Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine Fröbel in Berlin v. 22.4.1823 (Keilhau)


F. an Henriette Wilhelmine Fröbel in Berlin v. 22.4.1823 (Keilhau)
(BN 445, Bl 7-14, Brieforiginal 4 B 4° 16 S.)

Keilhau den 22sten April 1823.


Mein sehr theures, theuerstes trautes Weib.

Wo soll ich heute beginnen um Dir auszusprechen
was mein Herz und meine Liebe alles Dir zu sagen
hat? - soll ich beginnen mit dem Ausdruck der innigsten Freu[-]
de welche mir Dein lieber lieber Brief schon seinem
Erscheinen nochmehr seinem Inhalte nach gemacht hat,
oder soll ich damit beginnen es zu versuchen Dir durch
diesen Brief auch eine ähnliche Freude zu bringen
durch die Mittheilung des kleinen Festes was
mir und sich gestern die Glieder meines Hauses
bereitet haben?- Doch Dir gebührt zuerst der
Dank, denn Deinen innig lieben Brief bekam ich
ganz unerwartet vorgestern Abends gleichsam
zur ächten Weihe und Vorfeyer des kleinen Festes.
Alle, alle haben die herzinnige Freude über Deine
glückliche Ankunft in Berlin und das so gesunde
Vorfinden der theuren Deinen mit mir getheilt. Und so war vorge-
stern Abends alles still und freudig, und der /
[7R]
der stille, laue, klare Abend hatten auch das Ihre
dazu beygetragen diese Freude zu erhöhen. War
aber der vorgestrige Abend schon gewesen, so war
es der gestrige Morgen noch mehr, so klar, so
lau, so still mit einem Worte ein ächter und
eigentlich der erste ganz schöne Frühlingsmorgen.
Im Hause war es auch still und klar, denn alles
war schon frühe ausgeflogen und ich sahe sie
alle wie schon seit ein Paar Tagen geschäftig <so stille> am
Füße des Colms unterhalb der Moossitze der
Knaben arbeiten so still und einmüthig daß
sich leicht aussprach, alle theilten recht innig
den Zweck dieser Arbeit[.]
Ich saß in der freundlichen blauen Stube, durch
einen sehr schönen Lack- und Levkoyenstock
von Theodor und durch eine süßduftende Hya-
cinthe von Tony noch mehr geschmückt, als
dieser mit Luis und Gustav Adolph zu mir
trat um mich mit einem Straus selbstgezogener Blumen /
[8]
aus ihrem Garten zu begrüßen. Jetzt
ging es zum Frühstück, alles war und wurde
von den Zöglingen und den Andern schnell und
still beendet, nur noch den sich in seiner Treu-
sinnigkeit täglich immer mehr kundthuenden Schön-
bein
fand ich noch und er legte mir still ein
Blatt in die Hand wovon die Güte M[iddendorffs] hier eine
Abschrift beylegt. Du findest es englisch, denn
Du mußt nur wissen daß Schönbein nicht eher
zufrieden war bis ich angefangen habe das Wenige
Englische was ich konnte zurückzurufen und nun
wünscht er aus inniger Lust am Englischen daß
wir nur in dieser Sprache redeten. Die Worte
heißen ohngefähr:
Gott grüße Dich! unser liebendväterlicher Freund
Gott segne Dich! unser erfahrenväterlicher Lehrer
Lange lebe Du! um zu machen
Wahrhaft glücklich noch viele der Kinder
Welche Du erziehest für die höchsten Gegenstände:
für die Religion und für die Kunst,
allein über alles dieß, für die uranfängliche Wissenschaft /
[8R]
Welche ist der heilsamste Quell
Zu Heilen ihre Gebrechen und Mängel
Und glücklich zu seyn und wahrhaft zufrieden;
Darum soll uns seyn zu jeder Zeit
Theuer und freudvoll jeder Deiner GeburtsTage.
