Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Karoline-Luise Fürstin von Schwarzburg-Rudolstadt in Rudolstadt v. 14.12.1823 (Keilhau)


F. an Karoline-Luise Fürstin von Schwarzburg-Rudolstadt in Rudolstadt v. 14.12.1823 (Keilhau)
(ThStA Rudolstadt, Schloßarchiv D Nr. 9, Bl 18-19, Brieforiginal 1 B 4° 4 S.)

Durchlauchtigste Frau Fürstin und Frau,
Gnädigste Frau Fürstin.

Ewr: Hochfürstlichen Durchlaucht die Fortschritte und den Stand mei-
ner von HöchstIhnen so huldvoll als befördernd unterstützten
Bestrebungen vorzulegen war seit langer Zeit die innigste Forde-
rung meines Herzens; doch war das Ganze ununterbrochen
in einer so stetigen Entwicklung begriffen, daß sich kein fester
sicherer Punkt dafür finden ließ, vielmehr war immer vor-
aus zu sehen, es würden bald noch neue Entwicklungen eintreten,
welche das Ganze und dessen Bestrebungen mehr in ihrer Umfassend- /
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heit zeigen würden. Allein jetzt ist ein solcher Punkt der Ruhe
im Ganzen eingetreten, darum säume ich auch nicht, Ewr
Hochfürstlichen Durchlaucht die fortgesetzte Nachricht meiner
Erziehungsanstalt ehrfurchtsvoll und innigst durchdrungen
von lebendigem Danke für die huldvollste und gnädigste Un-
terstützung Ewr: Hochfürstlichen Durchlaucht, durch welche es
der Anstalt nächst Gottes Seegen gelang, sich bis zu der
Stufe auszubilden, auf welcher sie jetzt steht, vorzulegen.
Die Vielseitigkeit und besonders zu große Vielartigkeit, mit
welcher meine Kraft und Thätigkeit noch immer in Anspruch
genommen ist, hat mir bis jetzt noch nicht erlaubt, Ewr:
Hochfürstlichen Durchlaucht auch die Sachbeweise für das von
mir Ausgesprochene ehrfurchtsvoll vorzulegen, welches ich
immer so sehr wünschte; doch wird es mir eine der schönsten
Zeiten seyn, welche mir dazu Muße geben wird, und ich
ich hoffe, es wird sich mir dazu sicher Gelegenheit geben,
wenn sich das Ganze zu größerer Vollkommenheit, als es
bis jetzt noch geschehen konnte, entwickelt hat, zu welcher die /
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lebendige und vertrauensvolle Theilnahme im gesammten Deutsch-
lande, besonders aber die Wirkung des Ganzen auf den Geist,
das Gemüth und Leben des Kindes und Menschen so sehr auf-
fordert.
Ja, Durchlauchtigste Frau Fürstin und Frau! schon ist der Raum,
den ich anfänglich meinem unmittelbar erziehenden und lehrenden
Wirken bestimmen konnte, nicht mehr hinlänglich, um dem sich
vielseitig aussprechenden Zutrauen entgegen zu kommen zu
können, schon muß ich dazu die Wohnungen meiner Mitnach-
barn in Anspruch nehmen. Unzweydeutig fordert darum dieß
sich fast täglich allgemeiner aussprechende Vertrauen zu meinem
Wirken auf eine weitere Ausbreitung meines unmittelbaren Er-
ziehens und Lehrens und deßhalb die Vermehrung und Vergröße-
rung der Erziehungsgebäude. Zwar sehe ich nun bis jetzt
noch nicht ab, wie ich dieser Forderung entgegen kommen kann,
so drängend sie mir auch entgegen tritt, meine Mittel
sind dazu zu gering; wenn der deutsche Geist und das deut-
sche Gemüth dieses Streben und diesen Zweck nicht allein als /
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die seinigen anerkennt, sondern auch als die seinigen befördert.
Doch bleibt dieß einzig Gottes Führung und Fügung über-
lassen, dem ich auch das Ganze, nur meine Pflicht erfüllend,
ruhig anheim stelle.
Von innigster Dankbarkeit und tiefster Ehrfurcht durch-
drungen beharre ich lebenslang
   durchlauchtigste Frau Fürstin und Frau!
Ewr: Hochfürstlichen Durchlauchtster

unterthänigster
Friedrich Wilhelm August Fröbel.
Keilhau,
den 14en Dezember
1823.