Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Redaktion der „Dorfzeitung“ in Hildburghausen v. 19./20.2.1821


F. an Redaktion der „Dorfzeitung“ in Hildburghausen v. 19./20.2.1821
(BN 281, Bl 197-200R, 201R, drei undat. Entwürfe 2 B + ½ Bl fol. 9 S., Datierung gemäß Kontext der datierten „Tageblätter“)

[197]
D.N.d.M.d.L. Bg 97.
1e Fortsetzung vom 19ten Febr 1821.
[...]

Gedanke zu einem Brief
an den Verleger Herausgeber der
Dorfzeitung

An dH Herausgeber der Dorfzeitung.
Sie werden mir es nicht übel nehmen
nicht übeldeuten noch unwahr finden
wenn ich die Behauptung, die Wahr[-]
nehmung ausspreche, und Sie werden
solche gewiß auch wenn Sie ganz
aufrichtig seyn wollen bestätigt finden[:]
unsere Gewerbtreibenden u Handwerktreib[enden] unsere
Fabrikherren ja unsere Handelsherren von sehr be-
deutenden, Ja vom größten Umfange
u Ausdehnung
auf dem Walde sind fast d[urc]hgehends nur
mechanisch, d.h. mechanisches
erlernen durch einseitige Erfahrung
durch Herkommen durch Gewohnheit
gebildet ohne alle Kunst-
und wissenschaftl[iche] Bildung ohne Entwicklung Ausbildung
alles Kunst- und alles Wissenschaftlichen
Sinnes gebildet und hierinne
mein achtbarer theurer Herr /
[197R]
ich möchte Sie Freund nennen finde ich
einen der wesentlichen Gründe
zum Verfall unserer Gewerbe
unseres Handels – lieben Sie
Ihr – lieben Sie unser gemeinsames
Vaterland wie ich es liebe, ist
Ihr Leben u alles Ihr Denken
u Thun demselben gewidmet
wie mein Denken u Thun und mein
Denken u Thun der mit mir Ge-
einten demselben gewidmet
ist so bitte ich Sie prüfen
Sie ernstlich u gründlich was
ich aussprach u lassen Sie
Sich d[urc]h die nächsten Ursachen
des Verfalls unseres Handel u
Gewerbe nicht blend welche
nur die Ursachen sind daß
die Folgen jener <?>mäßig
mechanischen u Gewohnheits[-]
bildung jetzt so grell u gewaltig
hervorbrechen, lassen sie [sc.: Sie] sich
da d[urc]h nicht blenden, lassen Sie Sich /
[198]
durch Zoll u Mauth Linien
nicht wirr machen
[*] ich bitte Sie um daß [sc.: das] Wohl des
Landes welches Sie so warm so
thätig lieben wie ich sehen Sie bisher
sehen Sie weiter zurück [*]
denken Sie
an die Worte unseres deutschen
Göthe im Götheschen Götz welchem
er den deutschen <Schmerz> in den Mund legt[:]
ein gescheuter <Willen> u
ein tüchtiger Segen [sc.: Degen] trügen über
viel[es] durch[.]
[*] Ich freue mich daß Sie des Volkes Denken u Natur
eigene Kraft kräftig anregen wecken u in Anspruch nehmen
ich bin der Meinung der Mensch vermag jetzt ein Ganzes
als Bürger geeint schon viel sehr viel vielleicht alles dem
Menschenwohl wenigstens das Höchste ohne zu warten
was <Monarchen> [thun].
Ich glaube wohl daß dem Kaufmann es schwer[-]
fallen mag daß sein Vorurtheil, daß alle von äußerl[ich]
u d[urc]h das äußerl[iche] bedingt sey abzulegen und dem Innern
seine allmächtige Wirksamkeit zuzugestehen, weil er
es immer nur mit äußerl[ich] Handgreifl[ichen] Dingen zu thun hat
nur immer das äußere sieht u das Innere d[urc]h welches alles
äußere hervorgebracht wird ganz übersieht[.*]
So auch Produkte von Geist u
Gemüth von der Wissenschaft
u Künsten veredelt, wenn auch nicht
<vorzüglich> doch werden gewiß frühe <ausgesprochen>
Diese Überzeugung diese felsen[-]
feste Überzeug[ung] die in uns mit meinem Leben ist
hat mich bestimmt
mich dieselb in dieser Beziehung an
den Vorstand für des deutschen Handels[-]
Vereins besonders für den Thür[in]ger Wald
HErn Arnoldi in Gotha zu wenden
doch weil darinne nicht von Aufhebung
der Mauth u Grenzlinien rc durch Königl
Kaiserl. Königl. rc. Machtgebote
die Rede war so hielten diese
Herrn diese Vorschläge für zu
unbedeutend u zu wirkungslos als
daß sie solche (: wie es wenigstens
seit ¼ Jahr bis heut :) Ihrer [sc.: ihrer] Aufmerksam[-] /
[198R]
keit werth u würdig gefunden hätte[.]
Ich lege diesen Brief hier abschriftlich
bey um Ihnen diese Grundsätze so
wie ich Ssie solche diesen Herrn
aussprach zur Prüfung vorzuleg[en]
Ich sehe Sie meinen es Ernst
lassen Sie uns [mit] Ernst jene Grund-
sätze prüfen[.]
[*] Doch ist meine Meinung meine
feste Überzeugung daß der
Mensch besonders im Wenigen
viel sehr viel des Rechtlichen also des Menschlichen des
<bleibend> Guten also
kann ohne über die
Grenzen seines Willens u
seiner Kraft u Mittel hinaus
dazu Erlaubniß bey
wo
er nicht verstanden
wird, hinaus <sich wenden> zu müssen[.] [*]
[*] I.Warum meine Anstalt[:] als Mittel u weil sphär Gesetz
gesetz der Allseitigkeit nicht Eigennutz nicht Vortheil[.]
II. Warum Fond. Viele wünschen Theil zu nehmen können
wenig bezahlen[.*]
[...]

