zu diesem
Gedanken, alles sein Wirken und Thun zur Verwirk-
lichung desselben hin; und gleichzeitig las er in sich
klar die Wahrheit: nur der, der sich selbst und
sein Wesen und das Wesen des ihn Umgebenden,
der Natur erkennt, kann für die Erreichung jenes
Zieles fruchtbringend wirken."
"Von nun an hatte Jahre lang, zurückgezogen
auf und in sich sein mannichfaltigstes Thun, nur
diesen Zweck. Prüfend betrachtete er für sein Ziel
das mannichfaltige, und prüfend trat er für
sein Ziel in das entgegengesetzteste, er trat
endlich in dasjenige äußere Wirken, was dem
Menschen die jetzige Zeit, als das höchste und
würdevollste zeigt; aber Nichts gab, Nichts konnte,
nach dem, was und wie es war, Befriedigung
seinem Gemüthe geben, in keinem dieser äußern
Wirken erschien ihm der wahre Weg, in keinem
das rechte Mittel zur Erreichung seines Zieles;
in keinem sahe er den wahren Weg, das rechte
Mittel zum Menschheitsziele; vielmehr wieß
alles auf die Kinderwelt, rief ihn alles in den
Kreis der Kinder zurück; denn nicht nur jedes /
[4]
Verhältniß in dem er gelebt und lebte, sondern auch
jeder Blick ins Leben wie es war und ist, rief ihm
klar, rief ihm deutlich bestätigend zurück: das was
und wie der Mensch jetzt in seiner Armseligkeit ist,
hat ausschließend seinen Grund in der Unnatür-
lichkeit der häuslichen und elterlichen, so wie über-
haupt in der Unnatur aller Verhältnisse, welche
den Menschen als Kind umgeben, auf ihn ein-
wirken, in welchen er lebt; soll nun aber das
Kind, der einstige Mensch gut werden, so muß er
daher in gute äußere Verhältniße in gute Umgeb-
ungen versetzt werden.
Darum so trat nun jener Mann, aus dem öf-
fentlichen Leben, wohin ihm die Verfolgung seines
Zweckes geführt hatte, alles Äußere, was nur
irgend sein war freudig lassend, auf und in sich
selbst, in sein Leben, in das Leben in und mit Kin-
dern zurück."
"Freudig ehrend und willig folgend den Foderungen
der Natur, versammelte er nun zunächst um sich,
geliebter Brüder Kinder: Kinder eines zu früh
verstorbenen und Kinder eines in sich überzeug-
ten Bruders, daß sein bürgerliches Geschäfte ihm /
[4R]
nicht vergönne alle Vaterpflichten, so wie er sie nur
schon selbst erkenne zu erfüllen; und an der Hand
eines sich selbst suchenden Freundes, trat vom Ver-
trauen bestimmt noch ein Freundes Bruder hinzu.
"Sie, der Natur ihres Wesens treu und rein
nachlebend zu machen und ihnen ein solches na-
turgetreues Leben zur Einsicht zu bringen, sie
also in lückenlosen und unzerstückten guten Um-
gebungen lebend, webend und wirkend zu machen,
war aber das Ziel, warum er sie um sich ver-
sammelte, ein solches, ganzes Leben darzustellen
war das Ziel ihres Zusammenlebens. Alle
Kräfte, alle Mittel die dem Manne zu Gebote
standen bot er auf, vereinigte er, um, die nun
seine Kinder, um sich und den nun um und
mit ihm lebenden Kreis zu jenem Ziele, dem
einzigen des Menschen würdigen Ziele hin-
auf zu führen; aber bey allen Kräften die er
anwandte, bey aller Klarheit aus welcher er
sein Handeln hervorgehen und dasselbe begleiten
ließ, so rufte ihn selbst sein, so prüfend führen-
des Leben, die Bestetigung der Wahrheit entgegen:
nur im häuslichen Kreise,
/
[5]
      nur im häuslichen Verhältnisse,
nur im elterlichen Wechselwirken
liegt die Quelle alles ächten Menschenlebens.
       Nur in und durch einen alle Fo[r]derungen des
häuslichen Kreises erfüllenden Kreis;
      nur in und durch ein, allen häuslichen Fo[r]derung-
en genügendes Verhältniß;
      nur in und durch eine, alle elterlichen Wechsel-
wirkungen ausübende Einigung;
kann das Kind seiner Natur getreu gepflegt wer-
den, kann der Mensch der Natur seines Wesens
nachgehen und in seinen {Leben Handeln} so gut, wie
sein Wesen seyn; nur in diesem Leben und
Verhältnisse ist die Darstellung der reinen Mensch-
heit vollendet möglich, denn nur es ist - ein
ganzes Leben."
