Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine Hoffmeister in Berlin v. <Anfang> 9.1818 (Berlin)


F. an Henriette Wilhelmine Hoffmeister in Berlin v. <Anfang> 9.1818 (Berlin)
(BN 444, Bl 125-128, undat. Brieforiginal 1 ½ B 4° 5 S. - Datierung: In Berlin geschrieben, wohl kurz vor der Hochzeit am 11.9.; F. am 8.8. noch in Keilhau)

Eben jetzt. Abends 1/2 8 Uhr.


Einzige!

Du bist doch noch meine Einzige? - Du
bist doch noch mein? - Was soll, was
kann, was darf ich anders sagen als: hier
bin ich mit Gott! - Beruhige Dich nun
mein Herz, meine Seele, nun sind wir
auch persönlich geeint in dem einzig
Einen! was kann uns nun noch ferner
schaden. Beruhige Dich! wirf weg was
man Dir über mein Außenbleiben ge-
sagt hat, vielleicht auch was Du Dir ge-
sagt hast, wenn Du Dir etwas anders ge-
sagt hättest als: Gott hat es so gefügt
es war dieß zur Klarheit zur Sicher-
heit u. Festigkeit unsers künftigen Lebens /
[125R]
nöthig. Du weißt ja:
Es ist der Herr der Alles thut!
Ei nun! so laß ihn thun so kannst
Du hier in Friede ruhn und dort einst
seelig seyn.
Willst Du aber auch einen äußern
Grund meines Außenbleibens wissen,
so ist es die Folge meine[r] Gudmüthig-
keit u. Rechtschaffenheit u. Redlichkeit
gewesen; einem solchen glaubt man
glauben besonders sonst Nahestehende viel
auflegen und viel von ihm fo[r]dern
zu können, so ging es auch mir.
Doch /
[126]
genug ist [sc.: ich] bin hier und sehe auch Dich
nun bald um nie von Dir getrennt
zu werden.
Ich bin wieder ein strenges Läuterungs-
feuer durchgangen gebe Gott daß Du
findest daß manche Schlacken von mir
zurück geblieben sind. Schlechter
bin ich gewiß nicht geworden, hast
Du mich früher als den Deiner würdig er-
kannt so hoffe ich zu Gott
daß Du mich jetzt auch noch als solchen
erkennen wirst. -
Willst Du heute Abend noch gern
etwas zu Deiner Beruhigung lesen /
[126R]
so lies das 8te Capit. des Briefes P.
an die Römer.
ja:
weder hohes noch Tiefes, noch keine an-
dere Creatur, mag uns scheiden von
der Liebe Gottes die in Christo Jesu
ist unserm Herrn!
Gern will ich das Zürnen auch heftige
Zürnen Deiner lieben theuern Eltern er-
tragen wenn sie mich nur als Sohn an-
erkennen wollen. Ich bin wirklich der
Liebe und Achtung Deiner guten Eltern nicht
unwürdig. Grüße Sie, empfie[h]l mich
Ihnen so gut so schonend als Du nur kannst.
/
[127]
Kannst Du mir heute kein Wörtchen
schreiben, so thue es morgen; so gar
bald kann ich nicht kommen (doch zunächst
nur zu Dir nicht wahr? - ich scheue etwas
Deine lieben Eltern doch ohne daß ich mir
Vorwürfe machen darf) - also so gar
bald kann ich nicht kommen weil ich erst
gegen 9 Uhr meine Kleider von der
Post erhalte! Grüße Ernestinen.
Nun gute, gute friedliche Nacht in
Gott u. in <Jesu>! Schlafe wohl dieß
wünscht Dein ewig treuer Freund
und Eigenthum Fröbel.
Ich wohne im Kronprinzen. /
[127R/128V]
[leer] /
[128R]
Der Frau
Wilhelmine Henriette
geb. Hoffmeister
Oranienburger Straße
N.17