Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Baron v. Kottwitz in Berlin v. <nach 4./vor 16.> 9.1821 (Berlin)


F. an Baron v. Kottwitz in Berlin v. <nach 4./vor 16.> 9.1821 (Berlin)
(BN 282, Bl 43R-46R, undatierter Entwurf 2 B 8°7 S., Datierung gemäß Tageblattkontext. F. befand sich, wie auf S. 1 seines Tagebuchs August-Dez. 1821 vermerkt, zu dieser Zeit ständig in Berlin.)

[43R]
Innig hochgeschätzter, verehrter
HEr Baron v Kottwitz
Es ist schon an u für sich da Sie da mein natürl[iches] Zutrauen das Ich
zu Menschen [hatte] nun auch verlohren zu haben schien
schwer mein mehr[-]
jähriges Betragen als Ihr Schuldner einfach
in sein wahres Licht zu stellen, nocher [sc.: noch] schwer[er]
war es mich [sc.: mir] so lange als dessen Entwicklung
noch vom Schleyer der Zukunft bedeckt war
u schwer unmögl[ich] wird es mir jetzt dieß g[an]z zu
thun da die Zeit meiner Abreise von
hier vor der Thür ist, doch erlaube ich
mich [sc.: mir] nur einiges zu bemerken. Glauben
Sie ja nicht daß Sie die Bezahlung meiner
Schuld durch die Gewalt u den Drang
Ihrer Forderung herbey geführt zu haben [könnten]
denn irgend etwas mit Gewalt
ohne die höchste Einwillig[un]g zu erlangen
sind Menschen zu schwach und alle
Ihre Briefe u alle Ihre Mittel würden /
[44]
zu schwach gewesen seyn mich zahlbaar
zu machen wenn es der [sc.: dem] <hierin> leitenden
Geschick nicht gefallen hätte mir dazu
die Mittel durch seinen Geist zu geben
Als Sie mir nämlich die ersten Briefe
se
und Sie würden jetzt Ihr Geld be-
kommen haben auch wenn Sie mich nie
mit einem Worte an meine Schuld
erinnert hätten, denn ich selbst habe
mich ernstlicher u mahnender daran
erinnert als alle Worte und Vorstellungen eines 2en
nur immer vermöchten
ja ich hatte mehrmals Summen zur Be[-]
zahlung bestimmt die ich aber als
Zahlmeister was der mit Gott
handelnde Mensch immer ist nach anderer höherer unumgehbarer
Bestimmung anderer anwenden
mußte, Sso führte mich jetzt mein /
[44R]
Geschick wieder nach Berlin, nicht
mit reiner Lust, nicht nur zur Freude
denn ich sahe was meine Schuld bey
Ihnen nur bereiten könnte u würde
da ich kein Mittel sahe dieselbe
auch nur zum kleinsten Theil bezahlen
zu können; doch ich folgte wie immer
so auch jetzt der Bestimmung die ich als
eine höhere erkannte. Als Sie
mir nun Ihre ersten Briefe schrieben
konnte ich auch nicht über das geringste
bestimmen. Erst da sich meine Abreise
nahte entwickte [sc.: entwickelten] sich die Früchte des
Zutrauens – ein Knabe wurde als
Zögl[ing] mir anvertraut und so
bestimmte ich sogl[eich] was ich konnte
50 f für Sie u sie waren für /
Sie bestimmt ehe eine neue Mahnung
solche von mir forderte, wenn ich auf
menschliche Zeugschaft in dieser Sache Werth
legte so könnte dieß meine Frau bezeugen.
Eben so haben Sie den nun folgenden
[45]
Rest Ihrer Forderung nicht Ihrer wieder[-]
kehrenden Mahnung zu danken, sondern
das Geschick Zutrauen gab mir ferner
einen 2en Zögling (beyde aus der <Familie>
Wilmsens) und so hatte ich schon an
die Bezahlung gedacht. Dieß nur als
Andeutung.
Weil menschliche Vorsätze u Versprechen
nicht nützen schrieb ich nicht in dem
gewissen Glauben den nicht zu schanden
werden läßt, daß wenn ich die
Zahlung nach höherer [Bestimmung] leisten sollte ich sie auch werde
leisten können. /
[45R]
Ich gebe gerne zu daß Ihnen
kein ein Mensch von meinen Grund[-]
sätzen u Handlungsweise vorgekommen
ist; ich gebe auch gerne zu das [sc.: daß]
ich in meiner Handlungsweise nicht
so leicht zu begreifen bin, der
Grund davon ist daß mein Handeln
nicht den Worten sondern der That
u dem Leben nach in Gott ruht.
Warum mich mein Geschick gerad
zu Ihnen in dieses widrige Verhältniß ge[-]
bracht hat zu Ihnen den ich ganz
besonders hoch achtete u verehrte
die Antwort hierauf fehlt mir
jetzt; vielleicht um mir das wahre
Verhältniß des Menschen zum Menschen /
[46]
und zu Gott in seiner g[an]zen Klarheit
zu zeigen u mich immer mehr und
mehr von der Ankettung an Menschen
zu befreyen
wozu der Mensch so <sich> gewiß verliert
u in den Menschen nur
den Diener Gottes zu sehen [.] Auch
wird gewiß dieses g[an]ze Verhältniß
wenn Sie es in dieser Höhern Be-
ziehung u nicht mit äußerlichen Augen
betrachten für Sie nicht ohne
Leitung zur höhern Vollkommenheit
seyn, dieß tröstet mich über
die leidenschaft das unangenehme
was Ihnen dasselbe gebracht
hat.
Langethal hat mir schriftlich /
[46R]
aufgetragen Sie achtungsvoll zu
grüßen.
Auch ich grüße Sie mit der
Hochachtung u Ergebenheit u bleibenden Dankbarkeit die
der Mensch nur immer für den
Menschen als Geschöpf u Diener
Gottes in sich heegen u tragen
kann.
FWAFröbel