Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine Klöpper in Berlin v. 31.5.1818 (Keilhau)


F. an Henriette Wilhelmine Klöpper in Berlin v. 31.5.1818 (Keilhau)
(BN 444, Bl 48-52, Brieforiginal 2 ½ B 8° 9 S.)

Keilhau den 31sten May 1818.


Meine innigst geliebte, meine theuerste Freundin

Es ist lange, lange [her], daß ich mittelbar und schrift-
lich auch nicht ein Wort zu Ihnen sprach; aber
es kann nicht anders seyn, Sie müssen, wenn Sie
eben so fest und innig die Meine sind, als ich der
Ihre bin, in diesem meinen langem Schweigen
den redendsten Beweiß meines höchsten Ver-
trauens zu Ihnen, meiner wahren und reinen
Liebe Ihrer gefunden, gelesen haben! - Ja meine
einzige Freundin die mir Alles ist, der ächte
Mann, der treue, beweist dadurch sein Vertrauen
daß er ganz und ohne Einschränkung traut, sehen
Sie in das Gemüth des Mannes, des wahren
kommt nie das leiseste Mißtrauen, der leise-
ste Zweifel in das Wesen dem er einmal
traut und vertraut, eben weil er ihm traut;
er fürchtet gar nicht das in dem Gemüthe derer
die so sein Höchstes sind was die Erde ihm
reichen kann etwas entstehen könne was
das zwischen ihm und ihnen herrschende seyende
reine Verhältniß trüben könnte. So wußte /
[48R]
und weiß ich von Ihnen daß wenn Sie auch
Jahre nichts von mir hören sollten, Sie doch un-
erschütterlich sind und bleiben würden in
der Überzeugung der Beständigkeit, der Treue
meiner Gesinnungen. Ja ich will Ihnen auch
noch einräumen daß Trübungen und Schwank-
ungen wohl möglich wären; lassen Sie solche
seyn und kommen, dieß sind nur größere Be-
festigungs Mittel Ihrer Treue, Ihrer Beständig-
keit; wenn es auch möglich wäre das Jahre lang
etwas Trübendes zwischen uns treten konnte,
so würden Sie doch nach Ablauf dieser Zeit nur
mit desto innigerer Treue mit desto festerer
Beständigkeit zu mir zurückkehren. Sehen Sie
so fest ist mein Vertrauen Ihr in die Beständig-
keit Ihrer Gesinnungen, so fest mein Glaube
an die Treue derselben. Wie das möglich
ist fragen Sie, da wir doch Menschen, da wir
zwey Menschen und noch überdieß zwey Men-
schen sind zwischen welchen äußerlich so
sehr vieles steht? - Das ist ganz einfach,
das geht ganz natürlich zu, - denn ich bin /
[49]
mir meiner unwandelbaren Treue zu Ihnen
bewußt, ich bin Ihnen unter allen Umstän-
den meines Lebens treu. Möge daher und
so Ihnen mein bisheriges Langes Schweigen
der sprechendste Beweis meines höchsten Ver-
trauens zu Ihnen seyn. Aber auch ein Beweis
meiner innigsten Liebe zu Ihnen, bin ich über-
zeugt daß es Ihnen ist. Sie wissen ja daß
die Liebe so gerne giebt und nur immer geben
möchte, aber Worte?,- des Mannes Wort
ist seine That, Worte sind des Sturmes
Beute nur die That besteht, sie besteht ewig
weil sie ist, weil sie war. Also der ächt
der wahrhaft liebende Mann sagt nie daß
er liebt ohne daß er eine That daneben stelle
die Zeuge seiner Liebe sey, aber noch lieber
sagt der ächte wahre Mann gar nicht durch
Worte seine Liebe sondern stellt lieber Thaten
hin welche unzweydeutige Zeugen seiner Liebe
sind, und in welchen so auch seine Liebe sich
klar ausspreche. Sehen Sie meine theuerste
meine auserwählte Freundin ich denke von
ganz besonders in Hinsicht auf den Mann, von /
[49R]
der Liebe wie von der Religion. Das Gemüthe
des wahren ächten Mannes - (eigentlich Mannes
schlechthin, denn der Körper das Alter macht nicht den Mann
ich habe Mannes- und Greisengestalten gesehen,
die in sich kaum das Knabenalter überschritten
hatten) - Also das Gemüth des Mannes und
seine Religion sind Eins; eben so ist des Mannes
Gemüth und seine Liebe Eins. Beyde aber sind
unentlich [sc.: unendlich] unermeßlich. Da aber der Mann
eben darum weil er Mann ist, sich seines ganzen
Wesens und somit auch seines Gemüths,
seiner Religion und seiner Liebe ganz und
klar bewußt ist, so tritt er auch mit diesem
seinem Gemüthe, mit dieser seiner Religion
mit dieser seiner Liebe nicht gern auf eine
andere Weise heraus als eine solche
Weise die seinem Gemüthe, seiner Religion
seiner Liebe ganz würdig ist. Aber das Endliche ist
keinem dieser drey würdig nur, das Unendliche
