Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Kanzler Ketelhodt / Schwarzb.-Rudolstädt. Regierung in Rudolstadt v. 3.10.1821 (Keilhau)


F. an Kanzler Ketelhodt / Schwarzb.-Rudolstädt. Regierung in Rudolstadt v. 3.10.1821 (Keilhau)
(BN 282, Bl 93-95, hier: 93R-95V, dat. Entwurf 1 B 8°4 S. als Begleitschreiben zum Gesuch an die
Landessteuerkasse in Rudolstadt/BN 282, Bl 88-93V, das dem Brief an Ketelhodt beilag.)

[93R]
[Anrede fehlt]
Ew: Exzellenz gnädigen Erlaubniß zu folge
schließe ich mit Beziehung auf das Schreiben der
beyden HE Landesdeputirte[n] Hoffmann u Möller
mein unterthänig Gesuch an Hochfürstl Steuerkasse um
gnädigen Vorschuß bey zur Förderung u Ausbildung der von
mir begründeten
unserer ErziehungsAnstalt hier bey.
Ich thue es im Vertrauen auf Ew Excellenz
gnädige Wohlwollen[de] Gesinnung für das Ganze
u ich gestehe es auch im Vertrauen auf
die innere Begründetheit meines Gesuches
obgleich der HErr Rath Leo als Landes
deputirter
dießjähriger Ausschuß der
Landesdeputation sich nicht nur nicht für
die Sache sondern sogar bestimmt gegen dieselbe
entschieden hat indem er erklärte, daß
der Ausschuß in diesem Gesuche zur Erfüllung dieses Gesuche[s] keine /
[94]
dieses Gesuch nicht vor das Forum
Compedenz habe, sondern dasselbe
für [sc.: vor] die gesammte Landes Deputation
gehöre; aber auch als bloser Landes-
befördernder deputirter könne er nicht für
die Erfüllung meines Gesuches stimmen,
da zuerst die Krieges Landesschulden
bezahlt seyn müßten ehe an Vorschriften zu Unter-
stützung u zu[r] Förderung nützl[icher] Unternehmungen
zu denken sey in dem Jeder und so
auch das Land sich selbst der Nächste pp. sey.
Da er jedoch für durch seine Person <aber> wegen
über die Erfüllung meinem Gesuche überhaupt nicht aburtheilen wolle könne
so thue er nur den Vorschlag [ich solle] mich
mit mein[em] Gesuche in ein[em] CircularSchreiben an <?
?> Landesdeputirte, denselben
mein Gesuch vorzu[tragen]
wenden /
[94R]
welches dann zur Abstimmung zir[-]
kulire. Ohne jedoch über die Zweck[-]
mäßigkeit dieses Vorschlages ent-
scheiden zu können glaube ich jedoch die
Meinung aussprechen zu müssen, daß ich
nicht glaube daß von mehrern der
HErrn Landesdeputirten abgesondert aber ohne vorherige
Di[s]cussion in [sc.: hinsichtlich] diesem Gesuche eine gegründete Entscheidung gefällt
werden könne. Diese
Ansicht hat mich bestimmt auf dem mir
von Ew: Exzellenz vorgezeichneten Wege
ruhig fortzugehen und ich lege in dieser
Beziehung
mit Ew Exz gnädiger Erlaubniß
mein Gesuch an Hochfürstl Steuercasse hier beyzulegen; obgleich ich dessen
Gebrauch Ew: Exz ganz anheim stelle indem der HErr Rath Leo mich ver[-]
sicherte daß nur einzig der mir von ihm vorgeschlagne Weg mich zum Ziele
bringen könne, wenn es überhaupt mögl[ich] wäre. /
[95]
Ew Exc. Mit diesem Stand der Sache Ew
Exc
: bekannt zu machen hielt ich für
unerläßliche Schuldigkeit.
Überhaupt kann auch gar nicht geleug[-]
net werden, daß d[urc]h erhöhte u vereinigte
intellectuelle Kraft u d[urc]h vermehrte
Geistige Ausbildung der Bewohner eines Landes
der wahre Reichthum desselben vermehrt u er[-]
höht wird und so auch des Landes
Einkommen.
IMit In Mit ausgezeichneter
Ehrfurcht bin ich
Ew Exzellenz
unterthänigster

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