Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Maria Elisabeth Hoffmeister u. <die Tante> Hanige in Berlin v. <zw. Mitte Febr./nach 11.2. u. Mitte März> 1825 (Keilhau)


F. an Maria Elisabeth Hoffmeister u. <die Tante> Hanige in Berlin v. <zw. Mitte Febr./nach 11.2. u. Mitte März> 1825 (Keilhau)
(BN 486, Bl 19-22, undat. Entwurf 2 B 8° 6 S. Datierung.: Es handelt sich um eine Art Beileidschreiben, der Tod v. Carl Wilhelm Hoffmeister am 11.2.1825 ist noch nicht lange her.- Am 23.3.1825 ist Wilhelmine Fröbel in Berlin; diese Situation scheint noch nicht vorausgesetzt. - Adressat: In der Anrede nur an die Schwiegermutter gerichtet, auf 21V u. 22V wird aber auch mehrfach die Tante angeredet.)

Innig geliebte theure Mutter.

Ohne Mutter wuchs ich herauf u. Mutter-
liebe pflegte mich nur in den ersten Monaten
meines Lebens den[n] frühe <reif> starb sie
mir noch zählte ich nicht ein Jahr, aber
durch mein ganzes Leben von den Augenblicken
an da ich <nun> empfand was Mutter haben heißt
empfand, erheiterte mich der Gedanke an
meine Mutter und immer schwebt mir ihre
liebe liebe Gestalt vor immer wallt mein Herz mit
inniger Liebe ihr entgegen und ob sie mich frey
nur wenige Monate pflegte, so ist es mir
doch als verdanke ich alles Gute was nur etwa
an mir ist ihr und dieser Plege. Nun
denken Sie wie mir zu Muthe seyn mußte
wie mir Gott durch mein liebes Weib
auch eine liebe Mutter zuführte und mir
dem verwaiseten zugl[eich] wieder Eltern brachte
u. gab ? ! - Sehen Sie von diesen Gesinnungen
war mein Herz immer voll nicht allein /
[19R]
da Ihre aller<liebste> Liebe mir erlaubte
mit mein[em] lieben Weibe Ihrer geliebten
Tochter einige Wochen in Ihrer Nähe zu
leben - sondern diese <Gesinnungen> erfül[l]ten
mich auch immer ganz wenn ich an Sie meine
theu[r]en Eltern schrieb aber so sehr sie
immer sich hervorzudrängen strebten so sehr
drängte das Leben Sie [sc: sie] zurück; aber
innigst freute ich mich das ganze Jahr hindurch der Zeit wo ich
in wenigen Wochen Sie wieder eine
Zeit mit meinen lieben Eltern besonders
mein[em] theuren Vater zu leben hoffte erwartete
wie hoffte ich da daß sich alles da so
vieles, vieles lösen würde, wie hoffte
ich daß dann der liebe Vater <in mir>
nach jeder Seite hin einen achtbaren
treuen kindlichen Sohn, einen seiner würdigen
Sohn erkennen würde, wie innigst freut[e]
mich der Gedanke wie <hohe> Freude dieses /
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meinem lieben Weibe bringen würde.
Doch nun ist alles anders - doch wie
wir denken u glauben, erkennt nun der freyere
Geist auch freyer den Geist und so
stehe ich jetzt vielleicht schon so er[-]
kannt von ihm als das Leben mich
ihm nie hatte vorführen hinstellen können
und so hat er wohl ein[en] Grad der
Seligkeit erreicht die wir kaum ahn[en]
u. die das Leben ihm nicht geben konnte
und die er doch seinem innersten Wesen
nach so sehr verdiente. Nun was
bleibt uns mehr zu sagen übrig als
daß Gott ihm reichlich geben möge
was die Seele den Geist im Jenseits
erfreuen kann.- Aber liebe
theure Mutter wir leben noch
nehmen Sie als geringen Ersatz
für ihren [sc: Ihren] herben Verlust mich /
[20R]
als Ihren Sohn auf u. an. Liebe Mutter
mein Herz ist treu u. kindlich gesind[t]
und ich werde in Ihnen zwiefach die
Mutter lieben u. <ehren> ich werde in Ihnen
mir die Mutter geschenkt sehen die
ich nicht kannte u. nannte von deren
Herzensgüte u. Einfachheit mir aber so viel gesagt
wurde daß ich sie wohl werde fühlen
daß durch Sie mir <das> Bild <von> ihr entgegen
trete. In diesem liebe Mutter ist
alles gesagt was mir auszusprechen möglich
ist; sobald als es mir nur die Zeit
irgend erlaubt werde ich Ihnen mit
Ihrer zartliebenden Tochter in Ihre Arme
eilen, möge diese Versicherung Ihnen einige
Beruhigung bringen; ach! möchte es dann
möglich seyn daß Sie Ihren Vorsatz fest
hielten und uns später zurück begleiteten
o! wie wollte ich in Ihnen die Mutter lieben u. /
[21]
pflegen, wie sollte mir nun ein
doppelt neues Leben aufgehen
dadurch daß das Herz meiner Wilhelmine
u. mein Gemüth gefunden was es so sehr
bedurfte ein mütterliches Herz an u.
mit dem es zu trauern u. zu weinen u.
mit demselben sich zu freuen.
So lasse Gott aus wieder enger geschlossenem
Kreis uns hohen Trost u. Ihnen einigen
Friede[n] hervorwachsen. Bleiben Sie
Ihrem Vorsatz treu, bald mündlich oder
schriftlich mehr, auch der herzigen
lieben Tante möchte ich Verwandtes
und gleich Liebes aussprechen aber
die Zeit erlaubt es mir nicht, bitten
Sie solche ja deßhalb nicht mit mir
zu zürnen. Nicht wahr liebe
herzens gute Tante - Sie zürnen nicht? /
[21R]
[leer] /
[22]
thun Sie es nicht denn die Pflichten
meines Berufes und das Sehnen
der Elterlichen Herzen zu befriedigen
was lang entbehrte Nachricht von
den Kindern begehrte, dies hielt
mich ab. Auch Worte thun
es ja nicht, und in Worten bin
ich arm weil ich es gern mit
der Fülle meines Herzens seyn
möchte was ich bin[.]-
Liebe theure Mutter u. Tante leben Sie
wohl Gott stärke Sie, aber geben
Sie uns ja durch Malchen recht bald
Nachricht wie es mit Ihrer aller
Gesundheit steht; recht bald ich
bitte, es bittet Ihr treuer
kindlich besorgter Sohn u. Neffe /

[22R]
[leer]