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Nun war wieder alles ruhig, schnell wurde gegessen und eben
so schnell war wieder alles ausgeflogen und [ich] saß wieder
an meinem Plätzchen in der blauen Stube da trat gegen 3
Uhr Georg, Carl und Gottlieb in meine Stube und sagten
sie hätte gemeinsam etwas gearbeitet ich möchte doch
so gut seyn und es einmal betrachten. In dem Garten
hintern Hause traf ich nun alles was noch hier ist
versammelt, den schon wieder vorausgeeilten Georg
mit einer Art von Heroldsstabe aus einem ganz
eigen gewachsenen jungen Baumstämchen begränzt
und mit Blumen umwunden an ihrer Spitze um
den Zug über den Gärten [sc.: Garten] hinweg nach den genann-
ten Platz führend, doch wie der Zug an den Fuß
des Berges kam hielt er und ich mußte hervor-
treten um einen neu angelegten mit Stufen
versehenen und mit klarer rother Erde bestreuten /
[9]
Weg zu erst zu betreten und ihn so einzuweihen;
als der Weg bis zu der kleinen Höhe geleitet hatte
führte er mit einemmale zu dem Eingange eines
dichten Kreises gebildet von jungen Tannen, Fichten u Kiefern.
Mit dieser Richtung des Weges war er auch zu
beyden Seiten mit Moos eingefaßt, den Eingang
in den Kreis bildeten zwey junge Fichtenstämchen
wie ein Christbaum im Gipfel reich mit Fichtenäpfeln ge-
schmückt; die untern Zweige verschlungen von welchem [sc.: welchen]
ein Kranz mit einem aus Veilchen gewundenen
vieldeutigen F: (Friede, Freude pp) herab hing.
Ja die Mitte des Kreises war eine von Moos
umkleidete und mit eingepflanzten Epheu Ranken
umschlunge[ne] und von Epheu noch begränzte stumpf
4 kantige Erhöhung welche von einem mit duftenden Blumen
dicht besaeten Stein bedeckt war. Hinter
dieser Erhöhung ladete eine sehr schöne Moosbank
zum Sitzen ein, der Boden vor derselben war mit
einem weichen elastischen Moosteppich belegt und
hinter derselben hing unter dichten Zweigen ein /
[9R]
Blumenkranz mit den Worten: "Dem Vater der Seinen,
dem Pfleger und Wecker des Lebens
." Von diesem Sitze
nun, welchen ich einzunehmen gebeten wurde
und von welchem nach beyden Seiten hin halbkreisförmig Sitze für alle waren fiel der
Blick über die umkränzte Erhöhung hinweg und durch den
Eingang hindurch von der Anhöhe herab gerad auf das
Erziehungshaus, zur Rechten die Kirche, hinter ihm das
kleine weiße Schulhaus des Dorfes und links den
Haupttheil desselben. Dieser Punkt war und ist sehr
schön gewählt und so sinnig, dazu der klare helle
stille laue Tag, so schön u ruhig wie noch keiner in
diesem Jahr. Vor mir auf dem Steine lagen einige
Zeilen von Middendorffs herzlichen Theilnahme <empfunden>
und niedergeschrieben und hier wieder von seiner Güte
für Dich abgeschrieben, diese Worte sagen Dir schöner
und besser als ich kann, die sinnige Wahl und Be-
deutung des Ortes und ganz besonders den Geist der
innigen Liebe Theilnahme u Eintracht welcher sich im
Ganzen und im jedem Einzelnen aussprach, ausdrückt
und so bleibt mir hierüber hier nichts mehr zu sagen
übrig, wie ich oben den Zöglingen u Freunden nur
wenig aussprechen konnte, denn eines fehlte /
[10]
uns noch das Organ durch welches sich mir das
gemeinsame Gefühl gemeinsamer Freude wahr-
haft genügend aussprechen läßt, der Gesang; Lange[-]
thal
war von seiner Schwester Hochzeit noch nicht zu-
rück gekehrt. Aber nur nach kurzer Zeit erspäheten
ihn die Augen der ihn sehnlich Erwarteten und nun
wurde er im freudigen Jubel zu uns herauf gebracht.
Auch unser Herr Pfarrer und sein Bernhard war
von den Söhnen zum Fest geladen worden, und kam bald.
