Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Karl v. Raumer in Halle/S. v. 20.9.1821 (Berlin)


F. an Karl v. Raumer in Halle/S. v. 20.9.1821 (Berlin)
(BN 282, Bl 68-70, hier: 68R-70V dat. Entwurf 1 ½ B 8° 4 S. - Raumer, mit F. bei Pestalozzi in Yverdon 1808/10, seit 1819 Prof. für Mineralogie an der Universität Halle)

[68R]
An v. R. in H.
Ich habe schon Schon längst habe ich gewünscht
Sie geehrter HE . u ich möchte
wohl die Gefühle, Empfindungen und
Vorsätze welche zur Zeit unseres
Zusammenlebens in Y [sc.: Yverdon] in mir leb[t]en,
wieder empfinden, wenn Sie
es mir erlauben wollen sagen:
theuerer Fr[eun]d! ich habe schon
längst durch die Kunde die mir von
Ihnen d[urc]h gemeinsame Fr[eun]de kam gewünscht durch dieß
Sie persönlich wieder ein[-]
mal sprechen zu können
doch der Drang des Lebens /
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hat mich immer daran gehindert [.]
Damit Sie jedoch wenigstens
soweit es durch Schwarz auf
Weiß mögl[ich] ist etwas von
mir u meinem Leben hören
nehme ich mir die Erlaubniß
Ihnen dasjenige beyliegend mit[-]
zutheilen was ich darüber öffentl[ich]
ausgesprochen habe. Möchten
Sie es Ihrer Beachtung Wwerth
finden[.] Lassen Sie Sich durch die Eigen-
thümlichkeit vielleicht auch Härte
u Unbehülflichkeit der Sprache
nicht abhalten diese wenigen Bögen
durchzugehen. Freuen würde
ich mich wenn wir uns als /
[69R]
Deutsche in dem Streben nach
der Darstellung des besten u
höchsten u heiligsten wie früher
begegneten und diese Blätter
Veranlassung würden uns da[-]
für wieder die Hand zu
reichen.
So bald ich kann komme ich
um dieß uns persönl[ich] zu verständigen
in Voraussetzung Ihrer Erlaubniß
zu Ihnen, sollten S aber Sie
oder treue Bekannte von Ihnen
der Lebensweg früher in hiesiger Gegend
vorbey führen
so bitte ich Sie auch und
uns heimzusuchen und unserm /
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Wirken u Streben einige
prüfende Zeit zu schenken,
bis dahin leben Sie wohl
freundliche Aufnahme würden Sie bey uns
immer finden so einfach auch sonst unser
Leben immer ist.
Sollten diese Schriften und unser
Wirken ihre [sc.: Ihre] Theilnahme zu wecken
im Stande seyn so würde es mich freuen
wenn Sie vielleicht eine öffentl[iche]
Beurtheilung derselben in einem litera-
rischen oder andern öffentl[ichen] Blatte
vermitteln könnten.
Ich grüße Sie mit <wahrer> Achtung und
Freundschaft.
Den 20/IX 21.
FWAFr