"So trat ihm selbst in seinem eigenen, so bey je-
dem Schritte geprüften, in seinem so verständig
geordneten und geregelten, Leben mit klarer
Einsicht nur einen Beziehungspunkt habenden und
festhaltenden Leben, der Mangel an Selbstbe-
folgung der Wahrheit: nur im häuslichen und
elterlichen Leben ist ganzes, ist wahres Mensch-
heitsleben - entgegen. /
[5R]
"Wohl freute sich da des Mannes Gemüthe, daß die
von ihm klar erkannte höchste Forderung jenes Lebens,
so unerschütterlich fest stehe, daß selbst Klarheit
der Einsicht, Stärke der Kraft ihn, wollte er
für ächtes Menschheitsleben, für Darstellung
einer naturgetreuen Kinderpflege wirken, nicht
von der Selbsterfüllung derselben lossprechen
konnte; Wohl freute sich des Mannes Gemüthe
der Unerschütterlichkeit und Wandellosigkeit,
der Einschränkungslosigkeit und Unumgehbarkeit,
mit der, die von ihm selbst erkannte, von ihm selbst
ausgesprochene Wahrheit, ihm selbst unaus-
weichbar anfordernd entgegentrat; aber, da
er sich nun umsah um, die Bedingungen des
höherern häuslichen, des höheren elterlichen
Verhältnißes zu erfüllen, das ihm mangelnde
Zweyt zu suchen, da fand er, diese Bedingungen
zu erfüllen nirgends ein Wesen dessen Höchstes
es auch war, seine Natur, das Wesen des
der Menschheit wie es dasselbe in sich trage,
rein, in Hülle und schön auch außer sich in
und durch Gestaltung und Schaffen und Wirken
darzustellen; so wie es ihm höchstes Streben
war, seine Natur, das Wesen der Menschheit /
[6]
wie er es klar erkennend in sich trage, rein und
klar und wahr außer sich, in Wort, in Lehre und
Unterricht darzustellen."
"Oft hatte er nun dieser Mann sinnend und
prüfend für dieses höhere, dann gemeinsame
Leben, die mancherley Gestalten, die ihm im Leben
begegnet waren, vor seiner Erinnerung vorüber
geführt, aber keine zeigte sich, den Foderungen
desselben Genüge zu leisten. Da trat einst
wieder vor seine Seele ein Wesen, ihm einst be-
gegnet in, den Schätzen der Natur gewidmeten
Säälen, wo beyde gingen um sich zu erfreuen
und sich zu erheben durch das Anschauen der Viel-
heit und doch Mannigfaltigkeit und doch Einheit
und Stetigkeit der Naturwerke.
Es, dieses Wesen, trat wieder vor in seine Seele,
sie eben so mit vollem unbegrenzten Vertrauen
ganz, als bey seinem erstmaligen Erscheinen
erfüllend, unverwandt hielt er dabey, seines Lebens
Ziel und Zweck in sich schauend fest, und siehe! sein
Lebenszweck fand in diesem Vertrauen sein Ziel;
er erkannte und empfand wie beyde, Vertrauen
und Lebensziel, als Eins in seiner Seele ruheten.
Diesem vollendeten Vertrauen sich ganz hingebend /
[6R]
reichte er der Mann diesem Wesen der Einigung
Hand und sprach:"
""Auch Du suchtest, auch Du strebtest das Wesen
der Menschheit in seiner Reinheit, wie es sich
in der Kindlichkeit und Unbefangenheit Deines
tiefen Gemüthes aussprach, bildend, ordnend
schaffend darzustellen, und Dir es so zur schönen
lebendigen Gestaltung zu erheben; aber die
um Dir Lebenden verstanden Dich nicht. Auch
Du suchst jetzt in Andern pflegend darzustellen,
was zu erreichen Dir unmöglich war; darum
komme Du, lasse uns geeint, Eltern höherer
Art seyn; komme, lasse uns Kindern, ihnen
nicht sinnlicher Vater, sinnliche Mutter seyend,
lasse uns ihnen Vater und Mutter höherer
Art seyn. Lasse uns ihnen durch Lehre und
Gestaltung, durch Leben und Schule, durch Sehen
und Hören ihr Wesen, und das Wesen der
Menschheit zur Erkenntniß bringen. Lasse
es uns unser ganzes Streben seyn, daß sie
es so lieb gewinnen, daß sie an die Darstel-
lung, daß sie an ein Denken und Thun,
Erkennen und Wirken, Empfinden und Schaffen
nach den Fo[r]derungen dieses ihres Wesens, Leib und
/
[7]
Leben und jedes äußere Gute setzen. Komme,
lasse uns unschuldigen Kindern, wenigstens
solchen die gewiß in sich wünschen rein und schuld-
los zu seyn, es möglich machen ihre Schuldlosigkeit
zu erhalten, oder sie doch wieder zu erringen;
Du, daß durch leitendes Schaffen sie in Allem, was
