Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine Klöpper in Berlin v. 20.2./21.2.1818 (Berlin)


F. an Henriette Wilhelmine Klöpper in Berlin v. 20.2./21.2.1818 (Berlin)
(BN 444, Bl 37-38, dat. Entwurf 1 B 4° 4 S. auf dem v. Henriette Wilhelmine Klöpper an Fröbel gerichteten Brief 1 B 4° ½ S. v. 20.2.1818.: 37V Brief H.W. s u. 38R Berliner Adresse F.s)

[37]
Berlin den 20. Februar
18
Am 20en Febr 18. Ich erkenne schlechterdings kein Wirken der
Zeit dem ich mich in und mit dem meinem unterordne, und wäre
jenes Wirken von der ganzen jetzt lebenden Menschengesammtheit
als das höchste geprießen ja anerkannt

Am 21sten Febr: Es soll kund werden, daß nichts Äußeres, sondern
nur das Innere gel[iebt] und geachtet wird.
Erlaubte der Arzt Ihnen die Ehe und unter welchen Bedingungen. [*Einfügungszeichen*]
Ich suche ein mein Streben und Wirken, mich in meinem Streben und Wirken
deutlich wenigstens dem innigsten Wunsche nach verstehendes Weib. Ein Weib
was das Ziel u die Wege, den Zweck u die Mittel, das Streben u die dazur Darstellung
desselben angewandt werdenden mittel Kräfte leicht versteht, achtet und würdiget
[am linken Seitenrand hochkant, möglicherwiese an das o.g. Einfügungszeichen:]
Kann Ihr He. Vater Ihre Ehe verhindern nach den
Gesetzen und wie erlauben ihm die Gesetze zu handeln? /
[37R]
Die Darstellung des sich in dem Menschen offenbarenden Göttlichen und wie
es sich in demselben offenbart ist mein lebenszweck; also erstl. befö[r]derung
Entwicklung und Nachgehung der Offenb. des göttl. im Menschen.
Zweytens: Aufsuchung, Aneignung der Mittel durch und in welcher jene Darstellung
statt finden kann.
Es kommt in meinem jetzigen Verhältniß einzig darauf an zu prüfen ob ich
recht und gut handle, alles andere kümmert mich nich[t]

