Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Fürstin Karoline-Luise von Schwarzburg-Rudolstadt in Rudolstadt v. 3.9./20.9./17.10./23.10. 1821 (Keilhau)


F. an Fürstin Karoline-Luise von Schwarzburg-Rudolstadt in Rudolstadt v. 3.9./20.9./17.10./23.10. 1821 (Keilhau)
(BN 282, 8°, Bl 37-38R, 40R, 62R, 66R-68V, 70R-71R, 121R-122V, 124R-125V,122R/123V-123R/124V, 21 S. mehrfach datierter Entwurf, möglicherweise auch 2 Entwürfe.)

[37V]
Am 3 7br 1821.
Nicht das männliche Geschlecht allein
vermag das ächte, gute u wahre
das bleibende, nicht das weibl[iche] allein
nur beyde vereint <nur> beyde geschlecht[er]
mit Anerkennung u würdigung des gegenseitigen
Werths geeint bilden erringen es: <das> Zeit <Alter>
das Menschengeschlecht geht – strebt
reift dieser Einigung Entgegen dieser ächten
Menschheits Ehe entgegen, Ja die
Zeit fordert sie. Führen Sie D[urc]hl
Fürstin diese Zeit herbey dad[urc]h daß /
[37R]
daß Sie u d[urc]h Sie Ihr Geschlecht
ein zum Wohl der Menschheit
vom männlichen Geschlecht gegründetes
Unternehmen befördern, bewahren
u bestätigen Sie mit Bewußtseyn
zeigen Sie d[urc]h u mit Bewußtseyn
den unabänderl[ich] nothwendigen
Einfluß der Frauen, des Frauen
Geistes Frauen Seele auf die
Entwicklung u Darstellung der reinen
Menschheit, beschließen Sie So den
<Zeitlos> der Menschheits Entwicklung
daß wir nach der <Werthe> durch Frauen
Streben nach Bewußtseyn <?>
<Wissen> der Welt nothwendig <denn>
das Übel der Zweifel Zwist Zwie[-]
spalt mit sich, das ist alle <Folgen> /
des Strebens nach Bewußtseyn
kommen so nun auch der Wahr[-]
heit nach d[urc]h die Frauen, d[urc]h den
ächten Frauen Sinn der Menschheit u Frauen Geist
u das Streben desselben
Ruhe Friede Freude Heil u Segen
komme, bauen Sie sich <den> Frauen so einen Thron
ein[en] leuchtenden Thron eine leuchtende
Mitte in der Geschichte der Menschheit
u bringen Sie so die <einig> still ge[-]
wesene Herrschaft, Wirksamkeit
der Frauen zur würdigen Aner[-]
kenntniß u Bewußtseyn. Ich
Ich hoffe Sie verzeihen mir die
ganz offene Darlegung meines Innersten.
Sollten diese Äußerungen Ihre Aufmerksam[-] /
[38R]
keit auf sich ziehen so legen die
beyliegenden Bogen die weitere Ent[-]
wicklung u Auseinandersetzung dar[.]
NB Oberflächlichkeit der Zeit
Mißachtung des geistigen Selbstes
der geistigen Kraft des Menschen[.]
Freuen Sie sich der Hingabe
des irdischen Thrones um so
einen geistigen zu erringen[.]
[40R]
Ich habe es gewagt mich Ew <D> g[an]z
offen frey wie es dem freyen deutschen
ächten Manne ziemt auszusprechen möge
mir dafür höchst Ihre huldvolle <Aus->
zeichnung werden[.] /

[62R]
[20. September 1821]