So erklang denn bald, nach dem ich die durch die frühe Ar-
beit Ermüdeten durch Kuchen u Schokolade hatte
erquicken lassen der sanfte, freudige u kräftige
Gesang von den schon früher erbauten höher liegenden
Sitzen der Zöglinge herab. Wer nicht sang, sprach
spielte, besonders die Kleinen die sich sehr glücklich
fühlten, oder suchte Holz zu dem Feuer was am
Abend wie Du dieß ja immer kennst, lodern sollte.
Schnell war so der Nachmittag geschwunden und
die Dunkelheit des Abends gekommen,
und durch unser Lied: die Ruhe senkt sich nieder, begrüßt worden da flammte
denn ein köstliches Feuer hoch auf und zog alles
auf dem Berg und sonst Zerstreute um sich her /
[10R]
das Feuer flammte so hell, ruhig stetig, hoch und
sprühete solche Funcken sternig um sich her, daß
wir uns kaum eines schönern Feuers erinnern
können, der Abend war aber auch sehr lau und still.
Durch alles dieß angezogen hatten sich auch Bauern
aus dem Dorfe zu uns gefunden. Unser neuer
Herr Schulze, der junge Kalbe und der Herr Schullehrer
waren schon früher von den Knaben eingeladen
worden, so war fast 10 Uhr Abends herbey ge-
kommen, da schloß sich das Ganze durch den Ge-
sang nach eigener Weise.
1. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren,
meine geliebte Seele, das ist mein Begehren.
Kommet zu Hauf', Psalter und Harfe wach auf,
lasset die Musicam hören.
2. Lobet den Herren, der alles so herrlich regieret,
der Dich auf Adelers Fittigen sicher geführet.
Der Dich erhält, wie es Dir selber gefällt:
hast Du nicht dieses verspüret?-
3. Lobe den Herren der <künstlich> und fein Dich
bereitet, der Dir Gesundheit verliehen, Dich freundlich
geleitet. In wie viel Noth hat nicht der gnädige Gott, /
[11]
über Dir Flügel gebreitet!
4. Lobe den Herren, der Deinen Stand sichtbar gesegnet
der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet':
denke daran, was der Allmächtige kann, der Dir
mit Liebe gesegnet.
5. Lobe den Herren was in mir ist, lobe den Namen:
alles was Odem hat, lobe mit Abrahams Saamen.
Er ist Dein Licht, Seele vergiß es ja nicht, Lobende
schließe mit Amen.
Und alles ging still nach Hause begleitet von den
hellleuchtenden Fackeln mehrerer Knaben.
Als ich hier auf unser blaues Zimmer trat find
ich hier noch eine freundliche Zugabe zum Ganzen, einen
sehr schöne[n] volle[n] und würzig duftende[n] morgen-
roth blühende[n] Nelkenstock und vor demselben
ein himmelblaues Kästchen mit dem Nöthigen
zum Briefverschließen nebst einem Zettelchen
mit den Worten: Zum Geburtstage meines
lieben Oheim. Es war eine freundliche und sehr
gepflegte Gabe von dem gutmüthigen Theodor.
So war denn dieser Tag verlebt, und wenn auch /
[11R]
äußerlich getrennt doch im [sc.: in] inniger Vereinigung
immer mit Dir. Hatte ich Dich aber schon am Tage
viel und immer vermißt so vermißte ich noch
mehr am Abend wo alles ruhig und still um
mich war und wo ich wie Du weißt, so innig
gern bey Dir sitze und das vom Tage viel ange-
regte Leben geeint mit Dir ausleben lasse.
Da wollte ich diese Lücke ersetzend Dir noch schreiben
allein ich war gar, gar zu müde, nur mit der
hereintretenden und gute Nacht wünschenden Ernestine
sprach ich noch ein Paar Worte über das Leben
und von Dir trautes Weib.
Heute weckte uns wieder ein Morgen schon
wie der gestrige und er war der Ruf, daß
noch mehrer[e] auf einige Tage ihren Wander-
stab ergriffen, nämlich S- ist auf diese
Zeit nach Erfurth und Gotha.- Gottlieb Johann
begleitet von dem zurückgekehrten GustavAdolph -
Tony, Luis und Eugen sind nach Schwarzburg
Rohrbach und kehren über <Oboinhaye> [sc.: Oberhayn ?] und
Paulinzelle zurück. /
[12]
Bist Du schon bey Eugen's Vater gewesen?-
Dieser kann des Treibens auch gar nicht genug
werden daß sein Sohn noch in den ersten Hosen
ein Gelehrter und selbst noch an der ersten Brot-
rinde kauend schon ein Broterwerber werden
soll. Er hat nämlich in diesen Tagen schon wieder einen Brief in seiner Art geschrieben.