das eine Unendlichkeit in sich Enthaltende
ist es - und dieß ist, die That; deßhalb
liebt der Mann nur die That, knüpft nur
an die That, nicht aber gern ans verhallende /
[50]
Wort seine Gemüthe, seine Religion, seine
Liebe; also soll, so ist es dem Manne
Fo[r]derung wenigstens immer Eine That das
Wort seiner Liebe begleiten; weilt die
That, (:was denn außer des Mannes Kraft
liegt, immer den Augenblick des da seyns der
That zu bestimmen ob sie gleich in ihm ist,)
so schweigt auch lieber der Mann eben weil
er liebt und also dem Gegenstand seiner
Liebe welcher ja ein Theil seines Gemüthes
also auch wieder ein unendliches Wesen ist
nicht gerne etwas Unwürdiges reicht. So ist
also auch des Mannes Schweigen ein
Verkündiger ein lauter untrügerischer Ver-
kündiger seiner Liebe. O! mögten Sie hier[-]
nach meine geliebteste Freundin auch in
meinem Schweigen den Beweis meiner eben
so innigen, als unendlichen Liebe zu Ihnen
unzweydeutig lesen. Und - möge mein
Handeln die Wahrheit meiner Worte nicht
widersprechen nicht lügen strafen. Prüfen
Sie ob dieser Brief vielleicht unmittel-
bar mich lügen straft; dann - scheiden Sie /
[50R]
von mir.
Mit voriger Post über Erfurth, welche
Freytags den 29sten d. von hier abgegangen ist
habe ich von Ihrer liebenden Einwilligung
Gebrauch gemacht und habe wie es sich ziemt
Ihren Herrn Vater Ihre theure Frau Mutter
Ihre verehrlichen Eltern mit Innigkeit
meine theuerste, geliebteste Freundin [um] Ihre
Hand gebeten um Ihrer hochgeschätzten
Eltern freudige Einwilligung daß Sie mir
als Gattin, als mein Liebstes folgen können.
Ich sehe nirgends einen Grund der Ihre treu[-]
sorgenden liebenden Eltern mit nur einem
Schein von Wahrheit bestimmen könnte
mir meine - ja Sie erlauben mir ja sagen
aussprechen zu dürfen - uns unsere
Bitte zu erfüllen.
Ihr sorgsamer Herr Vater wünschte
noch mein Unternehmen öffentlich begründet zu sehen.
Ich habe Ihm, um Ihn auch zu überzeugen
daß ich auch von dieser Seite seinen väter-
lichen Wünschen gerne entgegen komme /
[51]
einen Abdruck einer im Allgemeinen
Anzeiger der Deutschen N. 127 vom 14 May
abgedrücken authentischen Bekanntmachung
das lebendige Denkmal Luthers betreffend
(wovon ich auch zwey Exemplare zu Ihrem
Gebrauche beylege) an diesen übersandt;
aus welcher wie mich dünkt klärlich her-
vorgeht wie meine Unternehmung zum
Urtheil des Publikums d.h. des wahrhaft
urtheilsfähigen steht. Ein ähnlicher, sich
noch persönlicher auf mich, und ein noch
unmittelbareres Urtheil über mich aus-
sprechender Aufsatz, wie ich höre von dem
Oberconsistorialdirector Penier in
Weimar steht in Ner [sc.: Nr.] 14 des Wai-
marischen Sonntagsblattes vom 5ten April
dieser genannte Aufsatz erwähnt noch
bestimmter das ein allgemeineres Urtheil über
meinen Charakter u.s.w
Leider ist es mir nicht möglich Ihnen
ein Exemplar davon zu übergeben, /
[51R]
weiß ich jedoch daß es Ihnen besonders
lieb ist eines zu erhalten so will ich
mir Mühe geben eines zu erhalten.
Jetzt meine theuerste Freundin muß
ich leider schnell abbrechen wenn ich
will daß dieser Brief noch mit der
heutigen Post an Sie gelangen soll.
Nun nur noch die Bitte schreiben Sie mir
wenn es Ihnen nur einigermaßen möglich
ist mit der nächsten mit der umgehen-
den Post; schreiben Sie mir besonders
wie Ihre verehrlichen Eltern meine
Bitte aufgenommen was sie darüber
zu entscheiden sich entschlossen haben. -
Noch melde ich daß ich von meiner Regier-
ung, die sich lebendig für meine Unternehmung
interessirt, für mich und das ganze mit
mir für den Zweck einer Erziehungsan-
stalt geeinte Personale das Recht
der Schriftsässigkeit erhalten
habe. Noch melde ich Ihnen daß jetzt /
[52]
meine Anstalt eine von der R meiner
Regierung authorisirte ist.
Dieß die Früchte meines Handelns
mögen Sie solche Ihrer nicht unwürdig
mögen Sie solche zweckerreichend
finden.
Ich hätte Ihnen noch viel sehr
viel zu schreiben. Ich hoffe Ihnen
mit der nächsten DonnerstagsPost
wieder zu schreiben.
Nun leben Sie recht wohl.
Was kann ich Ihnen von mir
höheres sagen als   Ich bin der
Ihrige.

      FWAFröbel.