Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine Fröbel in Berlin v. 15.4.1824 (Keilhau)


F. an Henriette Wilhelmine Fröbel in Berlin v. 15.4.1824 (Keilhau)
(BN 445, Bl 15-18, Brieforiginal 2 B 4° 8 S.)

Keilhau den 15en April 1824


Mein theures, liebes, liebes Weib.

Wie sehne ich mich von Dir die freudige Nachricht zu hören,
daß Dich Gott glücklich dem nächsten Ziele Deiner sehn-
suchtsvollen Wünsche, Dich meine liebe Seele heiter
und wohl in die Arme und an die Herzen der liebenden
und geliebten Deinigen geführt hat. Ich hoffe es ver[-]
trauensvoll zu Gott, so wie daß Du alle die theuren
Deinigen nach Umständen ganz wohl und freudig
angetroffen haben wirst. Wir Gott sey Dank sind
auch hier noch alle so wohl als Du uns verlassen
hast nur ist jetzt das Haus ziemlich leer denn
nur Georg, Ernst, Gottlieb, Tony, Carlmann, Gustav,
GustavAdolph, Johann, Theodor, Carl, Wilhelm, Ferdinand,
Eugen, Franz, Elias, Luis sind in diesem Augenblick
noch hier.- Herr W- und Corlnel [sc.: Cornel] sind gestern
abgereist.- Herr >L[angethal] wird nächsten Sonnabend zur
Hochzeit seiner Schwester gehen, welche den 2en Feyertag
ist, wozu auch wir beyde, Du < ? > liebe Frau und ich /
[15R]
eingeladen sind. Julius ist am Mondtag nach
Döllstädt gegangen um Augusten abzuholen ob er
jedoch vor dem Festtage zurück kommt ist noch
unbestimmt. Johann und Gottlieb wollen über die
Feyertage mit einigen andern auf den Wald d.h.
nach Rohrbach und Oberhayn reisen doch ist es noch nicht
so ganz fest bestimmt. Anton u Bernhard sind zu ihren
Verwandten nach Rudolstadt.
Nun wirst Du Dir deutlich sagen können wie es in Deinem
Hause aussieht. Noch so viele sind hier doch ist mir
und uns allen alles so leer ja öde, wie kann es
aber auch anders seyn da Du uns, die waltende Haus[-]
frau überall mangelt obgleich Ernestine ihren
Geschäften wacker und ganz allein vorsteht.
Kartoffeln hat sie durch das wiederkehrende Aner-[-]
bieten der Frau Leutloff in den Keller bekommen[.]
Im Hause läßt sie scheuern, ebenjetzt die Spielstube
und das Musikzimmer. Gestern wurden hier unsere
Zimmer und der S Vorsaal gescheuert.
Midd[end]orff macht die Gärtchen vor dem Hause
in Ordnung ich hoffe einigermaßen zu Deiner Freude /
[16]
wenigstens scheint alles recht klar und bestimmt
geordnet werden zu wollen. Hinter dem Hause
sind die Knaben und Herr S- unter Carl[s] Leitung
beschäftigt ihre Gärtchen in Ordnung zu bringen.
Im untern Hause wird heute Brot gebacken. Morgen
Nachmittag soll die Festbäckerey beginnen.
Ich schreibe Dir dieses alles damit Du als sorgliche
Hausfrau wissest wie es in Deinem Reiche stehe.
Die von Dir für Herrmann gesuchten Strümpfe
haben sich gleich nach Deiner Abreise in dem gro-
ßen Ledernen Reisekoffer gefunden den ich Dir
zur <Wahl> hergestellt hatte.- Nach Hermanns
Mandelkragen [sc.: Mantelkragen] aber habe ich und Middendorff mich
sogleich umgesehen, ich wollte ihn Dir durch einen
Eilboten nachschicken, aber wir haben ihn ohngeachtet
ernstlichen Suchens nicht gefunden. H. M[iddendorff] sagte
auch daß er nur sehr klein sey und ihn [sc.: er] auf der
Reise wenig genützt haben würde. Möge das
Wetter auf Eurer Reise immer besser und schöner
geworden seyn wir haben den 1sten oder 2n Tag nach Eurer
Abreise hier wieder sehr starken Schnee gehabt /
[16R]
und noch jetzt ist der Wind sehr schneidend und
kalt und das Wetter ächt aprilartig.-
Die Frau Ch[arlotte] v[on] A[hlefeld] hat noch nichts von der
Ankunft ihrer beyden Schützlinge gemeldet darum
hoffe ich daß sie vor Deiner Gott gebe glücklichen
Zurückkunft nicht eintreten.
Du wünschtest im Wagen den Stand unserer
jetzigen jährlichen baren Einnahme zu wissen:
mit dem 1ten May betragen sie gerad 4500 Rth,
weil nun aber hiervon auch die Ausgaben auf
die Wirthschaft bestritten werden, so rechne
ich die auch wieder den Ertrag derselben ganz
und ohne Abzug uns zu gute, und das könnte dann doch auch in
einem guten Jahre gegen 500 Rth betragen
so daß also unsere gesammtEinnahme jetzt
gegen 5000 Rth jährlich betragen möchte,
