Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine Klöpper in Berlin v. 21.6.1818 (Keilhau)


F. an Henriette Wilhelmine Klöpper in Berlin v. 21.6.1818 (Keilhau)
(BN 444, Bl 64-67, Brieforiginal 2 B 4° 8 S.)

Keilhau den 21 Junius 1818


Guten Morgen, freundlichen guten Morgen meine theuerste
        so lange Gesuchte und endlich Gefundene.

Sie haben mir durch Ihren letzteren Brief an mich ein
mir unschätzbares Geschenk gemacht; er ist die köst-
lichste Gabe die ich noch erhielt, bekam. Ja meines
Lebens Seele wir sind innigst geeint, innigst ver-
bunden, sehen Sie ich fühlte es wohl daß ich Ihnen
in einem der letzteren Brief[e] an Sie wehe gethan
Ihnen Schmerz verursacht hatte, nicht eigentlich
zwar durch das, was ich Ihnen niedergeschrieben
hatte, sondern durch das, wie ich es Ihnen ausge-
sprochen hatte. Was ich Ihnen schrieb, auch das
was das Gefühl der größten und bestimmtesten Selbstig-
keit aussprach, konnte, wie ich es gedacht wie ich es
Ihnen zuerst in mir gesagt hatte, Ihnen nicht wehe
thun Ihnen nicht Schmerzen machen; aber die Um-
stände, die äußern Umgebungen waren so dräng-
end als ich es niederschrieb, daß ich es in keiner
so wahrhaft reinen Form niederschreiben konnte
als ich es gedacht, als ich es empfunden hatte.
Doch auch dieser kleine Schmerz, seyn Sie mir nicht
böse, daß ich es Ihnen ausspreche, war gut, ist /
[64R]
gut daß er gekommen, daß er dagewesen ist;
ich sprach Ihnen dieses Kommen des Schmerzes für Sie durch mich ja schon in einem
der frühern Briefe an
Sie offen aus; ich wußte es daß er kommen
mußte, dieses Wissen lag in meinem unbe-
grenzten Zutrauen zu Ihnen, in dem Wissen
von Ihnen daß Sie die Form, den Körper
durchdringen würden, daß Sie den Geist sehen
daß Sie sich an diesen festhalten würden. Dieser
Schmerz kam aber noch etwas früher als ich dort
da ich jenes niederschrieb glaubte und dieß
ist wohl auch recht gut, denn vielleicht ist es
recht bald der letztere den ich Ihnen verur-
sache, wenigstens meine Theuerste werde ich,
- so viel ich im Drange der äußern Umstände,
welcher aber oft gar gewaltig heftig auf
mich einwirkt, nur immer kann - recht
sorgsam seyn, recht achtend auf mich seyn
Ihnen nicht wieder solchen Schmerz zu ver-
ursachen[;] {kehrt / kommt} er aber auch gegen meinen
festesten Vorsatz meinen schönsten besten
Wunsch dennoch wieder so halten Sie sich /
[65]
fest, unerschütterlich fest an die Überzeug-
ung an die Gewißheit, daß nur der Drang
der Umstände jenes Sie Schmerzende her-
bey führen konnte. Ja mir liegt mit
meinen Wissen, mit meinem Kennen und Be-
wußtseyn gewiß nicht was Sie schmerzen
was den Frieden Ihrer Seele Ihres Gemüthes
trüben soll und kann. Leben Sie nur erst
mit mir, wagen Sie es nur, wagen Sie es
<nur> im festen Vertrauen, nicht auf mich, aber
im festen Vertrauen auf Gott mit mir zu leben
und Sie sollen gewiß in allen meinen Reden
und Denken und Wirken und Handeln und Thun
die Spuren finden, wie innigst ich mich dankbar
gegen Gott unsern lieben Vater fühle und erkenne
daß er mir einen so großen Schatz, eine so köst-
liche Gabe - Sie gegeben hat.
Wenn Sie jetzt meine Theuerste in dem jetzigen
und folgenden Briefen die Sorgfalt, Sorgsam-
keit vermissen sollte, die ich Ihnen so gerne
schuldig zu seyn mich verpflichtet fühle, so seyn
Sie gütevoll nachsichtig mit mir; sehen Sie ich
bin ganz allein und habe jetzt viel zu arbeiten /
[65R]
ich werde von vielen Seiten gewaltig gedrängt,
wo ich mich durcharbeiten und durchkämpfen
muß, sehen Sie da muß ich meine Zeilen
an Sie der Zeit gleichsam rauben; nun weiß
ich wohl daß ihre Form Ihrer nicht immer ganz
würdig ist, ich weiß wohl daß Sie im
Wortausdruck nicht immer sorgsam ge-
wählt genug sind, allein wollte ich das
Schreiben meiner Briefe an Sie bis auf
solche Zeiten versparen o! so möchten wohl
Wochen vergehen können ehe ich Ihnen
wenigstens brieflich begegnen könnte, und
doch würde ich mir so gar zu viel rauben.
Also ich bitte Sie auch ferner gütevoll nach-
sichtig mit mir zu seyn. So seyn Sie auch
bey Lesung dieses Briefes nicht böse mit
mir, zürnen Sie nicht mit mir, daß ich Ihnen
auf vo eben so bestimmt, das Ge Bewußtseyn
des in mir lebenden Dankes, in mir lebenden
Dankgefühles, für Ihr mir gegeben werden, aus-
sprach; das Bewußtseyn dieses Dankgefühles
ist es was mich so glücklich macht, was mir das
Bewußtseyn ist giebt, Ihrer nicht unwürdig zu seyn. /
[66]
Doch will ich es Ihnen aber nur auch jetzt da Sie
in Sich so ganz Mein, so ganz die Meine sind
