Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Ernst Wilhelm Arnoldi in Gotha v. 4.11.1820 (Keilhau)


F. an Ernst Wilhelm Arnoldi in Gotha v. 4.11.1820 (Keilhau)
(BN 281, Bl 147-148, dat. Entwurf 1 B 4 S. fol, ohne Anrede. Arnoldi war Vorstand des Deutschen Handelsvereins bes. für den Thüringer Wald und Herausgeber des Thüringer Volksblatts in <Gotha>)

Wenn wir aber den Gr[un]d jener erhöhten Vortrefflichkeit u
Bil[l]igkeit aufsuchen so[*] Dieß sind die es so finden wir es die
Wirkungen u Folge die Resultate der Erziehung der Ausbildung u
der Erziehung es ist nicht der nothdürftige sondern der gründlich d[urc]h
greifende [*] Andere haben gründl durchgreifende nicht nothwendige Gesetze
es ist die innigste Verknüpfung der Wissenschaft u Künste
mit dem Handel u Gewerben u dieser Verknüpfung von Produktion ist [es] welcher kein [*] keine Handels beschränkung kann ihren Produkten dann Einigung verbieten. Der Geist die Wirkung des Geistes ist es also welche
dem Stoff einen so erhöhten Werth einen solchen Werth gaben
daß sie den gebildeten u den nach Bildung wenigstens nach dem
Schein der Bildung Strebenden fast zum unentbehrlichen Bedürfniß
werden den[n] der Luxus u die Moden so wie überhaupt der
Handel hängt nicht keines weges wenigstens bey weitem
zum geringsten Theile von äußern zufälligen Begebenheiten
u Ursachen oder den von willkührlichen Neigungen der Menschen
sondern von innern absoluten psichologischen pp Gesetzen
ab sie sind in dem Wesen der Menschennatur in dem
menschlichen Geiste unverletzbar begründet.
[*] Überhaupt hängt der Handel so wie der Luxus u die Moden nicht von äußern
zufälligen Begebenheiten u Ursachen sondern von einem innern
absoluten psichologischen pp Gesetze ab, sind in dem Wesen
der Menschennatur in dem menschl[ichen] Geiste unvertilgbar begründet
; diese Ansicht des Handels der Gewerbe, des Luxus der Moden ist dem Deutschen würdig ziemt dem Deutschen; aus ihr müßen die Prinzipien des deutschen Handels der deutschen Gewerbe hervorgehen[.]
[...]
Über Denn nicht allein die umgewandelten sondern auch die rohen Stoffe
gewinnen d[urc]h die Wirkung des gebildeten Geistes welcher
für ihre Erzeugung wirkt u thätig ist. Die Beweise
sind für den welcher sie sucht unzählige.
Suchen wir Hierd[urc]h
[*] u nach den Forderungen des <Individuell[en]>
Egoism u zurückgebl[iebener] Bildung
s[in]d die Ursachen unseres gesunkenen
Handels aus dem gleich Grund [*]
hiernach werden uns nun nach unserer festen Überzeugung die Gründe klar sind
warum angrenzende fremde Länder uns mit ihren Produkten
überschwemmt und dafür das von uns mühsam
erworbene Geld aus unserm Lande gezogen haben
so finden wir die Gründe darinne, daß sie sie haben ihren Produkten
durch erhöhte u gesteigerte Geistes[-] u Kunstkultur
einen solchen Werth gegeben haben, daß ihr Besitz den
nach Bildung strebenden oder wenigstens Bildung zu haben
Scheinenden ein fast unentbehrliches Bedürfniß werde;
Umgekehrt Weiter finden wir die Ursache jener Überschw[emmun]g
u unseres Gesunkenen Handeln u Gewerbe darinn
daß wir umgekehrt als Geistes[-] u Kunstbildung
in unsern Handel u Gewerbe wenn auch nicht wenn auch nicht
zurückgegangen sind doch einzelnseitig <einsinnlichst> aufgenommen
mit unsern Nachbarn u
Conjurrenten [sc.: Konkurrenten] mit dem Zeitbedürfniß nicht bey weitem nicht gleichen
Schritt gehalten haben, daß es also die mit andern
Nationen nicht gleichmäßig fortgeschrittene innere
so äußere [*]Erziehung[*] Ausbildung [*]des Menschen[*]
es ist welche den Zustand /
[147R]
des Handels u der Gewerbe herbey geführt haben
leidet für uns gar keinen Zweifel u wir könnten
diese Wahrheit noch aus der Geschichte des deutschen
Handel[s] u der Gewerbe, dessen Aufkommen
