Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine Hoffmeister in Berlin v. 12.7.1818 (Keilhau)


F. an Henriette Wilhelmine Hoffmeister in Berlin v. 12.7.1818 (Keilhau)
(BlM IV,23, Bl 61-62, Brieforiginal 1 B 8° 4 S., ed. Heerwart 1905 u. H V, 184f.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Keilhau den 12' Jul: 1818.


         Meine einzige Freundin
mein höchstes Kleinod auf der Erde.

Meine Seele grüßt Sie innigst und sehnendst.
In den vorigen Briefen bemühete ich mich, nein! nicht bemühete ich mich, sondern gern folgte ich der Fo[r]derung und dem Zuge meines Herzens Ihnen meine innersten Gesinnungen mein innerstes Leben anzudeuten. Jetzt bitte ich Sie mir zu erlauben nur das Äußere unseres Vereinigtseyns unserer Einigung unseres und besonders meines Verhältnisses im Auge haben zu dürfen.
Zuerst bitte ich Sie beyliegenden Brief mit dem Ausdruck meiner aufrichtigsten dürfte ich doch sagen kindlichsten Hochachtung Ihrem verehrten, lieben Herrn Vater zu übergeben oder übergeben zu lassen wie Sie es für gut finden. Hätte ich Zeit gehabt so würde ich Ihnen eine Abschrift davon beygefügt haben, doch da mir dieß die Zeit nicht vergönnte so schweige ich auch ganz über seine Form.
Da ich innigst wünsche, daß Ihnen eben so klar mein ganzes äußere und [die] Sie, als meine theuren Gattin und einzigste Lebensfreundin und Gefährtin, erwartende äußere und ökonomische und häusliche Verhältniße bekannt werden und seyn mögten als ich hoffe daß Ihnen mein innerstes Wesen und Streben bekannt ist, so lege ich hier Ihnen zur Einsicht den Contract /
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bey unter welchen ich das Guth meiner Schwägerin käuflich übernommen habe. Ich lege Ihnen denselben jetzt und so frühe als es mir nur immer möglich wurde bey um Ihnen und mir bey einer spätern Mittheilung das unangenehme Gefühl zu ersparen, welches der Gedanke: ha "wäre nur dieß doch früher mitgetheilt worden oder hätte ich es doch früher mitgetheilt["] - hervorbringen könnte. Wäre das Guth vermessen oder hätte das Dorf wenigstens ein Flur[-] oder Lagerbuch so würde ich Ihnen auch die Ackerzahl des Güthchens bekannt machen.
Sie sehen daß es in dem Kaufe nach dem hiesigen niedern Werthe der Güther einen Werth von 19 1950 rth hat, bey welchem Werthe jedoch weder eine ganz neue von mir jetzt erbaut werdende Scheune nebst Stallung - und noch weniger mein eigentliches im vorigen Herbste begonnenes Wohnhaus, noch ein angelegter Küchengarten mit in Anschlag gebracht worden ist.
Wenn aber Gott seinen Seegen gibt und Gott gibt seinen Seegen sind wir nur seine treuen Kinder - dann hoffe ich, dann bin ich überzeugt daß es das Güthchen durch Verbesserung, Fleiß und für einen erziehenden Zweck, in Kurzem den Werth vom Doppelten übersteigen wird. Durch Gott wird mir an Ihrer Hand alles zu leisten möglich werden /
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o! ich freue mich es Ihnen sagen zu können, für meine Person entbehre auch ich gern und werde auch gerne so glücklich machen dem Rathe der sinnend sorgsamen Hausfrau und Gattin zu folgen. Wie Sie und ich zu Gott hoffen, ja in dieser Hoffnung überzeugt sind, daß Körpergesundheit ihnen [sc.: Ihnen] wieder werden werden, so lassen Sie uns auch zu Gott, und der uns von Gott geschenkten Festigkeit unseres Willens und der mir von der Gnade Gottes gegebenen Kraft, weil es Wille und Kraft aus und in Gott ist hoffen, daß bürgerlichen Wohlseyn[s] und Auskommens wir uns bald erfreuen werden. Darum lassen Sie sich nicht schrecken, wie ich jetzt ökonomisch stehe meine theuerste Freundin! doch könnte, müßte es Sie schrecken, so wäre es jetzt doch noch besser daß als später, denn jetzt ist ja Ihr Wille noch immer frey.
Doch nochmals lassen Sie Sich nicht schrecken, bleiben Sie mir treu, bleiben Sie treu. Ich will es Ihnen auch aussprechen: Sie sind auf Erden mein einziges Gut, Sie durch Gott, und Gott durch Sie meine einzige Hoffnung. Ab Denn ich stehe in dem ungeheuersten Kampfe auf Erde[n] allein - Sie sprachen es ja selbst aus, ganz allein wie Sie; aber die bis in das Kleinste durchgehende höchstmerkwürdige Ähnlichkeit unseres Lebens unserer Begegnisse, die ich bisher kaum andeuten konnte gibt mir felsenfestes Vertrauen zu Ihnen durch Gott; denn wer /
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ließ Sie mir die Einzige, die allereinzige die mir Gattin seyn konnte auf Erde[n] finden?- Er war es der mein Schicksal bisher leitete die Wahrheit, Weisheit, Güte Gottes war es welche Sie unter ich darf sagen Millionen mich finden ließ.
Darum denn und in diesem hohen Glauben, dieser hohen festen Überzeugung lassen Sie uns keine Zeit durch uns, durch kleinliche Rücksichten verliehren, nach des Vaters Rath und Willen möglichst bald geeint zu leben. In dem nächsten Briefe will ich Ihnen zu diesem Ende von meinem innern Hauswesen Rechenschaft geben.
Jetzt lege ich einstweilen, daß [sc.: das] auf Grund eines consistorialZeugnisses beruhende Pristerliche Zeugniß von mir bey, welches von dieser Seite jedes Hinderniß zu unserer Proclamation und endlichen Trauung hebt. Auch von Ihnen meine theuerste Freundin muß ich mir ein ähnliches Zeugnis erbitten und bald erbitten weil ohne dieses Zeugniß ich nicht, wegen der hier dreymal nöthigen Proclamation, das nöthige besorgen kann. Ist Ihr Herr Vater noch des Entschlusses daß die Trauung in B. sein soll?- Wäre dieß, so bitten Sie diesen und Ihre lieben Eltern alles so still, so einfach als möglich zu anzu ordnen. Nicht wahr unser Edler Wilmsen spricht dann Gottes Seegen über uns aus. Jetzt nun ein herziges Lebe Wohl[.]