ganz offen gestehen, daß Sie Freundin meines
Lebens, Seele meines Geistes, eine Probe über-
standen h
in der Art und Weise wie ich bisher
gegen Sie aufgetreten, zu Ihnen aufgetreten bin
eine P und in der Art wie Sie dieses mein Betragen
diese meine Persönlichkeit aufgenommen haben
eine Probe überstanden, eine Läuterung durch-
gangen sind, wie, in Bezug mindestens in Bezug
auf mich
(:vielleicht dürfte ich - ich glaube es noch
mehr sagen:) noch keine Ihres Geschlechtes über-
standen hat. Sie können es schon durch sich selbst
wissen so bald Sie es nur wollen, und daher
wäre es thöricht es Ihnen nicht auch aussprechen
zu wollen: ich lernte auf meines Lebensreise
einige Edle Ihres Geschlechtes kennen, ich darf sagen
Sie erschienen mir, sie sind sehr edel; aber
keine hat die Prüfung überstanden die Sie, < >
darum meine Einzige überstanden haben, keine
hat es wie Sie, im Vertrauen auf Gott ihren
lieben treuen Vater, so wie sie gewagt die
Läuterung, das Läuterungsfeuer auszuhalten
alle ließen sich im Momente der Entscheidung durch
Äußeres, Zufälliges, Irdisches an meinen Innern /
[66R]
an meinem beständigen, an meinem Ewigen
irre machen. Sehen Sie Freundin unter diesen
war eine, ein sehr edles Weib, die edel-
ste nächst Ihnen, ich that, um nur meinem
Geiste den höchsten Schatz eine ihn ganz ver-
stehende Seele, ihm ihm ganz verstehendes
Gemüthe, um dem Geiste, dem G ein ganz
solches ganz treues Gemüthe eine solche ganz
treue Seele zu gewinnen, da es die Umstände
geboten in mir, freywillig, zu meiner Freude
sehr frühe auf das Glück der Ehe Verzicht, aber
jenes hoch sehr hoch strebende Wesen konnte die
Äußerungen meines Geistes in welcher er heraus
trat am Ende nicht mehr verstehen, ich erschien
ihr, darum weil ich andere Formen des Han-
del[n]s wählte als sie für die edeltsten und würdigsten
hielt vielleicht weniger edel, und so nahm sie
mir selbst das Mittel ihr eine Teuschung zu nehmen
die mir um ihretwillen sehr wehe that; doch
keine Seite nichts meines Lebens soll Ihnen
verborgen bleiben macht dieß das Gemeinsa-
me Leben möglich, mein Zutrauen mein
ganzes Vertrauen zu Ihnen soll, kann Ihnen /
[67]
wenigstens beweisen wie hoch ich Sie achte[.]
Aber ohngeachtet ich nun, vielleicht bis diesen
Augenblick von jener Edeln verkannt werde
so scheue ich mich doch nicht, selbst Ihnen aus-
zusprechen, daß ich sie jene Edle noch sehr
hoch achte, daß ich solche nächst Ihnen, ihres
treuen, redlichen nur im Ewigen <un>endlichen
Befriedigung suchenden Streben wegen unter
allen Ihres und ihres Geschlechtes am höchsten
achte und daß ich sehnlich wünsche sie möge
den Frieden des Herzens, die Ruhe der Seele
aber auch die Freudigkeit des Lebens endlich er-
ringen, doch vielleicht hat sie solche schon
errungen, ohne mich gefunden denn seit
langer Zeit berühren wir uns nicht mehr; doch
habe ich einen Wunsch, denn, daß Sie und sie
sich einst gegenseitig wenn auch nur brieflich
kennen lernen mögten. Ich weiß mit Ge-
wißheit sie würden sie werden Freundinnen
fr, sie werden mir für das Unvergängliche
Ewige, Göttliche, Verbundene werden.
Sollte Ihnen der heutige Brief wieder et-
was wehe thun, so sagen Sie mir es offen /
[67R]
aber ich sage mir, er darf Ihnen [3x unterstr.], der
Geprüften, Geläuterten Bewährten nicht
wehe thun. Wie ich Sie gleich Anfangs
in das Innerste meines Geistes meines
Gemüthes, meines Allerinnerstens Lebens ein-
führte, so habe ich sie auch jetzt in das Allerinner-
ste meiner äußern Lebensverhältnisse meiner
Lebensbegegnisse eingeführt. Ich kann [3x unterstr.] nicht
glauben daß Sie zu sich sagen werden warum
ich diese Einführung jetzt erst thue, denn Sehen
Sie Freundin ich mußte erst mein Innerstes
von Ihnen erkannt, anerkannt und - innigst
geliebt wissen, nun da ich diese Ihre innige,
Nichts trüben könnende, Nichts stöhren
könnende Liebe weiß, nur darf ich Ihnen
auch mein äußeres Leben klar und offen
zeigen, denn Ihre Liebe zu mir, Ihr Glauben ihr Ver-
trauen auf u zu Gott wird Sie leiten durch
die Form meines Lebens, seinen Geist sein Streben
zu sehen. Ich bedurfte ein so frommes, so bewährt
frommes Weib wie Sie um in den ganz eigenen Formen
meines Handelns, doch die Frömmigkeit meines Geistes zu lesen
zu erkennen. Ihrer Frömmigkeit wegen wählte ich Sie.
wählte Sie der Ihrige. FriedrichWAFröbel.
[längs am linken Seitenrand:]
Schreiben Sie mir bald wieder[.]
[63]
[längs am linken Seitenrand von Bl 63:]
Ich gebe mir Mühe, daß ich Sie bald zu mir holen kann.