[199]
D.N.d.M.d.L. Bg 98.
1e Fortsetzung v. 20/II 21.
[...]

An den Herausgeber der Dorfztg
Ich erkenne achte u Ehre achte Ihr Streben Erzieher
der Zeit des Volkes zunächst unseresr
Volkes Landsleute zu seyn
denn die Bergränder des Thür.
Waldes sehe ich mit Freuden
<scheidet> das Land <Ihres> Wirkens
nicht[.]
Aber lassen Sie es uns darüber nicht ver[-]
kennen daß der unmittelbare Weg als der
individuell untheilbare Weg am Ende doch
Kürzer, sicherer gewisser sey[;] lassen
Sie es uns wenigstens nicht verkennen
daß Sie der Mensch behandelt dann
in Verbindung viel sehr viel
daß sie er besonders dann
mehr leisten können als
jeder einzeln, lassen Sie uns von
dieser Betrachtung geleitet
[*]bestimmen u prüfen was wir
was jeder Einzelne zu thun habe[*]
unser ferneres Handeln bestimmen [.]
[*]So weit ich den Thüringer, besonders der
Thüringer Wälder an beyden Seiten seiner
Abdachung kenne so[*] Ich glaube ich, daß sich mit den Thüringer /
[199R]
Wälder sowohl in Hinsicht des innern Willens Kraft als wegen äußerer Mittel
u innerer Willen manches ja
sehr vieles machen [*]in Beziehung auf allgemein unmittelbare Volksfortbildung, allgem. Volkserziehung erreichen u darstellen[*] läßt, daß
es eben des rechten Taktes u Tons
bedarf um solche anzuregen
[*] um ihnen dem GesichtsPunkt
klar u in die Mitte ihres Gesichtskreises zu stellen [.*]
Ew. halte ich in Besitz dieses Taktes
und Tones [*]Hierzu Bogen 97 Seite 1 pp[:]
Sie lassen den <Ver[ein]> im sogen rp
ist aber nicht der Geist pp vergl. Bogen 96 Seite 4[*]
um Ihredie Leser derIhrer
Schrift auch für die ernsteste
u wichtigste unmittelbare
Menschenerziehung und für die
Hingabe der dazu nöthigen
Mittel zu bestimmen gewinnen.
[*] um ihnen die unmittelbare
und direkte Volkserziehung, die
Wahrheit derselben klar u einfach
in die Mitte ihres Gesichtskreises zu stel[l]en [*]
Ich
wünschte daher in Beziehung zur unmittelbaren
Herbeyführung eines bessern Gesammtzustandes
unseres Vaterlandes recht sehr daß
auch Ew: diesen Gedanken einer unmittelbaren Volkserziehung Ihn recht fest
halten ihn ernst durchdenken, ihm
Ihre g[an]ze Aufmerksamkeit schenken
möchten, daß sie [sc.: Sie] sich
[*] in Beziehung auf die Ausführung
ihn festhalten ihn erfest [sc.: fest] durch[-]
denken müssen und daß sie [sc.: Sie] sich
als Folge dieser Prüfung [*]
mit uns
zur <->Begründung ein[es] thüringschen
Verein[s] für landschaftliche
Erziehung vereinen mögten.
[*] Hier könnte sich vielleicht
Bogen 97 S.1 pp anschließen [*]
[*] Vergleiche die Bogen 95 S.2
niedergeschriebenen Gedanken pp [*]
Sollten Sie diesen Gedanken die
Aufmerksamkeit widmen die
er nach meiner eigensten Überzeugung
werth ist so könnte ich Ihnen
nach Ihrer gefälligen schriftlichen /
[200]
Mittheilung darüber noch auch
von meiner Seite manches
aussprechen was der Ausführung
dieses Planes wesentlich
ersprieslich seyn könnte.
Ich wünsche daß das Werk
der Verein ein Werk des
Volkes sey u vom Volke unserm
Volke unserm Walde ausgehen
möge, für das Fortwachsen
u besteh blühen fruchten u Be-
stehen habe ich eine Sicherung einen
Geschäftsman[n] welcher [uns] nicht
zu Schanden werden läßt.
[*]Lassen Sie sich d[urc]h Nichts
irre machen [sich mit] uns immer
mehr zu verständigen
uns immer mehr zu verstehen[*]
Sie wünschen die erste Schrift sie ist noch nicht erschien[en]
weil sie ein deutscher großer Buchhändler zu unbedeutend und weil
da ich Erfurth zum Druckort machte die Censur in Magdeburg es
weitläufig macht[.]
Der Zweck der ersten Schrift ist
mein Streben wissenschaftlich
zu begründen wenigstens die
Möglichkeit der reinen absoluten wissen[-]
schaftl[ichen] Begründung in einzelnen Sätzen
nachzuweisen[.]
Sie sollen diese Schrift noch erhalten so bald
sie die Presse verlassen hat . Um Ihnen unser Streben
und Leben zu zeigen wie es ist lege ich <Ihnen> weiter
die Anzeige des Vereines bey[.]

