Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Auguste Müller in Döllstedt v. <Anfang / Mitte/nach 11.>2. 1825 (Keilhau)


F. an Auguste Müller in Döllstedt v. <Anfang / Mitte/nach 11.>2. 1825 (Keilhau)
(BN 610, Bl 1, undat. Entwurf 1 Bl fol 1 S. Dat.: Der Tod von Carl Wilhelm Hoffmeister wird vorausgesetzt und dürfte noch nicht allzuweit zurückliegen. Briefliste Nr.291 dat. irrig "1826/1827". - 1R enthält irrelevante rechnerische Notizen [Handwerkerrechnungen].)

Durch mein ganzes Leben durch alles mein Empfinden Denken u Thun zeigt sich neml. immer die Überzeugung hindurch
<und daß> Alles wahre sich finden u. erkennen geht zwar vom Gemüthe aus, allein sollen
aus demselben (aus diesem sich finden) <weiße> geöffnete schöne duftende Blüthen u. reife <roten> erhöhende Früchte
hervorgehen, so muß der Mensch sich selbst u. sein Gemüthe, er muß das Gemüth anderer
er muß sein u. des Anderen Streben zu erkennen u. sich zur Einsicht u. Bewußtseyn erheben
streben sich bemühen. In diesem meinen fast muß ich glauben ganz eigenthüml. persönlichen Streben <mir> den Menschen immer über sich selbst u sein Inneres u über alle seine menschl.
Verhältniße und das Wesen derselben zum klaren Bewußtseyn zu bringen mag nun wohl gar manches auch meiner
eigenthümlichen Äußerungen seynen [sc.: ihren] Grund haben u. in seiner [sc.: ihrer] Abgerissenheit noch eigenthümlicher u.
sonderbarer erscheinen, allein in meinem Inner[n] liegt es nur[:] als die Überzeugung als wenn alle
Menschen nur dieses Streben haben, alle, sich selbst leben u andere echt liebend, u dieses Streben
mit mir theilen könnten, und so dünkt es mich wohl als könnte ich auch von Niemandem
darinne mißverstanden werden, allein die Erfahrung will mir darin nicht immer beystimmen.
Dieß zu einer kleinen vorläufigen Erklärung dessen was Louise <Scherz> oder Ernst vielleicht
in dieser Beziehung äußern könnte[n].
Sehr gern hätte gäbe ich <Fried[ri]ch> von, uns allen sehr Liebe Auguste gern diesem Brief zur Begleitung auch einen kleinen
Beweis unseres regen Andenkens an Dich mit gegen allein ein
was ich auch wählen wollte nichts will tauglich sein
<die, die> ich beylegen wollte, da sagte Deine obere Base, dieß hättest Du schon. Ein Arbeitskästchen hätte
ich gewählt allein auch dieß sagte mir Louise bedürftest Du nicht und nun weiß ich unter
dem was mir jetzt zur Wahl zu Gebote steht wirklich nichts mehr für Dich
da fällt mein Sinn auf ein kleines Büchelchen, es trägt die Farbe der Zuneigung u.
Vergiß mein nicht nennt es sich, wird wie das äußere wohl anziehen so auch
sein Inneres befriedigen, Dich befriedigen?- Mich hat mehr noch als das Äußere
sein Inneres befriediget, darum kam es zu mir und blieb bey mir, denn
von meiner frühesten Jugend an haben einzel[ne] Wahrheiten u. kurze Aus[-]
sprüche über das dem Gemüthe u. Geiste des Menschen Wichtigste am meisten
zu meiner Entwicklung u. zur Ausbildung meines Wesens beygetragen und
noch immer finde ich dieß bey einfachen gemüthlichen Menschen bestätigt.
Mögten durch dieses kleine Buch diese u. jene Wahrheit dem [sc.: des] Herzens u.
Gemüthes Dir in noch höherer Klarheit entgegentreten, möchtest Du
in dem u. jenem Vortrefflichen was darinne ausgesprochen das Bild
Bild sehen Deines eigenen Strebens finden, so würde es in seiner Kleinheit u. Unbedeuten[-]
heit zu dem werden was ich wünsche, ein Mittel zu einem im gleichen Streben bedingten lebendigern u. festern
inneren geistigen Bande.
Deine um den unerwarteten Verlust Ihres [sc.: ihres] innig geliebten Vaters tief u. schmerzl.
trauernde Base grüßt Dich auf das liebevollste u mütterlichste; so wie Sie [sc.: sie] u. ich im
Vereine Deinen lieben geschätzten Vater. Im Laufe
künftigen Frühjahrs oder Sommers ganz wie es Euch sämtlich gefällig hoffen
wir Dich und <Deinen Ernst> [*Papier umgeknickt*] vielleicht <Deinen / auch den> lieben Vater bey uns zu seh vielleicht mit Malchen
[, die] wir mit gleicher Liebe grüßen bey uns zu sehen.
Lebe wohl u bleibe uns und auch mir [mit] Liebe u Herzlichkeit zugethan. <Friedr.>