<Gottes>
Die Wichtigste Frage ist: will Sie meiner Kinder treu pflegende Mutter seyn
nach der besten Erkenntniß die Ihr kommt? und will Sie ernsten Sinnes nach dieser
bessern Erkenntniß streben? und glaubt Sie fest, daß Ihr diese Erkenntniß durch
Ihr Innerstes und durch mich kund werden werde?
Sie haben bisher den Mann nach seiner lügenhaftigkeit [darüber: Untreue] kennen lernen
nun aber sollen Sie ihn nach seiner Wahrheit und Treue kennen lernen.
Ich kenne überhaupt auch kein Weib daß den Mann nach Seinem ganzen
Wesen nach seiner wahren Liebe, Treue, Wahrheit schon kenne; auch erwarte ich
kein solches Weib, auch selbst in Ihnen nicht zu finden; aber ich glaube
und bin überzeugt in Ihnen (um Ihrer selbst willen, Ihr Zustand, Ihr Leben
ist mir Bürge dafür) ein Weib zu finden die sich nicht widerspenstig
(wider spenstig   = entgegen gespannt)    finden lassen wird, die Treue,
(ge - spenst   = ein ge - sponnenes )    die Wahrheit, die Liebe, zu ihrem
(    d[urc]h die Einbildung)    Wesen (nicht zu ihrer Person, nicht zu ihrem [sc.: ihren]
äußern Mitteln, nicht zu ihren äußern Verhältnißen[)] anzuerkennen, so bald als diese ihr entgegen tritt. /
[38]
[Seite ist zweigeteilt, links oben:]
Das Metrum u die Pulsschläge, der Tackt, der Fuß und der Puls-
schlag: - Dieses/Zim/mer/ist be/setzt.
Takk, tack , tack , tack.
Takt von ticke, tacke
topf
kopf
tropf O = einen
knopf äußerl. runden
schopf
knoll
voll
[rechts und unten, wieder zum Briefentwurf gehörig:]
Ich gebe meine Hand
einer Verachteten, Gekränkten,
Gemißbrauchten, um Sie und so ihr
Geschlecht in Ihr zu rechtfertigen; um zu
zeigen daß Sie ihr Wesen wirkl. gekränkt, verachtet,
Gemißbraucht, kurz daß Sie verkannt
wurde; den Baustein den die Bauleute ver-
worfen haben ist zum <Eckstein / Edelstein> geworden. so das weibl.
Geschlecht
Nun ist noch der Punkt um meinet- und Ihretwillen klarzu[-]
beleuchten. Ich käme um Ihres Geldes willen! -
Setze den Fall: Sie wäre ganz dieselbe die Sie jetzt ist Ihrem geistigen und physischen
Seyn nach; aber sie hätte gar kein Vermögen verlohr es z.B. augenb[lick]lich
d[urc]h Brand oder Banquerott würdest Du Ihr dennoch noch deine Hand geben?
Ja! - Aber warum? - was könnte dich dazu bestimmten? - Ihr ganzes Seyn
eben Ihre geistige und physische Lage, Ihr geistiger und physischer Zustand! - Gut.
Aber wodurch willst du dein, du Ihr, du Euer Leben sichern fristen? - Denn
von der Liebe, der Luft, der gegenseitigen innern Achtung lebt man nicht, kauft
auch weder sich noch andern Brot noch erhält man sie dad[urc]h Also nochmals:
wodurch willst du dein, du Ihr, du Euer Leben sichern und fristen? -
Durch die in uns lebende, uns nicht selbst sondern uns von unserm Schöpfer gegebene, wieder in seine Rechte einge-
setzte, gekränkte, zerstückte, zerstöhrte [sc.: zerstörte], verachtete Kraft Gottes, Kraft
des <Schöpfers>.
Also wodurch pp? - Durch Gottes Kraft, durch des <Schöpfers> Kraft, die in uns
lebt, weil wir sind! - Durch Vertrauen, durch liebe zu Gott
d[urc]h festhalten an ihn, an seine Offenbarung in
uns /
[38R]
Also wirken und sorgen Sie nur, soviel als in Ihrer Kraft
und in Ihrer Einsicht steht (diese Kraft und diese Einsicht zu erhöhen ver-
mehren wird mir größte und schönste Pflicht [darunter: Pflege] seyn, seyn Sie nur nur [2x]
gegen meine Pflege nicht widerspenstig:) durch Ordnung, Reinheit, Pünktlichkeit pp daß ich (geistig) arbeiten
kann, daß wir arbeiten können, so
wird alles, alles mit [dem] <Schöpfer> und im Vertrauen auf [den] <Schöpfer> gut, recht gut
gehen.
Wie verträgt sich nun mit allem diesem dein, mein höchstes
Streben, mein höchster Vorsatz:
Mensch zu seyn? -
Denn weiter sagst du ja willst du nichts seyn; wie erfüllst
du dad[urc]h die Pflichten des Menschen? -
Der Mensch (Mann) soll gerecht seyn! Das will ich nur
Er soll wahr seyn, das will ich nur
Er soll treu seyn, das will ich nur
Er soll dankbar seyn das will ich nur
(gegen wen? - gegen die Zeit, die Vorzeit und Mitzeit
gegen das Geschlecht, seines und das zweite)
Er soll das zweyte weibliche, die Hälfte, Hülfe anerkennen, das will
ich nur.
Er soll offen seyn, seine Fehler pp <Verirrungen> bekennen lernen und besser
handeln! - Das will ich nur!
Er soll das wohl seiner Familie seines Geschlechtes, der seines
Wesens der Menschheit befodern [sc.: befördern]! Das will ich nur
Er soll den Menschen sein Seyn als Geschöpf erkennend machen, das will
ich nur; - so handle ich also blos als Mensch