An den Herausgeber d. D Zeitung
Eignung. Als ich michr im vorigen Jahr die Freyheit nahm
Ew: mit einer Zuschrift von mir zu be<schämen>
gab ein Zufall waren es allgemeine Gründe welche mich dazu veranlaßten
die Veranlassung dazu, jetzt
aber fühle u erkenne ich mich durch besondere
mich wiederkehrend mahnende Wohlerwogene Gründe dazu bestimmt aufgefordert. Bey der vorigen Zuschrift
Ich bin mit Liebe u Hochachtung mit deutschem
Gemüth u Geist
Ihr Landsmann
FWAFröbel /

[200R]
[...]
traten vielleicht zuerst persönliche Rücksichten
persönliche Veranlassungen entgegen. Hier
wünschte ich, daß alles Persönliche ganz
zurückträte und wenigstens in Bezug auf mich u
(von mir) ohne alle Einmischung u Einwirkung sey
[.]
Bey meiner vorigen Mittheilung kannte ich so wohl
Ihr VolksBlatt u so auch Ihren den Zweck desselben
Ihren Zweck nur vom Hörensagen, denn mein der Zweck unser[s]
Zweck Lebens fordert ununterbrochen strenges Festhalten desselben gesetzten
u <die> Vermeidung aller Zersplitterung welche das Zeitungs Lesen
öffentlicher Blätter mit sich führt. Auf Doch da ich auf dem Dorfe
wohnend und selbst Bauer seyend bin, wenn auch nur
Frohnbauer seyend
, kam Ihr Blatt auch
auf mein Gehöft, ich hielt es für das für was es mir gegeben
wurde für ein Blatt der Volksunterhaltung wie es
denn so viele giebt u so ging u kam u ging es
von mir wenig bemerkt; allein doch bald dann zog es mich
wegen seiner gedrängten politischen Nachrichten an und
so trat es mir immer mehr u mehr mit einem
Ernsten festen klaren ernsten Zweck entgegen, ich fand nicht nur
Vieles tief eingreifend Gemeinnütziges was mein Innerstes u mein Handeln seit langem be-
wegte und mein Handeln bestimmte lebendig darinne nicht angeregt sondern ich <?> [viel]fach so gar mit Kräftig[-]
keit dafür dessen Darstellung u Ausführung wirkend und so gewann ich ihr [sc.: Ihr]
Blatt lieb, gewann Liebe u Zutrauen Achtung gewann
Zutrauen zu dessen dem Herausgeber desselben
so wenig er mir so wenig mir auch Ew: Wohlgeb auch weder persönl[ich] noch sogar dem
Namen nach bekannt ist. Durch alles Ihr [bricht ab] /
[201R]
Ew Wohlgeboren wünschen auch die erste
Anzeige unseren Vereins Wirkens, allein ob sie
gleich früher zum Druck abgesandt wurde
als die 2e und so also der Entstehung nach wirkl[ich]
die erste ist, so ist sie doch bis jetzt noch
nicht im Druck erschienen, weil sie ein großer
Buchhändler zu unbedeutend fand u so dem Vergessen
übergab und weil, da nun Erfurt zum Druckort
am zweckmäßigsten gefunden wurde die Censur in
Magdeburg d[urc]h deren Hand es gehen muß es weit[-]