An die F[ü]rstin!
Verzeihen mir Ew. D[urc]hl. diese bogen[-]
lange Mittheilungen aber es ist dem
Manne unmögl[ich] u soll ihm vielleicht
unmögl[ich] werden sich da nicht mitzutheilen
sich da nicht g[an]z mitzutheilen wo er
ahnden kann u darf verstanden viel[-]
leicht g[an]z verstanden zu werden,
möge mir diese Ahnung u Hoffnung bey
Ew Hochf[ürstlichen] D[urc]hl Verzeihung bewirken erbitten[.]
[66R]
An die F. [Fürstin]
Ich habe in dieser Schrift den
deutschen Männern den Denkenden die Noth-
wendigkeit einer durchgreifen[-]
den VolksErziehung zur Einsicht
bringen u an das Herz legen
wollen; doch (: wie ich schon
aussprach :) den bey dem Handeln nur den Augen[-]
blick in den Augen habenden
Männern scheint dieser Weg
zu langsam zu seyn, sie er[-]
kennen die Nothwendigen Folgen ächter durch[-]
greifender Bildung aus Selbst[-] /
[67]
sucht nicht wie sie das Weib
fühlt und erkennt daher findet
auch
ich habe die deutschen Männer
zur Vereinigung für deutsche
Volkserziehung eingeladen doch
aus gleichem Grunde wie der obige hat diese
Einladung bey ihnen, will die [bei]
ihnen nicht Wurzel fassen
möge nun daß [sc.: das] tiefere, lebendige
weibl[iche] Gemüth sich von der Noth[-]
wendigkeit einer deutschen Volks[-]
u Nationalbildung, von der Noth[-]
wendigkeit besonders der gründlichen
menschlichen Ausbildung der Männ[-]
lichen <Jugend>, der [sc.: dem] <heraufreichenden> /
[67R]
männlichen Geschlechte – in dessen
äußern Gewalt u Arm alles
Wohl u alles Wehe des Menschen[-]
geschlechtes ruht – durch[-]
drungen werden möchte der
Gedanke von Vereinen u <adligen>
Vereine edler deutscher Frauen u
Jungfrauen für deutsche Volks[-]
u Nationalerziehung, der schon von
einigen lieb edlern Gemüther
mit liebe u Wärme aufge-
nommen worden ist – möge dieser
Gedanke immer mehr Beyfall
finden.
[68]
Ew: Hochfürstl[ichen] Durchl[aucht]
denselben vorzulegen, mitzutheilen
zur Prüfung vorzulegen u mit[-]
zutheilen ist der besondere
Zweck dieses Briefes (:So[-]
weit wenig auch nur mir auch nur das deutsche
Frauen Gemüth dessen Tiefe u Umfang <kein> Leben in Kind
geworden ist :) Möge Ew. Hochf D[urc]hl entsch[eiden]
ob ich von der Tiefe u dem Umfang
des deutschen Frauen Gemüthes
zu viel erwarte wenn ich
hoffe u erwarte jener Gedanke
könne es ergreifen g[an]z ergreifen
und für dessen die Ausführung desselben
wirkend machen. /
[70R]
An die F[ür]stin.
Also ein Verein deutscher Frauen
und Jungfrauen für deutsche Volks-
und Nationalerziehung[.] Welche
Erziehung ist aber eine deutsche,
die deutsche Volks[-] u Nationaler-
ziehung? –
Rs. Natürlich nur die, welche
in ihren Grundsätzen Eins ist
mit den Gesetzen der gesammten
Weltentwicklung, welche in
ihren einfachsten Sätzen u Gesetzen
und Grundsätzen zusammen[-]
fällt mit den Gesetzen /
[71]
und Grundsätzen aller Entwickl[un]g
also mit cosmischen Gesetzen[.]
Also nur die Erziehung kann
deutsche Volks- und Nationaler[-]
ziehung seyn und heißen welcher
die allgemeinen Weltgesetze,
welcher die cosmischen, plane-
tarischen, welcher die sphärischen
trinitarischen, psychischen und
phisikalischen Gesetze zum
Grunde liegen; welche[r] die
Grundgesetze, die Grundeigen[-]
schaft das göttliche Wesen
die Trinität zum Grunde
liegt u welche so in ihrem innigsten
Wesen nach selbst göttlich ist, /
[71R]
und diese ihre Göttlichkeit d[urc]h
Darstellung und Ausübung jenes
Gesetzes documentirt[.]
[122V]
Erlauben Sie mir daher nicht allein eine Darstellung des
jetzigen Zustandes sondern erlauben Sie mir <nur>
daß ich HöchstIhnen <eine> auch unbefangen und
<in> Höchstem Landeskindlichen Vertrauen den letzten u Gesammtzustand
meines Wirkens vorlegen darf. – Ein
Musterwirken für deutsche Erziehung u deutschen Charakter
<veranlassen> bedingt durch u hervorgegangen aus dem deutschen Charakter pp.
NB Wie /
[122R-124V, ein quer gelegtes Folioblatt liegt falsch,
enthält Fortsetzung der zehn Aspekte im Brief
an Fürstin-Mutter 124R-125, folgt also nach 125V ]
[124R]
sprechen sich in dem deutschen
Charakter u Leben in der deutschen
Geschichte die 7 (?) Stufen der
Menschenentwicklung aus?
Fähigkeit
Fertigkeit
pp.pp
*

