Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Vetter Hoffmann in Königsee v. 29.11.1820 (Keilhau)


F. an Vetter Hoffmann in Königsee v. 29.11.1820 (Keilhau)
(KN 20,8, Reinschrift 1 B 4° 4 S.)

Keilhau den 29sten Nov. 1820.·.


Mein lieber theurer Vetter und Freund;

Schon wieder komme ich mit einer Bitte an Dich. Durch die
theilnehmende Gefälligkeit d. H. Amtskommissär Roß in R[udolstadt]
waren mir schon seit Michaelis bis Anfang dieses Monats
zuerst ein Capital von 1000 <rth / fl> dann zuletzt 600 <rth / fl> gegen
ganz vollständige gerichtliche Sicherheit versprochen; doch
Umstände fügten es, daß Bekannte des Verleihers sich
jenes Kapital aneigneten. Dadurch bin ich nun seit
Anfang dieses Monats in bedeutende Verlegenheit gesetzt
worden, indem es mir bis jetzt noch nicht gelingen wollen [sc.: wollte],
ein Capital von gedachter Größe zur Deckung aller mei-
ner Bedürfnisse zu erhalten und doch einige Ausgaben
mich jetzt außerordentlich drängen und sich gar nicht auf-
schieben lassen wollen, bis es mir möglich werden wird
meine sämtlichen Bedürfnisse zu decken. Deshalb /
[1R]
wende ich mich wieder zutrauensvoll zu Dir, mein theurer
lieber Vetter, mit der Anfrage: ob Du mir nicht für diesen
Augenblick mit 50-100 <rth / fl> aushelfen kannst. Könntest
Du vielleicht in Verbindung mit Deinem lieben Vetter meine
Bitte erfüllen, so geschähe mir und uns allen dadurch
ein wesentlicher Gefalle. Lieber würde es mir freilich
noch seyn, wenn Du mir ein Kapital von 1000 <rth / fl> bis 1200 <rth / fl>
gegen ganz vollständige gerichtliche Sicherheit nachweisen könntest[.]
Der Herr Amtskommissar Roß, welcher in R[udolstadt] das Consensualische
unter sich hat hat mir die Versicherung gegeben, daß die Sicherheit Hypothek welche ich
zu geben im Stande bin, zur Sicherheit eines solchen Capitals
völlig hinreichend sey; Iindem ich auf meinem Gute nur 300 <rth / fl>
Consensualisch haften und meine sämtlichen Gebäude überdies mit 4700 <rth / fl>
in der Magdeburger Brandassekurranz stehen; auch meine
liebe Frau sich für das Capital noch mit verbürgen würde.
Das Kapital stände um so sicherer indem der größte Theil
des Capitals unmittelbar zur Verbesserung des Ganzen
und zur Erhöhung des Wertes desselben in dasselbe /
[2]
verwandt werden wird. Sollte es Dir vielleicht
möglich seyn mir ein solches Capital nachweisen zu können,
so könnte Dir dann gedachter Herr Amtskommissär Roß
auch noch besonders Auskunft über den Umfang der
von mir zu stellenden Sicherheit geben. Doch da sich auf
jeden ein solches Geschäft nicht so schnell abmachen
konnte, so wiederhole ich obige Bitte: uns wenn es Dir
nur einigermassen möglich ist, jetzt mit 50-100 <rth / fl>
auszuhelfen; solltest Du es auch vielleicht erst morgen
oder übermorgen können, so würde ich Dir dann zugleich
die Handschrift mit überschicken. Ob ich gleich in
diesem Augenblick wieder in Verlegenheit bin, so darf
ich Dir doch auf das bestimmteste versichern, daß Du
wegen der Sicherheit nicht im mindesten gefährdet bist
indem sich meine sämtlichen Verhältnisse innerlich und
äußerlich immer zu größerer Sicherheit entwickeln.
Die Forderungen dringen nur in diesem Augenblick etwas
schneller ein, als die Entwicklung meiner gesamten Lage /
[2R]
statt finden kann.-
Dein und Deiner lieben Frau Theilnahme an meinem
erziehenden Wirken macht mich so frey, Dir und dersel-
ben beykommend die Bogen beyzulegen, in welchen ich
mich vor einigen Wochen über unsern Zweck dem
größern Publikum ausgesprochen habe. Möge das
gesagte im Stande seyn Euere bisher uns bewiesene
Theilnahme nicht nur zu befestigen sondern zu erhöhen.
Seit der Herausgabe jener Blätter hat sich die Zahl
meiner Zöglinge wieder um 2 und, was mich freut,
aus dem Vaterlande im engern Sinn, vermehrt.
Wir grüßen Euch alle auf das herzlichste. Ich
aber empfehle mich ganz besonders Dein und
Deiner lieben Gattin fortdauernder Gewogenheit[.]
Mit unausgesetzter Freundschaft
Dein
treuer Vetter u Freund
FWA Fröbel

[von anderer Hand:]
Frö[bel] auf den 30. Nov. 1820
durch Karl Fröbel 20 rth. geschickt.
H[offmann]