Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine Fröbel in Keilhau v. 9.6.1822 (Hof)


F. an Henriette Wilhelmine Fröbel in Keilhau v. 9.6.1822 (Hof)
(BN 445, Bl 1-4, Brieforiginal 2 B 4° 8 S.)

Hof Sonntags den 9[t]en Jun: 1822


Meine einzig geliebte Frau.

Unter Gottes Schutz sind wir gestern Abend
glücklich und gesund hier angekommen. Aber
wo soll ich nun nachdem ich Dir dieses ge-
schrieben habe anfangen von unserer Reise
ja nur von unserem Leben hier in Hof zu
schreiben. Kandlers wackre Mutter
hatte den ganzen Nachmittag auf uns am
Fenster gewartet um die Nachricht unserer
Ankunft ihrem Sohne unsern Kandler
zu bringen, welcher mit einigen Landgeist-
lichen die unsertwegen nach Hof gekommen
waren von welchem [sc.: welchen] Dir schon der Prediger
Dr. Keck
bekannt ist - in Gesellschaft
war. So wie wir nur in das Gasthaus
getreten waren sahen wir uns von /
[1R]
fast einem Duzzend großen u kleinen theilnehmenden
Freunden umringt, zuerst kann [sc.: kam] der
biedre Kandler u führte uns genannten
Prediger Keck herein und den Professor
Kiefer, dann kam unser treuer Wetz[-]
stein
und führte den Prediger Moser
bey uns ein; der Turner Pahl kam
au[c]h bald mit einem halben Duzzend
u mehr seiner Cammeraden, bald darauf
traten zwey junge Männer Pahl Funke
und Glaser bey uns ein wo besonders
der letztere ein außerordentliches
Interesse an unserm Wirken zeigte.
Bald kamen des genannten Turners
Pahls Schwestern und entführten /
[2]
uns die Emilie, die sich seit dieser
Zeit auch nur blickweise bey uns
sehen läßt, denn sie machte im
Pahlschen Hause Quartier. So
verstrich die Zeit bis wohl über
12 wo wir den unter Gespräch
und Gesang verstrichenen Abend
eine gute Nacht wünschten. Heute
bald nach unserm Aufstehen waren
theils mehrere der gestern genannten
Freunde, theils noch andere junge Turner
bald bey uns. Wir besahen etwas
die Stadt - einen Garten - Wetzsteins
Mutter und Pahls Eltern. Nach Tisch
waren wir in der schönen Kirche um /
[2R]
eine sehr wackre Predigt zu hören.
Jetzt sind Langeth. u Middend. mit den
Knaben u einigen ihrer Freunde im Bade.
Emilie ist eben hier vorüber geschwip[p]t
um mit einigen Mädchen in einen Garten
zu gehen. Ich bin allein mit Georg
dem alten zu Hause der seine Füße pflegt
die ihm auf dieser Reise etwas ihren
Dienst versagt haben und so benütze
ich denn dieses erste freye halbe Stünd-
chen Euch allen Nachricht von uns zu
geben. Fast allen fehlt gar nichts
oder nur unbedeutende Blasen an den
Füßen belästigen sie etwas.
Der Geplagteste ist Georg nicht vom
gehen aben [sc.: aber] in seinen Füßen ist eine /
[3]
solche Summe von Feuchtigkeit mit
Hitze verbunden daß Blasen an den-
selben erscheinen auch ohne daß er
geht. Ob er morgen weiter mit uns
gehen oder zurückreisen muß wird
sich zeigen. Der zweitangegriffendste
ist August, doch wird dieser die Reise
wohl bestimmt weiter mitmachen.
Mit Ludwigen geht es ziemlich gut
ich glaube er hat eine oder zwey Blasen
die ein anderer wohl gar nicht achten
würde. Mit Oskar geht es ganz
gut und der Knabe hat sich zu meiner
Freude tapfer gehalten. Von den
Übrigen erwartest zu [sc.: Du] wohl ihrer
Natur nach ganz gute Nachricht
zu den Wackersten u Gesündetsten /
[3R]
gehört Wilhelm - Günther - Ferdinand
Theodor, Karl - Adolph - Ernst ganz besonders Johannes,
Friedrich; dem sogenannten
Albert dem behagt das
Gehen mit am wenigstens [sc.: wenigsten] doch außer
einem Blasgen fehlt ihn [sc.: ihm] wohl auch nicht[s]
Julius ist Fuß gesund aber sein
Magen scheint etwas in Unordnung zu
seyn. Und Emilie die ist wie ein
junges Reh oder eine flüchtige Gazelle
auf den hohen Bergen; ihr fehlt auch
nicht ein Haar aber da man doch
von allen Reisen etwas neues mit[-]
bringen muß so wird sie ohne Zweifel
für ihre Nase ein neues Kleid mit[-]
bringen, welches die liebe Sonne ihr /
[4]
zum Geschenck [sc.: Geschenk] gemacht hat.
Warum aber so viel zu erst von
uns? - Darum weil ich mich ganz
an Deine Stelle denke treues Weib
die zuerst Nachricht von uns wünscht[.]
Und leider meine Fragen wie es Dir
geht können mir ja nicht beantwor-
tet werden. Aber es lebt ein solches
Zutrauen zu Gottes Liebe in meiner
Seele daß ich nicht zweifeln
kann er wird Euch allen wie immer
mit seinem Schutze treu umfa[n]gen
haben. Dieses Zutrauen wird Er
auch nicht zu Schanden werden lassen.
Über unsere Reise ist folgendes
bestimmt Morgen erster Tag bis /
[4R]
Weisenstadt. Zweiter Tag Dienstag
bis Arzberg. Dritter Tag Mittwoch
bis Eger und über Arzberg nach
Wunsiedel. Vierter Tag Donnerstag
Von Wunsiedel über das Fichtelgeb[i]rge
nach Bischoffsgrün fünf[t]er Tag Freytag
von Bischoffsgrün bis Culmbach. Sech-
[s]ter Tag Sonnabend von Culmbach bis Sonnenb[er]g
Siebenter Tag Sonntag In Sonnenb[er]g Rast.
Achter Tag Mondtag bis Amtgehren
Neunter Tag Dienstag Mit Gottes Hülfe
und Schutz zurück nach Keilhau und
ich in die Arme meines treuem [sc.: treuen]
geliebten Weibes.- So menschliche Be-
stimmung Gott wird es nach sei[ne]m Willen
am besten fügen. Viele Grüße an alle
nammentlich dem Bruder die Schwester.
Lebe Wohl treues Weib, lebe auch entfernt mit
Deinem treuen Gatten.       Friedrich Fröbel.
Ich freue mich das [sc.: daß] die kleinen zurück geblieben sind, sie hätten es so wenig ausgehalten
als Ernestine u Albertine, denn die Wege u Tagreisen waren hart.