Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine Fröbel in Berlin v. 18.4.1824 (Keilhau)


F. an Henriette Wilhelmine Fröbel in Berlin v. 18.4.1824 (Keilhau)
(BN 445, Bl 19-20, Brieforiginal 1 B 4° 4 S.)

Keilhau Sonntag den 18' Apr 1824.


Mein herziges liebes theures Weib.

Ich sitze und rechne daß es doch hart ist wenn
mein geliebtes Weib in 8 ganzen Tagen keine
Nachricht von Ihrem [sc.: ihrem] Hauswesen bekommen soll
darum flugs doch ein Paar Wörtchen davon.
Heute frühe am Morgen wie wir männliche
Welt noch alle in Federn lagen und Ernestine
eben das leichte Morgengewandt über sich geworfen
hatte rollte rasselnd ein Wagen den Hof herauf
es war Herr v. Vitzthum und Herr General
von Seebach diese waren auch kaum aus
den [sc.: dem] Wagen als es gleich nach den Schlafkammern
womöglich ganz unbemerkt ging um selbst ihre
Söhne zu wecken. Da begann denn nun gleich
am lieben ersten Fest ein etwas zerstörter
Tag. Herr General v. Seebach ist mit seinem
Sohn und mit Luis Blumberg nach Kochberg /
[19R]
wieder abgereist. GustavAdolph u Luis werden
bis Mittwoch zurück kommen. Herr Cammerh[err]
v. Vitzthum ist hier geblieben und wird es
bis morgen bleiben, da das böse Auge
Carlmanns ihn [sc.: ihm] nicht erlaubte wie er es vor[-]
hatte seine Kinder mit nach Kochberg zu
nehmen. So ist uns die friedliche Stille
des Osterfestes gestört auf die wir uns
so sehr gefreut hatten.-
Unser treuer Schweizer hat uns aus Gotha
einige freundliche Zeilen geschrieben, da
Du dessen gewiß auch viel gedenkst
so habe ich M[iddendorff] gebeten Dir solche abzu[-]
schreiben.
Von Her[r]n Fillion habe ich einen Brief
geschriebe bekommen, er wünscht daß sein
Sohn jeden ersten des Monats schreibe. /
[20]
Grüße Herrn u Fr: Fillion u empfi[e]hl
mich und sage daß ich ja auch Du Eugen
oft daran erinnert, daß er dann aber
immer gesagt ich muß ja nun auch bald
von Vater u Mutter Antwort haben,
diese will ich erst abwarten dann will
ich schreiben.
Herr von Seebach wünschte Eugen heute
gern zur Gesellschaft seines Sohnes mit
zu nehmen, da fand sich daß ihm auch alles
und jedes Kleidungsstück was gut und
tauglich war, bis zur Unmöglichkeit es
anzuziehen zu klein geworden war,
sage dieß doch seinen Eltern er muß
nothwendig wenigstens 2 mal ganz neue
gekleidet
werden. /
[20R]
Heute erfahre ich durch Herrn Cammerh[err]
v. Vitzthum daß die beyden Schützlinge der
Frau v. Ahlefeldzwey kleine Lübecker
sind.
Im Hause steht Gott sey Dank alles
recht gut; nur Ernestine weiß nicht
wie sie ihren Gast morgen Mittag bewirthen
soll.- Herr Langethal ist gestern
nach Erfurth zur Hochzeit - Auch Franz
ist nach Hause - Julius noch nicht zurück
so ist alles recht leer.
Grüße aus dem Innernesten [sc.: Innersten] meines
Herzen[s] an Dich mein innig geliebtes Weib[.]
Kuß u Gruß drängten sich während den [sc.: dem]
Schreiben dieses Briefes immer hervor, empfinde
sie aus jedem geschriebenen Worte. Herzliche
Grüße an alle Deine theuren Verwandten u Eltern[.]
Immer Dein treuer Gatte Friedrich Wilhelm