Schreiben an die Fürstin Mutter [<23>.10.1821]
1. Kein Dank u kein Lohn für die Unterstützung u Beförderung
eines Werkes größer schöner als das Gelingen dieses Werkes[.]
2. Diesen Dank vor Ew Hochfürstl Durchl niederzulegen ist
mir angenehmste Pflicht[.]
3. Denn Seit der befördernden Unterstützung Ew Hochfürstl Durchl
ist mein Werk in seiner Entwickl[ung] u Ausbildung innerl[ich] u äußerl[ich] fortgeschritten.
4. Äußerlich
a. 4 Zöglinge mehr 2 <Fortbildende aus den L?>
b. Schlafraum der Zögl in dem neuen Hause
c.Zweckmäßige Einrichtung der Reinigung Anstalten für die Zögl
d. Ausbauen des Hauses [so]daß wir in 4-6 Wochen /
[125]
g[an]z das Haus bewohnen können
Erweiterter Unterrichtskreis. Stundenplan
e. Auch Glieder der Landstände haben sich sehr theilnehmend
geäußert u diese ihre Theilnahme als <Verweise> selbst
schriftl Sr Excellenz dHE Canzler v. K[ettelhodt] Hochacht[ungs]voll als Fürstl
Commissar ausgesprochen.
Se Excellenz dHE Kanzler v.K. selbst haben ihre
thätig befördernde Theilnahme auf das thätigste bewiesen
4. auch eine neue Schrift erschienen[.]
5. Alles dieß fordert zur großen Thätigkeit für die
immer größere Ausbildung auf und zur Aus[-]
führung des in eb[en]gedachter Schrift ausgesprochene
Streben auf nach allgem Verbindung für deutsche Volks[-]
und NationalErz[iehung] auf[.]
(: 6. in der Selbstsucht der Zeit scheint er in dem
Männl Streben ein[e] Wurzel zu fassen; der
Mann haßte wie von jeher das aufkeimende
Männl. Geschlecht (Saturn u Jupiter) - :)
7. Alles der Menschheit wahrhaft u bleibend
Wohl bringendes hatte von jeher in dem weibl
in dem Frauen Gemüth seinen Gr[un]d u in den Jahren
1813/14 bewiesen es wo sich so viele Edle
deutsche Frauen für Beförderung desjenigen
<v?> was dem gesammten deutschen Volke
Noth that jene Frauen Vereine leuchten in unver[-] /
[122R/123V]
vergleichlichem Lichte in der Geschichte.
Den Menschen vom innern Wahn vom innern Irrthum, von innern Fesseln, von seinen
Fesseln die er sich selbst durch die Unthätigkeit seines Geistes, wie dort d[urc]h die
unthätigkeit seiner physischen Kraft anlegte ist gewiß ein nicht minder großes
Streben u Kampf [;] zur Beförderung dieses Kampfes, zur Herbeyführung des Sieges
in diesem Kampfe sich vereinen dünkt mich nicht minder groß als sich zur Beförderung
der Freymachung von äußeren von fremden nicht von uns selbst angelegten Banden
zu befreien.
8. Dieß geschieht für Erziehung
9. Also Frauen Vereine deutscher Frauen u Jungfr[auen] für deutsche Erziehung
10. Glauben Sie mir alles was uns drückt aller Unfriede alle Tre[nnun]g die herrscht
Volk u Fürst würden sich friedl[ich] u innig umarmen, Ja! Fürstl. Frau! deutsche Fürstl[iche]
Frauen sollten sich um das Band zwischen Volk u Fürst innigst zu knüpfen besonders
zu Vereinen für deutsche Volkserziehung vereinen u die Wahrheit schadet nie
ächte Erkenntniß schadet nie[.] /
[123R/124V]
Ich sehe u erkenne daß nur ein Leben was in der Darstellung dieses
Gedankens (Darstellung von Erziehung Ausbildung des Bleibenden u Ewigen im Menschen aufgeht ein in der Zeit u Mensch[-]
heit würdiges ist. - /