Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friedrich Günther, Fürst v. Schwarzburg-Rudolstadt in Rudolstadt v. <vor 18.>11.1821 (Keilhau)


F. an Friedrich Günther, Fürst v. Schwarzburg-Rudolstadt in Rudolstadt v. <vor 18.>11.1821 (Keilhau)
(BN 282, Bl 151R-155V Mitte, undat. Entwurf 2 ½ B 8° 7 ½ S. Datierung orientiert an nachfolgendem Briefentwurf an „Edle deutsche Frau“ v. 18.11.1821. – Zu diesem ausführlichen Entwurf gehört ein undatiertes flüchtig mit Bleistift im Tagebuchkontext geschriebenes Entwurfsfragment BN 282, Bl 95R-96V Mitte, 1 B 8° 1 ½ S., das um den 6.10.1821 entstanden ist.)

a) Entwurfsfragment

Ew Hochfürstl Durchlaucht prüfende
landesväterliche Sorgfalt als zum
Wohle der Landeswirthschaft abzweckende
Güter prüfende Sorgfalt, auch
mein <Beruf> obgleich <produkt> Unter-
nehmung doch als innigst mit dem Wohl
des Landes verwebte Anstalt
vorzustellen es sollte Sie [sc.: sie] als solche
auch von Ew Hochfürstl Durchl
erkannt werden, um gnädige
Unterstützung zur Förderung dieser
Unternehmung nach zu suchen ist der
Zweck dieser unterthänigen obigen
Darstellung u Bitte - /
[96]
indem unsere Erziehungs Anstalt
wirklich nach dem ganz reinen und besonders
praktischen Grundsatze u Sinn
welcher in derselben herrscht, mehr
und weniger nah mit dem Gesammt Wohle ja Reich[-]
thum
des Landes verwebt ist
als ich in meinen bis jetzt von mir
ausgesprochenen Darlegungen [beschreiben] konnte.

