Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Emilie Fröbel in Keilhau v. 11.7.1823 (Keilhau)


F. an Emilie Fröbel in Keilhau v. 11.7.1823 (Keilhau)
(KN 20,18, Brieforiginal 1 B 8° 2 ½ S.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1:1)

Guten Morgen, liebe theure Emilie!
Freundlichem gutem Morgen Dir am Tage Deines Festes.
Siehe! da steht bittend ein einfaches Blümchen umschlungen vom einfachen Bande Dir auszusprechen die schönsten Wünsche für Dich, verschmähe nicht das Weiß und Grün in welchen sich Dir so ganz die innige Theilnahme an dem Feste Deines Lebens still und innig aussprechen möchte; wohl ist blau der reine, klare Himmel, der verjüngende himmlische Äther und grün die junge Erde die duftende Flur und wohl liebst Du Klare und Reine drum das Blau des Himmels und das Grün der Natur innigst verknüpft im lieblichen Bunde. Was hätte deßhalb mir erwünschter seyn können als Dich am ersten Morgen dieses Deines jungen Jahres durch blau und Grün im innigen Bunde zu begrüßen; allein was des Frühlings Kraft, so innig schön und klar verbindet und das junge Gemüth so lebendig vereint, das /
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wollte in solcher Schöne mir weder der Sommer noch die Kunst verbunden zeigen; doch welches Gemüth den klaren Himmel und die lebendige Natur, grün und blau in innigster Einigung im innigsten Frieden in sich trägt, das Gemüth liebt nothwendig das Reine, liebt die Unschuld liebt das Weiße; drum ist liebliche, reine Tochter weiß die Farbe Deines Namens und Wesens wie die Lilie die Blume und die Linde der Baum Deines Namens und Wesens ist; wo aber weiß und grün lebt da so[ll] auch als unzertrennliche Schwester des Grünen, roth erscheinen, den[n] roth, denn roth [2x] ist die Farbe der reinsten innigsten Freude, darum so grüne Dein ganzes künftiges Leben in frischem immergrünenden Grün, Dein reines klares Gemüth verjünge sich immer wieder wie die lilienweisen Blüthen dieser Pflanze, in Deinem Gemüth trübe sich nie, gehe nie unter der leuchtende Stern der Freude, /
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wie in diesen Blumen nie der rosige Stern schwindet und stille Freude spendend, duftend wie die Lilie und Linde sey Dein ganzes Leben so sey diese Pflanze mit Lilie und Linde innig verschlungen ein Bild ein Symbol Deines ganzen Lebens[.] Dieß ist der schöner und lebendiger empfunde[ne] als durch Worte und Schrift ausgesprochene Wunsch Deines Oheims Friedrich Wilhelm August für Dich innig geliebte Tochter Emilie am Tage Deines Lebensfestes den 11sten July 1823.
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