Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Karoline-Luise Fürstin von Schwarzburg-Rudolstadt in Rudolstadt v. 15.7.1821 (Keilhau)


F. an Karoline-Luise Fürstin von Schwarzburg-Rudolstadt in Rudolstadt v. 15.7.1821 (Keilhau)
(ThStA Rudolstadt, Schloßarchiv D Nr. 9, Bl 10-12, Brieforiginal 1 ½ B 4° 5 S.)

Durchlauchtigste Frau Fürstin und Frau,
Gnädigste Frau Fürstin.

Ew: Hochfürstliche Durchlaucht haben die Hohe Gnade ge-
habt meine vertrauensvolle Vorstellung und Bitte um
Gnädigste beförde[r]nde Unterstützung meines Wirkens
HöchstIhrer Aufmerksamkeit zu würdigen und mir durch
Sr des Herrn Assistenz- und Cammerrath Schwartz Wohlgeb:
Eintausend Thaler Preußisch Curant darlehensweise unverzins-
lich Gnädigst und Huldvollst auszahlen lassen. Jemehr ich /
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mich dadurch doppelt in den Stand gesetzt sehe meinem Wi[r-]
ken auch äußerlich den Umfang und die Allgemeinheit zu ge-
ben, welchen zu geben ich mich verpflichtet fühle, desto
weniger fühle ich mich geschickt meinen Dank für diese
HöchstIhre Unterstützung seinem ganzen Umfange nach mit
Worten auszudrücken; indem alle meine geistige Kraft
und mein Denken nach dem einzigen Punkte hinstrebt,
durch die That und durch die Folge zu beweisen, wie sehr
mein Wirken und Streben den allgemeinen Bedürfnis-
sen der Zeit und des engern und weitern Vaterlandes zu
entsprechen und entgegen zu kommen sucht um dieselben
gewiß einst in ihrem ganzen Umfange zu befriedigen.
Der Dank des Einzelnen auch noch so lebendig und wahr
empfunden ist zu schwach, wo die Wirkung einer Hand-
lung oder That auf eine Gesammtheit sich fortgehend aus-
dehnt. In diesem Falle befinde ich mich als Einzelner in Bezieh-
ung auf die Höchste Unterstützung welche Ew: Hochfürstliche
Durchlaucht meinem Unternehmen und Wirken - der Be-
gründung und Darstellung einer allgemeinen deutschen
Erziehungsanstalt - Gnädigst und Huldvollst zu geben geruhet /
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haben, allein der aus der Gesammtwirkung des Ganzen
aus den Früchten des Ganzen für die Gesammtheit hervor-
gehende Dank wird mich einst gewiß, dieß hoffe ich zu
Gott, vor Ewr: Hochfürstlichen Durchlaucht vertreten.
Davon hat mich aufs Neue der strebende Sinn, der natürlich
gute und richtige Verstand, die rastlos rege Gewerbsthätig-
keit mit einem Worte das Gemüthsleben, das geistige und
Gewerbsstreben der Bewohner unseres Thüringer Waldes
überzeugt, welches ich auf einer jüngst gemachten Unter-
richts- und Erholungsreise mit meinen Zöglingen nach der
Mitte des Thüringer Waldes wiederholentlich zu beobach-
ten Gelegenheit hatte. Möge mir die Huld Ewr: Hoch-
fürstlichen Durchlaucht verzeihen, wenn ich wiederkehrend
ausspreche, daß es den Bewohnern unseres Thüringer Va-
terlandes nur an gründlicher und allseitiger Ausbildung
ihrer Geisteskraft und ihrer Kunst- und Gewerbsthätigkeit
mangelt, um unser engeres Vaterland bey der zwar
an sich und im Vergleich mit andern Ländern gering-
eren aber in Verbindung mit den geistigen Anlagen
seiner Bewohner wirklich reichen Ausstattung von /
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der Natur zu einem glücklichen und blühenden Volke des
deutschen Gesammtvaterlandes zu machen. Diesem Ziele
ist ununterbrochen alle meine Denk- und Thalkraft [sc.: Thatkraft] ge-
widmet und ich bin von Ewr: Hochfürstlichen Durchlaucht
fortdauernder Hoher landesmütterlichen Liebe fest über-
zeugt, daß Höchstdieselben Sich mit mir der Zeit freuen
werden, wo unser kleines arm genanntes Vaterland
ein Mittelpunkt werden wird, von wo aus wir aus einer
Mitte, einem Keime Geistes- und GewerbsAusbildung sich
über das eigentliche deutsche Volk stra[h]lend verbreiten wird.
Dafür bürgt mir aufs Neue das allgemeine Interesse mit
welchem mein Wirken und Streben von vielen Bewohnern
des Waldes aufgenommen worden ist. Schade nur, daß
die zu große Macht der Zeitumstände die Schwingen sowohl
ihrer geistigen als physischen Kraft zu sehr gelähmt und
die industriösen Fortschritte der Nachbarländer sie so sehr
überflügelt haben, daß sie das Zutrauen zu sich, zur Na-
tur und ich möchte sagen zu Gott in einem hohen Grade
verlohren, wenigstens zu beleben, auszubilden und anzuwen[-]
den versäumt haben. Aber alles dieses soll mich nicht /
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müde machen, alles was ich bin und was mein ist, meine
Geistes- und Körperkraft an das Wohl und an den Frieden,
an das zeitige und ewige Wohl der Bewohner meines Va-
terlandes zu setzen. Möchten Ew: Hochfürstliche Durch-
laucht mir zu befehlen geruhen HöchstIhnen von Zeit
zu Zeit von den Fortschritten meines Wirkens treue
Rechenschaft abzulegen; möchten HöchstSie eine solche, wenn
auch nur beschränkte Rechenschaft in der so eben öffent-
lich gegebenen Darlegung der Grundsätze und des innern
Lebens unserer Anstalt finden, welche ich in Hoffnung
Höchster und Huldvollster Verzeihung Ewr Hochfürstlichen
Durchlaucht unterthänigst hier überreiche.
In tiefster Ehrfurcht
Durchlauchtigste Frau Fürstin und Frau,
Ewr: Hochfürstlichen Durchlaucht

unterthänigster,
Friedrich Wilhelm August Fröbel.
   Keilhau,
am 15en July 1821.