läufig macht. Der Zweck Dieser [sc.: Diese] nun eigent[lich]
erste nun aber 2e Anzeige, welche unter dem
Titel: Gründliches umfassen und Sofortige Erziehung das
Grund- u Quellbedürfniß unseres Volkes
erscheint u welche diese Wahrheit in einzelnen
Sätzen psychologischen u physikalischen wissenschaftli-
chen physischen und psychischen Gesetzen zu entwickeln u
begründen sucht, solle werde ich mir das Ver-
gnügen machen Ihnen zu übersenden sobald sie die
Presse verläßt unter welcher ich hoffe daß sie
sich nun endl[ich] befinden wird.
Um Sie jedoch in unser Streben u Leben so weit
als es mit Schwarz auf Weis mögl[ich] ist
einzuführen lege ich Ihnen diejenige
Anzeige von den von hier aus in gleichen
Grundsätzen u Gesinnungen begründeten und
besonders durch Berlin u Erfurt bestätigten
Verein für mein lebendiges Denkmal Dr.
L. bey.
Ich habe nun jetzt nichts mehr hinzuzufügen als dem
Wunsch mit welchem ich das auf das beyliegende Schreiben schließ[e]
und die versicherung der besondern Liebe u Hochacht[ung] mit
welcher ich bin
Ihr Landsmann

[Auf linker Hälfte quer geschriebener Text]
[*]Wie eine solche Unternehmung eine Unternehmung von solcher Ausdehnung u Wirksamkeit von solchen Folgen einen größern Fond fordert
als wir derselben jetzt zu geben im Stande sind, so betreten wir da wir von dem allgemeinen Bedürfniß einer solchen Unternehmung
// die 2e Anzeige kein Plan sondern nur die Grundsätze u der Zweck // dem allgemeinen Nutzbarkeit u Nothwendigkeit überzeugt sind, und da wir fest überzeugt
sind, daß Jeder Deutsche dieß mit uns fühlen u erkennen wird so betreten wir den Weg der Öffentlichkeit um durch Unterzeichnung unsrer
Unternehmung diesen Fond zu begründen und zwar zunächst d[urc]h Unterzeichnung eines Fonds von 20.00 Friedr[ichsd’or] in Summen von 25 -
bis 100 Friedrichsd’or und 6 pro[cent] Jahrescinsen; jeder Beytrag von 100 Frd‘ hat das Recht einen Zögl[ing] in die Anstalt zu geben für welchen dann jährlich
nur 25 Frdsr gerechnet wird und an diesem BeitragsFrd jährl 10 perc Interess[en] vom Capital abgerech[ne]t
wird, tritt der Zögling aus so wird entweder die noch bleibenden 75 Fdr aber werden jährlich so wie <das übl[ich]> baar nachbezahlt[.]
Die Sicherheit ruht auf dem gesammten Eigenthum der
Vereinten und zuförder[s]t auf dem dem Vorsteher der Anstalt <zugehörigen> Guthe und Gebäuden.
Die Menschen irgend einer Zeit, einer ZeitAlters, ein Menschengeschlecht gleicht einem Instrument, sie klingen wie sie gespielt berühret gegriffen werden
ob rein in Accorden, Einzeln <im Längsten> pp.