Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an das Schwarzb.-Rudolstädtische Konsistorium in Rudolstadt v. <Jan./Febr.>1819 (Keilhau)


F. an das Schwarzb.-Rudolstädtische Konsistorium in Rudolstadt v. <Jan./Febr.>1819 (Keilhau)
(BN 278, Bl 82-83, undat. Entwurf 1 B fol. 4 S, Bl 83/83R vertikal halbiert. Datierung gemäß Briefinhalt.)

An das Hochfürstliche hochpreislichewürdigste
hohe Consistorium zu R[udolstadt]

<-> Es waren d Stöhrungen
Hemmungen der schwierigsten Art, welche
die wohl jedem neu zu begründenden
Unternehmen sich entgegen setzen müssen, besonders aber einem
solchen, welches sich das seiner Natur nach
manchem Vorurtheile, auch bey größter
[*]bestimmtester Schonung und[*] Vorsicht in desselben Zusammentreffen
[*]oder wenigstens mit Schonung zu begegnen[*] <-> Begegnungen mit demselben zu umgehen,
wider zu wider handeln u wirken
muß mit Gegensatz muß, [*]die welche aber besonders mich mit einigen kaum zu besiegen[*] welche die mich
[*]der Verschlingung u Gewalt umstrickten[*] ohngeachtet des lautesten Mahnens
meiner Pflicht ohne
bis jetzt un[-]
bekämpfbar hinderten das laulte [sc.: laute]
Mahnen vielseitiger Pflicht, be-
sonders aber die Pflicht gegen eine
hochpreißliche hohe LandesRegier-
ung –
Durch dieß Gesagte sehe ich mich
gleich in die Mitte meines Wirkens
u in die Berufung der Grundsätze
versetzt welche demselben zum
Grunde liegen.
Es ist mir nicht Zweck mich dem
Bestehenden zu widersetzen nein es
ist mir Zweck mich ruhig der Fortentwicklung
zu folgen[.] /
[82R]
A. Es waren Hemmungen pp der schwierigsten Art welche mich hinderten
die Forderung zu erfüllen: dem Cons. Rechenschaft abzulegen[.]
B. Jeden neuen Wirken treten Hindernisse entgegen, wie vielmehr
einem solchen daß [sc.: das] Hindernisse bekämpft; mich aber umstrickten
sie noch persönlich noch besonders.
C. Die Hemmungen waren wenn auch für mich dem Unternehmer stockend
doch für die Sache d[urc]h die dad[urc]h hervorgefoderte Klarheit
vortheilhaft.
D. Dieß Gesagte
a. die bisher stattgefundenden Hemmungen a. daß Hemmungen waren
b. meine persönlichen Hindernisse Grad Art derselben b. daß sie mich besonders trafen
c. daß sie nothwendig waren c. der daraus hervorgegangenen Folgen obgleich fürs Einzelne nachtheilig
meines Lebens und sonst pp. doch fürs gze [sc.. Ganze] vortheilhaft
versetzt führt mich in die Mitte meines Wirkens deren Grundsätze pp.
weil es mich fragt
1) {wieso weßhalb warum wodurch} traten ihm meinem Wirken Hindernisse entgegen[?]
2) {wieso weßhalb warum wodurch} waren sie dieser Art?
3) {wieso weßhalb warum wodurch} waren sie wohlthätig[?]
Und nun so in die Mitte meines Lebens pp und der Grundsätze versetzt gehe ich zur Rechenschaft meines Wirkens
Nicht theoretische Begründung der Erziehungs Grundsätze
nicht [theoretische] Darlegung des Lehrganges (Stufenfolge des Unterrichtes [)]
[nicht theoretische] Begründung der LehrWeise (Methode)
Sondern praktische Nutzbarkeit
Darlegung der praktischen Nutzbarkeit meines Wirkens[.]
Daher freundlich nicht feindlich im Bestehen
unter u mit andern
besonders den [sc.. des] mein[en] individuellen Zweck[s] wegen
Dieser fodert allgemeineres Interesse, daher suche ich ein Allgem größern Wirkungskreis
dah[er] knüpfte ich mein Wirken aus folgenden Gr[ün]den ans Vaterland [.]
Dieß sind die Gründe warum ich <ein> allgemeine[s]
besonderes erkennen u Handeln Thun
1) intellektuelles u physisches in gleichem Schritt
2). Lehre allumfassend äußere u innere Welt u Kunstwelt
3) dem Grad nach unbegrenzt[.]
Dadurch wird es uns [Pflicht] (weil es nicht jedes Pfleglings Streben seyn kann
das letzte Ziel vor Augen zu haben) das Bedürfniß jedes Standes u Bildungs[-]
grades zu befriedigen doch so, daß jeder der einen relativ höhern Bildungs[-] /
[83]
Grad fodert, die niederen Stufen
d[urc]hlaufen haben muß
Alter der Pfleglinge
Gesinnung Religiosität der Mittelpunkt
um früh dem Pflegling in der An[-]
schauung u durch die That zu zeigen,
daß die Quelle aller bürgerlichen
u öffentlichen Tugenden in einem
einfachen mäßigen Häuslichen Leben
in einer in jeder Hinsicht wohl u strenggeord[-]
neten Häuslichkeit, in den ächten
einfachen Familien Leben ruhe beste u sey in einem Familienleben was auch
bey aller Größe seiner Ausdehnung
doch seine Grundbestandtheile
Einigkeit
Wirksamkeit für Einen Zweck
gleichthätig verhältnißmäßig gleichthätige [Beförderung] aller <-> Tugenden für
also gleiche Liebe und Anhänglichkeit
an für diesen Zweck
u so Liebe u Anhänglichkeit unter
u für einander
die Sorge für den Erhalt das Bestehen
der äußern Erhaltung
u das Fortschreiten der innern
Entwicklung des Ganzen u jedes Theiles
und so Einigkeit u Förderung in dem Gebrauch für im Ganzen
unter sich und in den häuslichen Geschäften
für diesen Zweck

höchste Authorität hat
und ächte u wahre Würdigung derselben
und so Einigkeit in Hinsicht auf Gze und auf
sich und daraus folgende ächte u wahre
Würdigung des ächten Familien lebens
u ächter Häuslichkeit

und so Einigkeit u Einigkeit [sc.: Einheit] im
Erkennen u Thun fest[zu]halten [.] /
[83R]
Zu Um dieser Vereinigung der
Erkenntniß mit der Übung
und der im Darstellen
der Lehre mit der Anwendung
in der That willen
war es mir ebenso sehr mir auch
jetzt schon die Begründung und Ent-
wicklung meines erziehenden u lehrenden Wirkens
dadurch erschwert wurde be-
sonders erwünscht

deren Einführung mir höchste[s]
Ziel meines praktischen Wirkens
ist u seyn muß, fügte ich mich
der Umstände welche früher als
die Entwicklung der gesammte[n] Umstände
es zu erlauben schien, mich zu der
Übernahme einer kleinen Land-
wirthschaft bestimmten, so sehr
auch für den Augenblick mein Leben
u mein Wirken mir dadurch er[-]
schwert, so sehr dad[urc]h meine
Kräfte u Mittel zertheilt
u zersplittert wurden.
Die Benutzung und Bewirthschaftung dieser kleinen Besitzung
nun innigst und fruchtbarst wirksamst mit meinem Zweck
einem allgemeinen u praktischen
erziehenden u unterrichtenden Wirkens
zu verweben einen ist mir
Hauptsorge eine Hauptrücksicht meiner Bemühung[en.]