Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine Fröbel in Berlin v. 3.4.1825 (Keilhau)


F. an Henriette Wilhelmine Fröbel in Berlin v. 3.4.1825 (Keilhau)
(BN 445, Bl 29-31, Brieforiginal 1 B 8° 4 S.)

Keilhau am 1sten Osterfeste 1825


Gott zum Gruß meine liebe ersehnte Frau.

Mit der gestrigen Post erwartete ich ganz bestimmt einen
Brief von Dir; wie kam es daß Du mir die große Freude
Nachricht von Dir zu bekommen nicht herbeyführtest? - Nun
heut in 14 Tage[n] reise ich so Gott giebt zu Dir um Dich für
immer wieder zu mir zu holen. Als ich Dir das letztere mal
schrieb hoffte ich Dir auch von Meister Bloss Farbeproben
zu überschicken allein leider wartete ich umsonst. Jetzt erst
erhalte ich solche und nun eile ich Dir liebe Frau dieselben
zu überschicken. Zu dem Saale hat er kein Probeblatt
beygelegt, weil die Zimmer die wir schon von der bestimmten
gewählten Farbe besitzen bestimmend genug sind. -
[*Zeichung* eines
  Gebäudes mit der Überschrift:] Biebers Garten
[außerdem Beschriftung der Räume:] a, b, c, d; Unser Wohnhaus
a. In das Verbindungs Zimmer zwischen dem Wohnhause und dem
     Saalegebäude a hast Du ein gelbgrau ähnlich Middendorffs Schlafzimmer
     bestimmt. Meister B. Bringt dazu die Probe Buchstabe a
b. In das Wohnzimmerchen nächst dem Wohnhause b. hatten
     wir blau gewählt. Der Meister bringt die Prob[e] Buchstab[e] b
     dazu; ich fürchte daß Dir solche zu dunkel ist; willst Du
     dagegen ein blau wie Deine Wohnstube oder die Spiel[-]
     stube ist, so sey nur so gütig zu bestimmen.
c. In das sogenannte Gartenstübchen c hast Du ein Grau ge-
     wählt; der Meister bringt dafür die Probe Buchstab[e] c /
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der Meister bringt dafür die Probe Buchstab[e] c.
d. In das daranstossende hintere Wohnstübchen d hatten
     wir hellroth bestimmt der Meister bringt dafür
     die Probe Buchstab[e] d.
e. In das Mittelzimmer der Mansarde hast Du leingrau
     gewählt der Meister bringt dafür die Probe Buchst.
     e.
f. für das Zimmerchen nächst dem Hause hast Du gelb
     gewählt; der Meister bringt dazu die Probe Buchst. f.
g. für das Zimmerchen nächst dem Colm hast Du graugrün
     bestimmt; der Meister bringt die Probe Buchst. f. [sc.: g]
Ein helleres roth legt er noch besonders zu Deiner
Wahl bey.
Sey nun so gütig herzens Weib wo möglich mit
umgehender [Post] Deine genaueren Bestimmungen uns zu
schreiben, entweder die Farben ganz zu verwerfen
und andere zu wählen, oder auf der Rückseite
die Abweichung der Farbe wie Du solche wünschest
zu bestimmen. Fändest Du bey einem Tapetenhändler
Farben die Dir recht gefielen so wäre wohl das
zweckmäßigste uns solche zu überschicken.
Auch wegen der Wahl der Borden bin ich etwas
verlegen. Die hier angegebenen sollen blos einige
Gedanken andeuten und [es] bleibt das Weitere Dir
ganz überlassen. Besonders fragt Mstr. [sc.: Meister] B.
ob Du die Borden auf demselben Grund der /
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Wand wie bey Buchstab[e] a oder auf einem andern
zweyten Grund wie die anderen Proben sind, mehr liebst.
Ich bin mit jeder Deiner Bestimmungen welche und wie
sie auch sey zum voraus herzlich einverstanden.
Nur sey so gütig und schicke uns wo mögl. mit umgeh-
ender Post Antwort; doch schadet es auch so viel
nicht wenn auch Deine Antwort nach meiner Ab-
reise ankommt dadurch daß ich Dir heut die Proben
schicke sind immer 14 Tage Zeit gewonnen und Meister
Bloss wird alles nach Deinem Worte gewiß auf
das Beste besorgen.
Nun noch eine Frage: Sind wir nicht, Wilhelmine
übereingekommen und war es nicht Dein ausdrück-
licher Wunsch daß in das sogenannte Gartenstüb-
chen
mit dem Ausgang nach vorne kein Ofen sollte?
Ich glaube bestimmt so war es, nur Herr Middendorff
macht mich wieder etwas irre.
Was hat es denn mit den weißen Taschentüchern
mit rothen Käntchen die in Deinem Pappkörbchen
liegen vor [sc.: für] eine Bewandniß, gehören solche nach
Berlin? - vielleicht an Eugen? - wenn es wäre
so schreibe es mir; ich habe leider im vorigen
Briefe vergessen bey Dir deßhalb anzufragen[.]
Wir sind Gott sey Dank gesund und wünschen sehnlichst
dasselbe von Dir und alle den Dich umgebenden Theuren die ich
herzlichst grüße, zu hören. Lebe recht wohl und denke
daß mit Sehnsucht zu Dir und an Dein Herz eilt Dein
treuer liebender Gatte
Friedrich. /

[30R]
[leer]/
[31]
[*Zeichnung* des Gutes mit Gebäuden mit den
  Beschriftungen:]
Grundriß
meines Gehöftes.
Mittagsseite.
Hamels Guth.
(:Es scheint nicht unmöglich zu seyn diesen Hofraum, dessen Besitzer in einem fremden Dorfe
wohnt, früher oder später zu den meinigen hinzu kaufen zu können:)
Gemeinde- oder Dorfweg
Biebers Guth
Hänolds Guth
Dorf.
Einfuhr
Erklärungen.
ABB'A'A Hof-
raum welchen mir
meinen Schwägerin früh-
er käuflich überlassen,
und auf welchem ich
im vorigen Sommer
das Wohnhaus I
zu bauen begonnen
habe. Dieß ist derje-
nige Hofraum von wel-
chem ich im vorigen Brie-
fe redete.
A'B'CDA' Hof- und
Gartenraum, welcher
zu dem mir von meiner
Schwägerin jetzt ver-
kauften Gütchen ge-
hört
1. Wohnhaus
26 Fuß breit
40 Fuß lang.
2. Scheuer u. Stall
30 Fuß breit
42 Fuß lang.
3. Hausgarten
4. Ställe für
Schweine- und
Federvieh.
Ganze Länge des Hofes von a bis b 125 Schritte
Breite desselben in AB 34 Schritte
Breite desselben in cd 24 Schritte
Das Wohnhaus I ist 6 rheinische Fuß lang und 30 rheinische Fuß breit.