Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Emilie Fröbel in Keilhau v. (zum) 11.7.1824 (Keilhau)


F. an Emilie Fröbel in Keilhau v. (zum) 11.7.1824 (Keilhau)
(KN 21,1, Brieforiginal 1 B 8° 2 S.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1:1)

Zum
eilften July
1824./
[1R]
[leer]
[2]
Guten Morgen, herzinnigen guten Morgen,
Friede und Freude und Gottes Seegen Dir Emilie
am Tage Deines Festes!
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Worte sind es zwar, stille Worte sind es die hier Dich stumm begrüßen aber doch ruhen in ihnen Töne, innige laute Töne des Herzens und Gemüthes an Dich und für Dich; es sind Wünsche entstiegen dem Gemüthe an Deinem Lebensfeste um wiederzuhallen [sc.: widerzuhallen] in Deinem Gemüthe und um sich zu vereinen mit dem Besten und Höchsten für Dein Wohl. Und Töne sind es, unter allem was die Erde giebt sind sind [2x] es nur einzig Töne die das Geistigste mit dem Geistigsten, die das Höchste mit dem Höchsten, die das Gemüth, die Seele des Menschen mit Gott und dem Göttlichen am innigsten verknüpfen; Töne sind es wodurch das Geistigste zum Geistigsten, wodurch Gott selbst vernehmlich und klar zum Menschen spricht.
Kein höherer Wunsch kann aber am Tage Deines Festes mein Herz mein Gemüth für Dich erfüllen als daß Dein Geist und Sinn, Dein Herz und Gemüth sich immer inniger /
[2R]
und fester mit dem Besten und Höchsten verknüpfen und Deine Seele sich immer inniger einen möge mit Gott und dem Göttlichen, Dein Innerstes immer bestimmter die Töne und Sprache dieser vernehmen möge; darum bittet Dich meine Liebe und Theilnahme daß Du Emilie! diese Gabe freundlich und gern Dein Eigenthum seyn lassest, damit Dein Leben und Gemüth die in ihr ruhenden Töne zu immer höherer immer innigerer Einigung Deines Gemüthes und Sinnes hervorrufen mögen, so würde der schönste Wunsch erfüllt werden welcher heute für Dich in meiner Seele ruht.
Heil und Seegen bringe dieser Tag diesem Deinem neuen Lebensjahre, Deinem ganzen folgenden Leben!
Fr. W. A. Fr.

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