Zur rechten Zeit wo der Mensch dieß werden
soll und werden kann soll nun Eugen dieß auch
gewiß auf die tüchtigste Weise werden. Sind
doch Männer und manche Väter gerad wie die kin-
dischten Kinder die grünende und blühende Zweige
in die Erde pflanzen und glauben sie haben nun
Bäume und werden Früchte erndten, aber die
Blüthe verwelkt und der Zweig verdorrt und
so wird es solchen Vätern auch gehen. Ich sehe
es schon kommen daß ich, bey der nächsten Anzeige
des halbjahrigen Unterrichts, solche Herrn Fillions,
die es zwar in ihrer Art recht gut und vaterlich
meinen mögen, werde etwas waschen müssen,
sonst machen sie es einem mit ihrer unverdauten
Halbwahrheit und mit ihren halbwahren und
halbweisen Lebenserfahrungen gar zu toll! /
[12R]
Sprichst Du mein geliebtes Weib Herrn Fillion
noch so suche ihn doch darüber zu beruhigen,
sage ihn in Deiner Sanftheit und mit Deinem
Wahrheits Gefühl und Sinn, daß das erste
Jahr eines Knaben in der ErziehungsAnstalt
der Zeit gleiche in welcher ein Saamenkorn in
der Erde keimt, freylich sieht u hört weder
Ackersmann noch Gelehrter etwas aber doch
ist es für das Korn die wichtigste Zeit, daß
es sich erwarme, Säfte [s]ich aneigne, keime
damit es wenn der Frühling des Jahres alles
ruft auch dieses Samenkorn treiben schosse
blühe und fruchte aber das verdummend gekeimte
und zu frühe keimend verdummte Sammenkorn liegt
und bleibt in der Erde und fault.
Sage doch Herrn Fillion wenn Du ihn noch
sprichst daß ich sehr junge Knaben hätte die so
viel, so still, bescheiden kräftig u vielseitig
leisteten als wohl nie ein Kind in der Treib-
haus und par force Schule erzogenes. /
[13]
Nun muß ich mich aber kurz fassen wenn alles was ich
Dir noch schreiben mögte auf dieses Blatt sollte.
Erst danke ich Dir und Deinen lieben Eltern für ihre freund[-]
liche Einladung, Du siehst aus den vorhin Mitgetheilten, daß
es nicht gut gewesen wäre wenn ich in diesen Tagen ab-
wesent war auch will es sich in den nächsten Tagen gar
nicht machen, auch seye Du mein herziges Weib damit
sehr zufrieden. Trennung erzieht, auch mich erzieht sie
ich fühle es, ich weiß es klar und sehe es deutlich wo
und ich hoffe es und ich freue mich Du wirst es finden
hat Dich Gott, wieder glücklich in meine Arme geführt.
