Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 21.4.1825 (Berlin)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 21.4.1825 (Berlin)
(BN 724, Bl 1-3, Brieforiginal 1 B 4° 4 S. + 1 Bl 8° 1 S.)

Berlin Keilhau den 21sten April 1825.


Gott zum Gruß liebe Freunde und Brüder.

Gestern Abend um 2 Stunden früher als voriges mal, also schon
um ½ 7 Uhr sind wir Gott sey Dank glücklich hier angekommen,
weil wir tags vorher von Halle bis <Treuenpritzen> gefahren
waren; wegen dieser etwas großen Tagereise sind wir nur
1 Stunde bey Barop gewesen; wir drafen ihn sehr gesund
und er erfrischte uns mit gutem Thee. Mit uns zurückkommen
wird er auf jeden Fall ob er aber vorher hieher reisen
oder ob wir ihn in Wittenberg abholen werden ist noch un-
bestimmt. Mein trautes Weib unsere liebe Hausfrau, draf
ich ganz gesund und obgleich entfernt von ihrem Hause <und Lieben>
doch für dieselben sorgsam beschäft[igt], indem sie da sie uns
erst nach einigen Stunden erwartet hatte noch ganz in
Federn stak um Bette für ihr Hauswesen in Keilhau her-
zustellen. Innigst dankte ich Gott mein liebes Weib so
wohl und freudig zu finden. Auch meine lieben Angehörigen
Mutter und Tante sind ganz wohl, haben aber ihren Gedanken
in diesem Jahre ihre Kinder in Keilhau zu besuchen auszuführen, ganz auf- /
[1R]
gegeben, und so werden nur ich, die Frau, Ernestine, Marie,
Luis, Hermann und wie es Vorsatz ist Barop die Reisege-
sellschaft ausmachen. Unsere Abreise von Berlin ist auf
den Sonntag über 14 Tage das ist den 8n April festgesetzt; könnten
wir noch früher abgehen so würde es mich sehr freuen; doch
werde ich es wenigstens so einzurichten suchen daß wir am Himmels-
fahrtsfeste Mittag in Keilhau ankommen.
Nun zu häuslichen Geschäften. Auf der Reise habe ich gesehen daß
alle Pappeln immer stark beschnitten waren ehe sie gepflanzt worden
sind; da dieß aber sehr nackt und kahl aussieht, so bitte ich die
Pappeln am Kolm [sc.: Nebenform von Kulm = runde Bergkuppe] besonders bey eintretender trockner Witterung
stark begießen zu lassen.
Für Meister Bloch sende ich die versprochene Borde, sie soll
in das dem Durchgangszimmer (rehfarbig) Buchstabe a aufgeklebt
werden und zwar so wohl oben als Borde, als auch über
dem Panel (:Fuß) und um die Thürbekleidungen. Es wird in den
schönsten Zimmern so angewandt und es nimmt sich sehr schön aus.
- Das Panel mit dem blau und grauen Marmor soll in das
blaue Zimmer als Buchstabe b. als Fuß aufgeklebt werden; weil
aber wohl von der Tapete etwas zu wenig ist, so ist es am
besten wenn die Breite in Zwey Hälften geschnitten, also /
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zur Höhe des Panels die Halbe Breite des Stückes ge-
nommen wird, auch wirden überhaupt das Graue in
dem Fuß oder Panel nicht höher gemacht, als ich es hier
bezeichne [:]
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oder höchstens wie die Höhe und Breit[e] dieses Papieres. Herr
Bloch wird dieß schon am zweckmäßigsten einrichten, sollte
der Fuß von dem Papier zu schmal werden, so kann er
durch einen dunkeln grauen Strich unten, erhöhet werden.
Die Borde in dem Saale soll werden wie die beykommende
Probe, nur der Grund, wie auch bemerkt, dunkel Olivengrün,
das Panel, graugrün wie die stärksten Schattenstriche in
den Blättern der Borde.
In das lichtgrüne Zimmer (c) ist die Borde schon bestimmt.
In das Zimmer dahinter in das lichtrothe Zimmer Buchstab[e] d
soll auch die mit d bezeichnete Borde nur statt in Grün
ebenso in Grau ausgearbeitet.
An die oberen Zimmer in der Mansarde wird es [sc.: er = Bloch]
zwar wohl vor unserer Ankunft nicht kommen,
allein ich lege hier doch einige Borden wie solche be-
liebt werden bey. Das die Mahlerey den Druck nicht /
[2R]
erreichen kann und wird, wissen wir, verlangen
es auch nicht
, nur glauben wir nur daß es Herrn
Bloch um so lieber wäre, je bestimmter wir unserm [sc.: unsern]
Wunsch aussprächen.
Die übrigen Restchen und Stückchen Tapete legte ich bey
weil ich glaubte daß es Herrn Bloch wenn auch
erst für meinen Gebrauch doch sonst lieb seyn könnte.
Die Frau erinnert noch daß das Anstreichen im Hause ja
nach Möglichkeit gefördert werde, damit sich der Geruch
möglichst verziehen möge.
M[ei]st[e]r Groß soll die neuen Tische welche für den
Eßsaal bestimmt sind und er schon fertig hat, sogleich
zum Anstreichen in Arbeit nehmen; sie können in Blan-
kenburg grundirt werden. Sie sollen ein schönes braun
ähnlich wie unsere Eßtische bekommen, die Farbe fein
gerieben und dann mit solchen glänzend machenden Eiweiß
wie der von Rudolstadt angestrichen werden. M[ei]st[e]r
Groß soll nur das Metzgerartige rothbraun verwen-
den. Die neu angekommenen Speiseschränke 2 Unterschränke, 2 Oberschränke und 1 Tafel /
[3]
Die Anstreicher und Mahler sollen
ja die Diehlen schonen und Bre-
ter oder Mattenstücke in die
Stuben legen damit die Diehlen
geschont werden.- Wenn es
schon [sc.: schön ist] und die Sonne heiß scheint so
sollen die Tische häufig in die
Sonne und das Freye gesetzt werden.
Wir grüßen Euch alle herzlich
Dich lieber treuer Bruder und
Dein theures liebes sorgsames
Weib besonders. Ich grüße
dich Albertine u Emilien, Elisen u Pauline.
Euch alle Ihr lieben Söhne Zöglinge u
Knaben grüße ich und bitte Euch an[-]
ständig u sittig in Wort That u Gedanken
immer mehr zu werden und empfehle Euch
Gottes leitender Vaterhand. Fröbel