b) Entwurf

[151R]
Durchl[auchtigster] Fürst u Herr
Gnädigster Fürst u LandesVater.
Die unter dem Höchsten Schutz EW Hochfürstl[ichen] Durchl[aucht]
vor einigen Jahren von mir zu begründen be[-]
gonnene Erziehungsanstalt, die den Zweck
hat durch Gründlichkeit des Unterrichtes Um[-]
fang der Lehrgegenstände u deren
durchgreifend praktische Behandlung für Frucht fürs Leben sich
zu einer allgemeinen Deutschen Erziehungs-
Anstalt zu erheben
, hat sich durch
die Hohe u vielseitigste befördernde Theilnahme besonders
d[urc]h gnädige Beachtung höher u höchster Landesbehörden so
weit ausgebildet daß sich nicht nur
die Möglichkeit des Bestehens hoch sondern
auch des Fort- u Ausbildens und
endlicher Erreichung des vorgesteckten /
[152]
Zieles, sich durch Gründlichkeit des Unter[-]
richtes, Umfang der Lehrgegenstände u
d[urc]hgreifende praktische Behandlung derselben
fürs Leben zu einer allgemein
deutschen auszu erheben – auch äußerlich zeigt.
Bey dem hiermit verbundenen
wachsenden Zutrauen welches sich
auf das erfreulichste fortkommend auch im
Ausland ausspricht wo mir wie[-]
derholt die Aufforderung von Eltern für die Erziehung ihrer Kinder
be sorgsamen Eltern ausgesprochen
worden :/: - (für die möglichst
vollkommenste Ausbildung meiner
Anstalt zu sorgen und dann
wegen auch die willige freudige Bezahlung
jedes durch jene Vollkommenheit /
[152R]
nöthige[n] u <neuen> des jährliche[n] Erziehungsgeldes
gewiß zu seyn, welches wenn
es auch das jetzt schon bestehende
)
müßte es mir größte Sorgfalt, die letzte endl[iche]
Ausbildung möglichst zu be[-]
fördern um durch zu langes
Aufschieben derselben (nicht nur weder
die für das G[an]ze geeinten Kräfte nicht
zu schwächen
nicht zu ermüden sondern auch das
lebendige erbrachte Zutrauen nicht zu ermüden ersticken.
Bey dem mich bey meinem Streben von den
frühesten Zeiten an belebten Vorsatz nach
allen meinen Kräften für die Erhöhung des
Wohlstandes im Vaterlande zu wirken
hoffte ich um so sicherer bey den
schon nachweislich jährl[ich] über 2000 Th[a]ler
fast größtentheils aus dem Ausl[an-] /
[153]
de kommenden Gelde in das Innl[and] gezogen
werdende Geld durch mein Streben
um so mehr Unterstützung dieses
Unternehmens von den Landständen
u wandte ich [mich] in dieser Beziehung auch
an einige Glieder derselben namentl[ich]
an die Glieder des dießjährigen Stände[-]
ausschusses und obgleich da auch welche
einige sich schriftl[ich] mit ruhiger reinster
Prüfung dafür erklärten, so wagte
ich es Ein Hochfürstl[iches] Hochlöbliches
Steuercollegium um gnädige Unterstützung
aus Hochfürstl.[icher] Steuercasse unter[-]
thänig u [ge]ziemend zu bitten doch nach
mir mündl.[ich] gegeben[en] ertheilten Resolution
hatte dHE Rath Leo als Mitglied des dießjährigen Aussch[usses] die Erfüllung
derselben als unstatthaft gezeigt [sc.: gerügt]
und auf die Vorstellungen desselben
als dießjähriges Mitglied des dießjährigen [Ausschusses] /
[153R]
mein unterthäniges Gesuch sowie
die Erfüllung meiner unterthänigen Bitte hatte war
es unmöglich gemacht. war
Ich hatte dieß von einem Mitglied
der Landesstände u besonders des
Ausschusses derselben um so un[-]
möglicher geachtet, als nachweislich
jetzt schon eine Summe von über
2000 rth größte[ntheil]s ausländisches Geld und
wenn mir die Ausbildung mögl[ich]
wird eine Summe von 50 6000
thlr größtentheils ausl[ändisches] Geld in dem
Lande mögl[ich] wäre. mündlich theilte
mir derselbe [sc.: Rath Leo] als Grund des nicht erfüllens
meiner Bitte mit daß nach seiner
Überzeugung solange nicht für die Unter[-]
stützung auch der besten Sache im Lande auch nicht
einmal für die wie er sich ausdrückte armen /
[154]
Landschulen u Dorfschulmeister
also noch weniger für wie er es nannte privat unternehmung gethan
werde bis die namhafte Summe
der Landesschulden getilgt sey[.]
Das unzulängliche und einseitige dieses Grundes der
Verneinung meiner unterthä[ni]gen u ziemenden
Bitte schrift scheint sich mir aber
so klar auszusprechen, denn woher
sollen Schulden bezahlt werden wenn
nicht der Ertrag jedes wenn auch nur
einzelner privat Glieder namhaft u nach-
weislich erhöht [gesichert] u dad[urc]h das allgemeine
Landeseinkommen erhöht wird – daß
ich es ohngeachtet der harten Muth raubenden Zurückweisung
vom einfachen dießjährigen
Ständeausschuß dennoch wage Ew
Hochfürstl [Durchl] Höchstselbst als treuen LandesVater
mit <angesehen ächtem> Landeskindlichen Vertrauen
u wenn nicht der Mensch befähigt wird durch Ausbildung seiner
Anlagen den Produkten seiner Kraft hohen Werth zu geben /
[154R]
meine unterthänigste Bitte auszusprechen
u vorzulegen die unterthänigste Bitte
mir durch Ew. Hochf[ürst]l Durchl Höchstes Wort u Willen
um zur Förderung u Ausbildung des G[an]zen
meiner Unternommenen Erziehungsanstalt
mir gegen die mir in meiner
Gesammtlage zu leistende Hand schriftliche
Sicherheit aus einen unverzinsl[ichen]
Vorschuß von Eintausend
Thaler auf 5 Jahr gnädigst
u huldvollst angedeihen
zu lassen und die Höchste Er-
füllung derselben Ew Hochfürstl Durchl
Landesväterlichen Weißheit u Macht
ganz anheim zu stellen.
Indem ich Vertrauensvoll Zuversichtsvoll diese Bitte dieses Gesuch
Ew: Hochfürstl Durchlaucht weisem Ermessen
unterthänig vorlege, wage ich (im Fall
daß Ew Hochfürstl Durchl mir dieselbe
huldvollst gewährte) die vertrauens[-] /
[155]
volle Bitte um baldige Höchste Entscheidung hinzufügen damit es mir
durch die
huldvollste Erfüllung meiner unterthänigen
Bitte mögl werde vielleicht bey den milden Herbst
noch mögl[ich] werde das für den Erziehungs[-]
zweck erbaute Wohnhaus bis Jahr Ende
dieses Jahres noch in ganz bewohnbaren
Stand zu setzen.