Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Carl Wilhelm Hoffmeister in Berlin v. 7.12.1818 (Keilhau)


F. an Carl Wilhelm Hoffmeister in Berlin v. 7.12.1818 (Keilhau)
(BN 486, Bl 1-2, undat. Entwurf 1 B fol 4 S., tw. am Rand zerstört; Hoffmann dat. 1819/1820, Datierung nach KN 19,12)

Innigst hochverehrter Herr Kriegesrath.
Ihr wohlwollend theilnehmendes Geden-
ken meiner in Ihrem gütevollen Briefe
an Ihre liebe Tochter, meine theure Gattin, hat
mich innigst gerührt. Ich glaube Ihnen
mein kindlich dankbares Gefühl dafür, jetzt nicht
besser zu bethätigen [sc.: bestätigen] zu können, als wenn ich
Ihnen und Ihrer verehrungswürdigen Gattin
Allem zuvor ausspreche, daß Ihre wür-
dige Tochter meine hochgeachtete, liebe
Gattin ganz gesund und zufrieden
lebt. Glücklich, sehr glücklich bin ich
Ihnen sagen zu können, ihre Leben[s-]
geister und Körperkräfte fühlt sie
unter oft gehäuften und mühsamen
Geschäften durch die Güte Gottes wunder-
bar gestärkt. Ich gestehe gerne, daß
mich sehr oft ein sorgendes Gefühl
beengt, wenn ich meine treue Frau
sich so unermüdet sich jedem häuslich[en]
Geschäfte, so ganz hingeben sehe;
wenn ich sehe wie sie rastlos im
Hause alles durch sich selbst ordnen
schlichten möge; doch äußere ich ihr
meine Besorgniß so entgegnet sie
mir heiterem Angesichtes, daß sie
sich wohl an ihrem Platze fühle und
wie ich mich über das, sich dem häus-
lichen Geschäften so ganz hinzugeben
was ihr doch große Freude mache /
[1R]
ängstigen könne.- So entbehrt sie
die theure Frau, wegen der nur erst
beginnenden Einrichtung unsers Hauses und
Hauswesens, dessen Begründung und Einrich-
tung um so schwieriger ist als die Wirkung
die Frucht die daraus hervorgehen soll
eine allgemeine, eine öffentlic[he, von]
meinen Zeitgenossen anzuerke[nnende ist.]
Hierdurch entbehrt sie vie[ler Annehm-]
lichkeiten und es schmerzt m[ich, wenn]
ich sehe daß sie entbehren daß s[ie ent-]
sagen muß; dennoch ist e[s ihr]
unangenehm daß wenn ich es bemerke, als
es ihr unangenehm ist zu entbehren
und sich zu entsagen; Und es leistet
sie die treffliche Gattin, in jeder Hinsicht
für den ganzen Kreis, und ganz besonders für das Hauswesen
in ihrer sorgend hingebenden Häuslichkeit
mehr, bey weitem mehr als [ich]
erwartete, erwarten konnte, und [so]
war es viel sehr viel was ich [von ihr]
für mich hoffte und erwartete. Um
statt bey diesem ihrem vielseitigen Wirken
ihrer vielseitigen Thätigk[ei]t finster zu se[yn]
freut sie sich ihrer, gar wachsenden
Kraft, daß sie so als Gattin und Haus-
frau nur alles sein <kann was> ist. Und
diese Freude <mutet darauf genugsame>
so häusliche Weile, einzig <als> Lohn für all[es]
was sie mir, was sie <dem> Kreise ist
und lebt so, leben, <spendend?> <häusliche> /
[2]
häusliches Glück begründend, ich
darf es wohl aus ihrem Gemüthe
sagen, glücklich, indem sie glücklich mach[t].
So freuen denn auch Sie<sich hoch-
verehrtester Herr Kriegsrath und Ihre
innig hochgeachtungswürdige Gattin, durch
das abermalige Von-sich-lassen Ihrer
geliebten theuern Tochter, nicht nur
einen Mann, sondern einen ganzes Kreis
dessen Lebensziel das würdigste ist, glück-
lich gemacht zu haben und möge diese
Freude Ihnen beyderseits Trost und Stärkung
zur Ertragung der Trennung bis zum nächsten[;]
Gott gebe, baldigen Wiedersehen seyn
und gewiß wird auch der gütige Gott
durch unmittelbare, neu gestärkte
gewisse Freuden Ihnen zu ersetzen was Ihnen
ihr schmerzlicher Entschluß nahm und ihn
so belohnen; denn glücklich zu machen
ist ja die schönste u unfehlbar lohnendste
Handlung die uns möglich ist.-
Sie verehrter Hr KR. [sc.: Kriegesrath] nehmen so herzlichen Theil an
meinen Wirken, Sie wünschen so väter-
lich und elterlich wohlwollend dessen gesegnetes Bestehen.
Sehr freue ich mich Ihnen darauf erwie-
dern zu können, daß ich hoffen darf mein
Lebensziel welches Sie schon als richtig
aussprechen, auch so vollständig
erreichen zu können; weil jeder
von uns, der zu diesem Ziele Geeinten
unter Gottes Beystand und so viel in seinen Kräften ist, das sich zu thun
bemüht, was sein Stand und <Verhält- / Vorsatz>
[am Seitenrand:]
n    negation
i    Indifferenz
b    position
/
[2R]
niß zum Ganzen von <ihm> fo[r]dert,
und weil besonders durch Ihre vä-
terliche Nachgiebigkeit in <dessen>
Mitte eine so treffliche Hausfrau steht, ohne <deren>
Daseyn ein Unternehmen dieses Umfangs und diese<r> allge-
meinen Tendenz gar nicht bestehen kann. Und
wenn Gott mein Wirken was das wachsende Zutrauen zu demselben hoffen läßt ferner so segnet, daß ich ih[r]
nach jeder Seite hin die Begründetheit, Gediegenheit
und Vollständigkeit geben kann welches ein solches We[ib]
fo[r]dert und fo[r]dern muß, so wird sich dasselbe gewi[ß]
immer größerer Ausgebreitetheit und Öffentlichkeit erf[reuen.]
Mögen Sie dann verehrter Herr Krie[gsrath]
und Ihre innigst hochzuschätzende Gattin in dem Bewußtseyn
durch Ihr väterliches und elterliches Gemüthe, das Werk
in seiner Grundfeste gesichert zu haben, den Dank
dafür finden den ich Ihnen so gern bethätigen möge[.]
Angelegentlichst empfehle ich mich Ihnen und Ihrer
hochverehrten Gattin zu fernern gütigen und elter-
lichen Wohlwollen; mit wahrer Hochachtung empfehle
ich mich Madame Hanige und grüße mit herz-
lichster Freundschaft den lieben Vetter[.]
Wenn wie ich hoffe das schätzbare Malchen wieder
Ihren Kreis u Haus neu belebt, so grüße auch sie, Ihrer
immer noch dankend gedenkend, ich herzlich[.]
Prediger Wilmsen gedenke ich indem ich mich zugleich mahnend der
Schuldigkeit Ihnen zu schreiben erinnere, sehr oft freundschaftlichst
bald hoffe ich soll die Zeit mir erlauben mir einen der schön
sten Wünsche ihnen zu schreiben zu erfüllen.
Mit der aufrichtigsten innigsten Hochachtung und innigsten
Verehrung bin ich
   Hochverehrtester He K R.
Ihr gehorsamster Diener u kindlich ergebener Sohn

[keine Unterschrift]