Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an den Pfarrer Arnold in Möhra v. 11.5.1818 (Keilhau)


F. an den Pfarrer Arnold in Möhra v. 11.5.1818 (Keilhau)
(Evangelisch-Lutherisches Pfarramt Möhra, Lutherkirche, Vitrine, Brieforiginal 2 B 4° 7 S.)

Keilhau den 11en May 1818.


Hochgeschätztester Herr Pfarrer.

Zunächst meinen freundschaftlichen Dank für Ihren lieben
Brief. Die Ankunft des Nicolaus Luther hat hier
allgemeine Freude gemacht, und ich danke Ihnen noch
besonders im Namen Aller für den Antheil welchen Sie
an dieser Reise genommen haben. Auch daß sein
Schwager Hofmann den Luther begleitet hat, ist mir
nun im Ganzen lieb gewesen, indem er sich recht
gut benommen hat.
Wie unsere Pflegesöhne Georg und Ernst leben
und wie es ihnen geht, so wie daß sie noch ganz /
[1R]
gesund sind, werden Sie am besten und sicher-
sten aus dem Munde des Vaters derselben
vernehmen.
Was meine und unsere Zufriedenheit mit
denselben betrif[f]t, so finde ich alles bestätigt
was Sie so gütig waren mir besonders über
den ältesten Luther auszusprechen, und sie
vermehren täglich die gute Hoffnung die ich
von ihnen gehabt habe und noch habe. Mein
und unser noch ausführlicheres Urtheil über
sie, werden Sie, wie ich sicher erwarten kann
bald im Anzeiger der Deutschen öffentlich aus-
gesprochen lesen, und dieß in einem Aufsatze
welchen die Stellvertreter des Vereines für
ein lebendiges Denkmal Dr M. Luthers
in Rudolstadt, Waimar, Erfurth, Eisenach /
[2]
zur Aufforderung zu noch allgemeinerer Theilnah[-]
me an dem Unternehmen des Vereines daselbst
werden abdrucken lassen.
Ihnen hochgeschätztester Herr Pfarrer, einen
Abdruck dieses Aufsatzes bey Ihrer herzlichen
Theilnahme an dem Unternehmen, zu übersenden
war die Ursache meines bisherigen Schweigens
so wie die sehr große Geschäftigkeit in der ich
jetzt lebe. Ich bitte Sie mir dasselbe zu verzeihen.
Georg hat jetzt bald nach seiner Ankunft an seinen
Vater geschrieben, und mich oft an die Absendung
seines Briefes erinnert, doch wollte ich ihn nicht
ohne begleitende Zeilen von mir abschicken, aus
dem oben angeführten Grunde, und so blieb er
bis jetzt liegen, so daß ihn nun der Vater selbst
mitgenommen hat; ob ich ihn gleich nicht gelesen /
[2R]
habe, so erwarte ich doch, daß er sich mit ganzer
Freymüthigkeit über seine Zufriedenheit mit
seiner neue[n] Lage darinne ausgesprochen hat.
Offiziell haben wir bis jetzt noch keine An-
zeige in Meiningen gemacht, doch ist die Fr: Her-
zoginn Durchlaucht auf einem anderen Wege,
- durch eine Ihrer Freundinnen, unsere Frau
Geheimräthin von Beulwitz eine geborne
Fräulein von Bibra aus Meiningen [-], persönlich
und mündlich auf das vollständigste von dem
Fortgange des Ganzen unterrichte[t]. Gedachte Fr:
von Beulwitz hat mir selbst das Vergnügen
gemacht mich in Gesellschaft Ihres [sc.: ihres] Herrn Ge-
mahls vor ihrer Abreise nach Meiningen hier in
Keilhau zu besuchen und sich so persönlich von
dem Wohlbefinden ihrer Landsleute zu überzeugen. /
[3]
Diese Dame ist überhaupt innige Theilnehmerin
an dem Unternehmen des Vereines und wirksame
Beförderin desselben. Sie ist es welche dem Ernst
an seinen kürzlich verlebten 12n Geburtstage durch
mich mit dem S silbernen Denkkreuze hat beschen-
ken lasse[n], welches Ihre Frau Herzogin Regentin
zum Gedächtniß des 3n Reformationsjubelfestes
hat ausprägen lassen.
Auch meine Fürstin Mutter nimmt besonders
thätigen Antheil an der Beförderung des Unterneh-
mens des Vereines. Sie ist es welche unsern Luthern
Hemden, Strümpfe, Schnupftücher, Handtücher
Stiefeln, Pantoffeln, von der Wäsche von jeder
Art ein Dutzend machen läßt.
Aber auch in der Nähe und Ferne vermehrt sich
die Theilnahme an unserm Unternehmen, so /
[3R]
sind im Waimarischen Sonntagsblatte von 5n
Aprill der Herr Hoffcollaborator Köhler und
der Herr Professor Vent mit freyem eigenem
Antriebe als warme Befö[r]derer des Unternehmens
aufgetreten.
Diese wenigen Andeutungen über den Stand des
Unternehmens müssen mir jetzt genügen, da der
Luther der Vater schon auf dem Sprunge zur Ab-
reise steht, doch hoffe ich, daß Sie [sc.: sie] Ihnen theilnehmen-
der Herr Pfarrer ein Mittel an die Hand geben
mögen falsche Gerüchte niederzuschlagen, und sich
durch vielleicht eigenmächtige Handlungen Anderer
nicht irre machen zu lassen. Die Öffentlichkeit
von Seiten der Stellvertreter des Vereines wird
zu seiner Zeit über alles Aufschluß geben, und
Jedem der unberufen das Unternehmen trübt /
[4]
und den Geist der dasselbe belebt entstellt in
seiner wahren Gestalt zeigen.
Von Ihrer herzlichen Theilnahme an den jungen
Luthern hoffe ich, daß Sie dieselbe auffo[r]dern
wird, sich noch in diesem Sommer persönlich von
dem Wohlbefinden derselben zu überzeugen
und mir die Freude Ihres Besuches herbey zu
führen. Luther wird Ihnen sagen können, daß
der Weg nicht weit und nicht unangenehm
ist. Zu diesem Besuche lade ich Sie auf das herzlichste ein.
Herzlichst grüße ich Sie in Gemeinschaft
mit meinen Freunden auch dem, der Ihnen
persönlich noch unbekannt ist, Herrn Middendorff
so wie auch Ihre liebe, gütige Frau.
Hochachtungsvoll bin ich unausgesetzt
Ihr
          ergebenster Dr u[n]d Freund
FriedrichWilhelmAugust Fröbel