u flor so wie dessen Verfall beweisen wenn
dazu hier der Ort wäre. Genug wir finden
die unsern Handel u unserere Gewerbe beschränk[enden]
GFremden uns an angewandter wissenschaft
u Kunst besonders an Anwendung der hohen wissenschaftl <Pro[ducti]on> überlegen
überlegen [2x] besonders namentl[ich] sind die Naturkunde
die Physik u Chemie, die Mathematik u <->
die Mechanik u Technologie zu <treuen Hülfen>
herab gestiegen u für die Pflege die sie ihnen
schenken für die großen Posten die sie vereint
auf ihre Ausbildung wenden lohnen sie ihnen mit
Erleichterungen u Vollkommensten ohne Zahl u ohne
Berechung. [*] An dem Mangel an d[urc]hgreifender Kenntniß
der Mathematik Naturk[und]e, Mathem. der Physik u Ch[emie], der Mathem. pp
der Lokal[-] u Menschenkenntniß möchten wohl wenn man eine
Spezialuntersuchung anstellen wollte alle die meisten der deutschen
Unternehmungen bisher gescheitert seyn u wenn diese Lücke nicht
ausgefüllt werden sollte noch in Zukunft schaden[.*]
Die f Wir sehen weiter die vorzügl[iche] ja
ausgezeichnete Kenntniß des Unternehmers
irgend einer Sache allein so fast allmächtig sie auch
wirkt kann [er] doch oft nur wenig leisten in Bezug
auf das leisten was er leisten möchte da es ihm
an gebildeten u einsichtsvollen geschickten Menschen
[*] an Menschen [mit] allgemein wissenschaftl[ichen]
Bedingungen zu seinen Sonder Zwecken fehlt [*] zu
seinem Zwecke fehlt u so steigt es herab an
auf den einfachsten Arbeiter der Satz bleibt
durchgehends wahr – Ungebildetes u Rohes
leistet, giebt, producirt nur ungebildetes u
rohes und jemehr Wissenschaftl[icher] Sinn u ausge-
bildetes Kunsttalent um desto vollkommner
u mit dem g[an]zen in Übereinstimmung ist auch das
einfachste Unbedeutendste Produkt - <-> wenn es auch
wirkl[ich] nicht gerad von Geist u Gemüth erzeugt doch vom Geiste u Ge-
müth während seiner Erzeugung begleitet,
spricht es unwiederstehl[ich] zum Geiste u Ge-
müthe u zieht dieselben an[.] Alle diese pp [bricht ab] /
[*] Soll ein Werk ein gemeinsames Werk des Handels
u des Gewerbe gel[ingen] so m[uß] jeder in gewissem Sinne
das G[an]ze in sich tragen damit er seine Pflicht des[sen] was
ihm von seiner Stelle zu thun obliegt um so bestimmter Erkenne um
so <ausführlicher> leichter Darstelle [.*]
[*] Das erste also [*]/
[148]
Also d[urc]hgreifende VolksErziehung allgemeine dem deutsche[n] Geist Volk <genügende>
Erziehung ist der Grund u die Quelle von welcher
aus allein gründliche und bestimmte gewisse
unfehlbare Erreichung des Zweckes des Deutschen HandelsVer[-]
eines statt finden kann und wird (Wenn)
Ew.... können mir hierauf antworten haben
wir nicht in Deutschland Lehr[-] u Schulanstalten
zur Erhebung des Handels u der Gewerbe
fast unzählige wer kennt alle die LehrAn[-]
stalten für Kaufleute, die Handels[-] Lansch [sc.: Land]wirthschaftsschulen, die
Handwerks- Gewerbs- Sonntags- u Gesellenschulen
welche es in Deutschland giebt namhaft
machen alles dasjenige ungerechnet was zur Bildung
Einzelner von Einzelnen für diesen Zweck in
Privatunterrichte Stunden geschieht. – Ich kann
hierauf Als Antwort nur antworten die Gegen Frage antworten thun: leisten
sie was wir, was die Gewerbe
bedürfen und wir werden antworten müssen
nein! Suchen wir dazu die Gründe auf
so wird sich zeigen einmal daß ihre Lehre
größtentheils nur Stück[-] u Flickwerk ohne
Fundament u Gründlichkeit, daß ihnen so
wie die Gründlichkeit so auch die Umfassend[-]
heit fehlt, die meisten werden sich auch nicht
als Lehr[-] u Unterrichts[-] sondern nur als Anlehr[-]
u Abrichtungs[-] als Dressur Anstalten bezeugenweisen
welche d[urc]h ihre Oberflächlichkeit u Einseitigkeit
mehr Schaden als Nutzen mehr Nachtheil als Vortheil bringen[.]