sie im häuslichen Kreise umgebe, in Allem was
ihnen und für sie geschehe und wie es ihnen und
für sie geschehe, ihr Seyn und Wollen und das
Wesen und Streben des Menschen anschaulich
entgegen trete; ich, daß durch Lehre und Leben
ich ihnen den Geist, das Wesen dessen, was sie um-
giebt, ihnen ihr eigenes, das Wesen der Mensch-
heit erkennend mache; wir beyde durch Pflege dahin
wirken, daß ihnen das gemeinsame Verbunden-
seyn der Menschen durch Liebe und für Ausübung
dieser Liebe, für Darstellung derselben in Allem
was sie sehen und hören, was für sie geschiehet
und was sie thun, sich klar aussprechen; daß ihr
eigenstes Wesen, ihre Individualität, ihr Selbst
nicht zerstöhrt, nicht geschwächt, sondern viel-
mehr in seiner höhern Bedeutung ihnen zum
Bewußtseyn gebracht werde."" /
[7R]
"" Siehe! Fremde umgeben mich, wenigstens solche, welche
das Höhere im Menschen weder klar erkennen, noch
ihrer Erkenntniß getreu handeln, so wird es mir
unmöglich, daß den mit mir Lebenden und mich
Umgebenden auch aus dem häuslichen Leben, die
Wahrheit dessen, was Gegenstand und Frucht der
Lehre ist, entgegen trete; unmöglich, so sprach
der Mann ist es mir, mich der schaffenden Leitung
des Hauswesens hingeben zu können, und so
zeigt sich, statt Einheit, Getrenntheit; statt Überein-
stimmung, Widerspruch; statt Stetigkeit, Zer-
stücktheit; unmöglich ist es mir so, dahin, dafür
zu wirken, daß die Kinder außer sich, möglichst
nur von Gutem und Reinem umgeben werden,
unmöglich ist es mir so, oft auch nur gewöhn-
lich in die Güte ihres Gemüthes stöhrend Einwir-
kendes zu entfernen; unmöglich ist es mir
hierbey, das Ziel meines Lebens zu erreichen,
den Zweck seines Lebens zu erfüllen.""
"" Aber freylich, so fuhr der Mann höchsten Ver-
trauens voll fort, habe ich Nichts, gar Nichts,
was man Etwas nennt, Dir für alles dieses
zu bieten, Dir darzubringen, ich bin arm, ganz
/
[8]
arm, aber daß Dir ein Leben auch äußerlich
werde, wie Du es fodern mußt, wie es Dein
eigenstes Selbst fordert, daß jede Sehnsucht auch
Deines Wesens Dir erfüllt werde, daß es
Dir möglich gemacht werde jedes Bdürfniß Dei-
nes Gemüthes und Geistes zu erfüllen, den
Fo[r]derungen Deines reinen Gemüthes getreu
handeln, treu leben und wirken zu können, das
wird mir Pflicht seyn ist meinem Suchen und
Streben selbst eigenste Fo[r]derung.""
""Darum komme, so sprach der Mann zu diesem
Wesen, höre den Ruf des innigsten vollendetsten
Vertrauens: eine Dein Handeln mit dem meinen;
finde auch Du Deines Lebens höchsten Zweck,
sein schönstes Ziel in meinem Zwecke, meinem
Ziele; eine Dein Leben mit dem meinen.""
""Nicht bedarf es dazu großer Körperkraft,
leitend nur stehe da als die zweyte Hälfte,
als die Hälfte, welches mein Thun erst zu einem
Ganzen macht, ihm Einheit giebt, und ohne wel-
che zweyte Hälfte, laut und als schönsten und
besten Preis meines Erkennens will ich es be-
kennen, mein Leben nie Einheit werden wird. /
[8R]
Und, glaube es edles Wesen, auch giebt ein
Denken und Thun, ein Empfinden und Wirken,
dem Wesen des Menschen, seinem Gemüthe ganz
entsprechend, glaube es fest, giebt Gesundheit
giebt Kraft, ruft Gesundheit, ruft Kraft
zurück"".
"So sprach der Mann und schwieg.--"
Und nun, hochverehrte, edle Frau! Mit dem-
selben unbegrenzten Vertrauen, mit welchem
mich Ihr erstmaliges Erscheinen erfüllte frage
ich Sie: würde ein Mann den Sie achten könnten,
dessen Leben und Lebenszweck Sie achteten, so
zu Ihnen reden, was könnten, was
würden Sie aus der Tiefe Ihres klaren, und
nach den Foderungen Ihres reinen Gemüthes
ihm antworten?-
Vergelten Sie Vertrauen mit Vertrauen
mir, dem Ihnen sonst kaum Bekannten; erfüllen
Sie um dieses Vertrauens willen, mir, dem
Ihnen sonst kaum Genannten die herzliche Bitte
um diese Antwort; erfüllen Sie mir dieselbe
gütevoll bald, möglichst bald. /
[9]
Vom Grunde meines Herzens wünsche ich,
hochverehrte, edle Frau! Ihre Gesundheit,
Ihr Wohl.
FriedrichWillhelmAugustFröbel.