freylich immer noch wenig für ein so großes
Ganze[s], doch müssen wir bedenken, daß das
Ganze nur noch im Beginnen ist, und daß, träte
leider nicht jetzt als unvermeidlich nothwendig /
[17]
wieder der Bau dazwischen, wir jetzt anfangen
könnten uns etwas die noch auf dem Ganzen
ruhenden Lasten zu erleichtern, doch müssen
wir bey dieser Betrachtung nicht vergessen daß
wir dadurch in den Stand gesetzt werden wieder
eine Anzahl von Zöglingen und zwar besonders
solcher Eltern aufnehmen zu können, welche eine
jährliche nicht unbedeutende Summe für dieselbe
nicht zu scheuen haben. So wird ja Gott durch
unsern Fleiß und Sorgfalt und durch seinen
Segen den er auf ihn ruhen läßt uns weiter
und zu dem Ziele helfen was er selbst der lie[-]
bende weise Vater uns vorgesteckt hat.-
Ich bearbeite jetzt wieder eine Fortsetzung der
Nachricht von unserm Wirken, welche besonders
mehr in das Wesen der Unterrichtsgegenstände
eingehen und die nächste halbjährige Nachricht
begleiten soll.- Möge was schon geschehen ist und
noch geschieht sich Deiner Zufriedenheit erfreuen /
[17R]
mehr wenn Du zurück kehrst doch habe ich
schon einige Abende wacker daran gearbeit[et.]
Du weißt daß die Tage mir wenig Mußen
gönnen besonders wo ich wünschte das
Gärten u Hof und die Gebiete der Kinder
im Hause alles recht in Ordnung käme.
Gestern kam Oskar und fragte mich
ob ich Dir bald schriebe seine Mutter hatte
eine Bitte an Dich ihr etwas zu besorgen.
Ich erwarte nun stündlich den Auftrag oder
Brief und bitte Dich den Wunsch derselben
ja möglichst zu erfüllen wenn es Dir auch einige
Aufopferung kosten sollte. Auch ich komme
noch mit einer Bitte an Dich; ich hatte
etwas auf dem Herzen was ich mir von
Dir mitgebracht wünschte und konnte mich
gar bey Deiner Abreise nicht darauf be-
sinnen und doch schien es mir immer im Gedächtniß /
zu liegen. Du hast vielleicht früher mal
Bauers eisernen Ring mit C bezeichnet
gesehen, wenigstens erinnerst Du Dich ge-
wiß Eugens Ring mit einer Sphinx.
Einen solcher eiserner Ring am liebsten
mit FF WF oder auch nur mit F
oder mit einer Sphinx würde mir Freude
machen; seine Weite kannst Du über
den Deinen bestimmen und dann wäre
es gut wenn er etwas enger wäre.
Nimm mir diese Bitte nicht übel ich müßte
aber diesen Ring gern zu meinen [sc.: meinem] persönl[ichen] Siegel[-]
ring haben, weil mein Petschaft [= Siegelstempel] jetzt das
allgemeine der Anstalt geworden ist und
ich möchte auch diesen Ring gern von
Dir haben. Gäbe es solche Ringe mit einer
Lilie so wäre es mir wegen der christ-
lichen
Bedeutung derselben noch lieber. /
[18R]
weil ich dann mein Streben nach reiner
Darstellung der Religion Jesu darinne sym-
bolisirt sähe.
Alles was mich umgiebt L. M. Sch. u.s.w.
und die ich frage ob sie etwas an Dich
zu bestellen haben tragen mir die herzlich-
sten Grüße auf.
Grüße herzliche und hochachtungsvolle Grüße
an alle die lieben Deinigen. Erhalte ich
auch bald einige Zeilen von Dir?- Wie
sehne ich mich darnach und nach der Nach-
richt daß Du wohl angekommen bist und
alles wohl angetroffen hast. Mit der
innigsten herzlichsten Umarmung und einem
treuen Kuß trenne ich mich auch jetzt
bis zum baldigen freudigen Wiedersehen
von Dir.- Lebe wohl theures Weib
liebe Gattin, lebe recht wohl Gott sey mit Dir
und uns. Ich bin im tiefstem [sc.: tiefsten] Herze[n] Dein treuer Gatte
Friedrich Wilhelm.
[17R]

[Nachschrift am Rand von 17R/18R; möglicherweise Abfolge auch 18R/17R:]
Eben schickt mir Oskar die Wünsche seiner Mutter. Leid thut es mir daß es lauter
so höchst unbedeutende Sachen betrifft welche Du aber gerad etwas in Verlegenheit setzen und
wegen den Preisen brauchte es Dich nun nicht in Verlegen-
heit zu setzen wenn nur nicht wegen der Auslagen. Am besten Du
läßt Dir über jedes eine kleine Nota geben. Es ist doch immer dieselbe Fr. v. <A. / M.> /
[18R]
Ernestine trägt mir ganz besonders auf Dich recht, recht innig herzlich zu grüßen.
Unsere Zeitungen machen uns sehr bange wegen den natürlichen Blattern in Berlin. Wie steht es denn damit?-