Also eine gemein auf in dem Wesen der Menschen
Natur, in dem deutschen Volks[-] u National
Charakter begründete umfassendste u erschöpfende deutsche Volks[erziehung]
[Fortsetzung linke Seitenhälfte unten] also einzig u allein Erziehung, deutsche
Volks[-] u National Erziehung d.i. eine dem deutschen Geiste u Charakter
ganz angemessene u entsprechende Erziehung die Quelle aller
Bedürfnisse u Forderungen des Volkes ist /
[Textfragment linke Seitenhälfte oben und Mitte in Zuordnung unklar]
[*] <Wohlfeil früh> geliefert wurde
getragen hat; wir Deutsche sollten
nun wirkl[ich] endl[ich] einmal aufhören
uns die Nasen abzuschneiden, denn
unsere Gesichter sind für die Menschen
entstellt genug; wir haben
mit unsern ewigen verklagen
unserer selbst es wahrlich von der
Mit[-] wie bey der Nachwelt keine
Ehre u können es bey der Vorwelt die
so viel für uns gethan wo so selbst[los]
Strebende u duldende Vielleistende
alles Hingebende u hinopfernde Menschen
unter uns lebten wahrlich nicht ver[-]
antworten. Wer den deutschen
Charakter die deutsche
Sitte schändet, wer über deutsche Fehler
sich lustig macht, wer über die
Krüppelgestalten im deutschen Leben
zu lachen <-> im Stande ist, wer
sie dem deutschen Charakter, dem
deutschen Geiste, dem deutschen Sinn
u Gemüthe Schuld zu geben im Stande
ist, der ist kein Deutscher, wer
vornehm das Ausland über unser
Vaterland setzt der ist der
Sonne zu <wenig> die das Gerstenkorn
höher als den Diama[n]t achtet.
7) Die Wissenschaft ist das Erzeugende
der Geist giebt dem Stoffe Werth[.]
(Wer seinen Werth zu erfüllen strebt,
verliehrt seynen Werth nach dem Satze
Wer sein Leben lieb hat :) [*]
[148R]
ist es einzig u allein welche den deutschen Handel
die deutschen Gewerbe wieder empor[-] un[-]
fehlbar empor bringen kann u wird, und
wir finden uns von der Wahrheit dieses
Satzes so d[urch]drungen daß wir diese hörend
die Überzeugung aussprechen müssen: daß auch
nur der deutsche HandelsVerein
* und nur in dem Maße [*] bleibend
unfehlbar u bleibend seinen Zweck er-
reichen wird wenn als er sich zur Anerkennt[-]
niß u Darstellung dieser Wahrheit wendet.
[*] um Sie mit den Grundsätzen bekannt zu machen
für deren Darstellung innerhalb der Kreise Ihres Blattes
gewirkt wurde, bekannt zu machen [*]
[*] Realzeitung Dorfzeitung Nationalzeitung[*]
[*] im vielgelesenen Thüringschen Volksblatte [*]
[*] Schwärmer}
Sch-wärmer    } und Geizige  G-eiz
sind Gegensätze
Schwärmer= Expans[ion]
Geiziger     - Contraction [*]
Erlauben mir Ew: pp daß ich nun noch die Art
der Ausführung einer solchen Unternehmung
andeuten kann. Sie wird folgende Be-
dingungen machen erstlich[,] soll sie etwas namhaftes u
Erspriesl[iches] wirken [bedarf sie] wegen ihres Umfangs
große Mittel. Zu diesem Entzweck müßten
der Theilnehmer eine Verhältnißmäßige
Menge seyn; die Lasten Forderungen an
den Einzelnen nicht zu groß, ja sie müßten
von solcher Art seyn daß sie die Freyheit
keines [Theilnehmers] beengende nur der welcher freye Wille
u das Bedürfniß müßte den Beytritt be-
stimmen; damit aber auch minderbegüterte
ja jeder nach Maaßgabe seines Ver[m]ögens
daran Antheil nehmen könnte, so müßte
es wieder Mehrern geeint mögl[ich] seyn sich
in die einzelnen Forderungen oder Beyträge
zu theilen – endl[ich] und zuletzt müßte
der Vortheil, der Gewinn, der Nutzen
den die Theilnehmer hätten, den Beyträgen
verhältnißmäßig ganz gleich seyn. Alles dieses würden [bricht ab] /
[Briefschluß auf linker Seitenhälfte:]
Ich bin so frey Ew: Wohlgeboren
als den Herausgeber einer allgemein geachteten
deutschen Volkszeitschrift
der Nationalzeitung der Deutschen
die beyliegende ebenfalls an unser Volk
geschickte Schrift zu überschicken.
Freuen würde es mich wenn Ew: Wohlgeb. mit den
in derselben ausgesprochenen Grundsätzen
übereinstimmen u sich dadurch u durch
bewogen finden sollten von derselben
in ihrem [sc.. Ihrem] Blatte vielleicht mit Hinweis
auf diese Schrift, oder wenigstens auf
unser Streben u Wirken Gebrauch
zu machen. Sollte dieß der Fall seyn
so würde ich es als einen besondern Beweis
Ihrer Achtung u Theilnahme ansehen, wenn sie [sc.: Sie]
so gütig seyn wenn uns das Blatt in
welchem sie [sc.: Sie] davon Gebrauch machen
uns gefälligst mitzutheilen.
Mit besonderer Hochachtung grüße
ich Ew. Wohlgeboren ergebenst
Den 4 Novbr 20.
FWAFröbel /