Wegen Deiner Abholung konnte ich noch nicht mit Schricke
sprechen da ich noch keinen zweyten Brief von Dir er[-]
halten habe. Nun ich überlasse Dir wegen Zeit und
Ort der Abreise alles Deinem Ermessen
. So innigst
gern wir Dich auch alle wieder hier sähen, so
will ich Dich nichts gegen die Umstände reden, wie
sie vielleicht zu Dir sprechen, gern leisten wir auf
jeden frühern Tag des Wiedersehens Verzicht, wenn er
Dir noch einen Wunsch Deines kindlichen Gemüthes ge[-]
währt. Es ist wahr es thut uns allen leid wenn
wir den Gedanken denken, daß Dich die Umstände
so bald, besonders bey diesem erfreulichen Wetter aus /
[13R]
den Armen Deiner theuern Deinigen rufen. Nun
alles wie Gott und Dein Gemüth will!-
Sprichst Du mit irgend einem Handwerker Deines Va-
ters, so sey doch so gütig zu fragen: ich habe gehört
1. daß die Schornsteine in Berlin jetzt nur 8 Zoll
    breit und in den Mauern und Zwischenwänden
    verbaut würden, wie denn solche Schornsteine
    oder Schlote gereinigt würden?- dann lese ich
    eben auch in einem Brief von Herrn v. Seebach
2. von geruchlosen Abtritten welche in England
    Paris u Berlin jetzt erbaut werden sollen, wie
    mögen die wohl beschaffen seyn?- Noch wirst
    Du Dich erinnern daß im vorigen Winter das
3  Wasser öfters an den Fensterbekleidungen
    und der Wand herunter lief, siehe doch oder
    laß Dir sagen wie die Fensterbekleidungen jetzt
    üblich sind.- Ist es mögllich so lasse Dir den
4  neuen Concertsaal zeigen er soll ja so sehr
    vorzüglich decorirt seyn.- Erkundige Dich
5. doch auch wie jetzt die Plafonds verziert
    werden - Auch erzählen uns ja jetzt die /
[14]
    Zeitungen so viel von einer neuen Art im Norden
    erfundenen und in Wien schon angewandten Stuben
6  Heizung durch erwärmte Luft. Hört man von dieser
    Erfindung auch in Berlin und wird sie mit Nutzen und
    wie angewandt?-
Langt und reicht deine Cassa so weit so bitte ich
7  um eine Karte von Deutschland für 6 Rth.
8  Bringe doch wenns möglich ein Paar Staubkämme mit.
Gestern habe ich auch von den Maurer[n] den Überschlag
zum neuen Gebäude erhalten, darnach könnte
es nun wohl fix und fertig innen und außen
ausgebaut 1600 - 1700 Rth kommen (2 Keller
zuden von 30 Fuß länge 8½ Fuß höhe u 11½ Fuß breit
eingeschlossen) Also mit dem zur Verbindung
noch zu bauenden Anhang gegen 2000 Rth.
Aber es mag sich auch äußerlich noch hart und
schwer entgegen stellen was hilft es, der Bau
muß doch unternommen werden, denn der Herr
Cammerh[err] v. Vitzthum hat mir schon wieder von
2 Knaben aus Weimar gesprochen deren Ein[-]
tritt sehr wahrscheinlich im Sommerhalb noch geschieht /
[14R]
und aus dem Stande des Ganzen zu schließen
so läßt sich mit großer Wahrscheinlichkeit
vermuthen daß sich in Süddeutschland im
Laufe dieses Jahres eine sehr thätige Theilnahme
entwickeln wird[.] Und in Gottes Namen den
sich entwickelnden Zutrauen so viel und weit
es nur möglich ist entgegen zu kommen daß [sc.: das]
erscheint mir als unerläßliche Nothwend[i]gkeit.
Da denkt nun der Mensch freylich so überall
herum hin- und her und so kam mir auch der
Gedanke ob wir, da wir jetzt uns mit Gottes
Hülfe noch auf längere Jahre die Zinsen in Ber-
lin sicher anweisen könnten, ob wir dorther viel-
leicht ein Capital von einigen Tausenden ziehen
könnten. Ganz will mir zwar es nicht gefallen
und ich wünschte bey weitem lieber daß sich alles
hier und durch uns machte, doch vielleicht hörst
Du im Gespräche bey Schmidt oder Blumberg oder
Wilmsen hierfür Günstiges. Nun achtsam das
Seine wo er kann zu fördern darauf soll der Mensch
immer sehn.- Nun Verzeihung für den langen Brief herziges
Weib, laß ihn Dir wenigstens beweis seyn wie gern
ich immer mit Dir lebe. Herzlichste Grüße von uns allen an
alle die verehrten Deinen. Ernestine die Häusliche u Köchin erinnert Küchenkräuter
Saamen. Ein inniges unzerreisliches Band verknüpft Dich und mich. Friedrich.
[Seitenrand 7V]
Für den Bruder weiß ich gar nichts als vielleicht ein einfaches Reißzeugbesteck weil er öfters
unsere Felder <reißt / teißt / mißt>.- Carlmann ist sehr, sehr wohl.- Eben kommt Auguste aus Dollstädt[.]