Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 9.10.1825 (Keilhau)


F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 9.10.1825 (Keilhau)
(KN 21,15, Abschrift 1 B 4° 3 S., mglw. von Barops oder Middendorffs Hand)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Abschrift.

Wohlgeborner Herr,
Hochverehrter Herr Professor,

Die Festigkeit und Treue, mit welcher Sie unermüdet zur Ausführung und Vollendung des in der Reformationsjubelzeit begonnenen Werkes der Erziehung und höhern Ausbildung des Georg und Ernst Luther zu einem lebendigen Dank- und Denkmal Dr Luthers begründend und befördernd wirkten, so wie Ihre mir mündlich ausgesprochenen sich immer gleichen Gesinnungen machen uns, mich und meine Freunde so frey, Sie um Ihre gütige Vermittelung zur Nachzahlung der im Jahre 1820 bey der Universität in Berlin unterzeichneten und noch nicht abgetragenen Beyträge ergebenst zu bitten, indem nach der beyliegenden Abschußrechnung der Hauptcasse zu Rudolstadt unserer Erziehungsanstalt noch 732 Thaler als Erziehungs- und Gesammtunterhaltsgelder zu gute kommen.
Wir hoffen dazu den Weg gewählt zu haben, welchen Ihre gütige Theilnahme selbst für den zweckmäßigsten hielt, nämlich jeden Einzelnen der Herrn Unterzeichneten mit Beylage eines Abdruckes des im allgemeinen Anzeiger der Deutschen erschienenen Rechnungsabschlußes der Hauptcasse und des letzten Beyträge-Verzeichnisses zur Nachbezahlung aufzufordern. In welcher Form dieses geschehen ist, mögen Sie selbst gütigst aus den Anlagen 1. 2 und 3 ersehen. Möchte Ihrem Ermessen die gewählte Form nicht entgegen seyn.
Es blieben aber dabey zwey Schwierigkeiten zu heben, die wir ohne ganz besondere gütige und freundschaftliche Vermittelung nicht zu beseitigen vermochten: einmal waren uns die genauen und bestimmten Addressen der meisten der Herren Unterzeichner nicht bekannt und zweytens /
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erschien es mehrseitig nötig denselben einen Punkt in Berlin nahmhaft zu machen, an den die genannten Herren, im Fall sie die unterzeichneten Beyträge nachzuzahlen sich verpflichtet hielten und geneigt wären, solche mit vollem Vertrauen auszahlen könnten. So sehr es nun auch uns und besonders mir leid thut und that, uns in dieser doppelten Beziehung an Sie, verehrtester Herr Professor, zu wenden; so blieb uns dazu, wenn wir einmal uns an jeden der Herren Unterzeichner zu wenden für das rathsamste hielten, kein anderer Weg dazu übrig.
Wir bitten Sie daher, die Güte zu haben, das von Ihnen so theilnehmend mit begründete und beförderte Werk dadurch vollkommen zu machen, daß Sie die beykommenden Nachrichtsschreiben an der Zahl und laut Liste 38.- freundschaftlichst an die betreffenden Herren Theilnehmer kommen zu lassen, und es gütig zu gestatten, daß gedachte Herren, wenn es denselben gefällig seyn sollte, ihre Beyträge Ihnen zu gefälliger Beförderung an uns oder an die Hauptcasse nach Rudolstadt, überschicken zu dürfen.
Möge die nun bald wiederkehrende Feyer des Reformationsfestes zur letzten Gabe der Liebe und des Dankes für diesen Zweck wieder neu erwärmen und beleben.
Die hierdurch möglichen Auslagen werden Sie von den eingehenden Beyträgen zugleich mit unserm Dank gefälligst zurück nehmen.
Es freute mich und uns recht innig, für diese Ihre, das Werk zur Vollendung führende Theilnahme Ihnen zum Voraus zum schönsten Danke zwei Briefe über unsere Pflegesöhne Georg und Ernst, den einen von Georgs väterlich sorgendem Freunde Professor Dr Steudel in Tübingen und den zweyten von Ernsts achtbaren und sorgsamen Lehrherrn Herrn Krauß in Kassel, in Abschrift mittheilen zu können, aus welchen Sie selbst freudig ersehen werden, wie angewandt bey beyden Luthern die Unterstützung, die Erziehung und der Unterricht waren, welche sie durch dankbare evangelische Christen und treue Nachfolger Luthers empfangen, und wie treu und liebend thätig andere auf den gelegten, /
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wir dürfen sagen, gutem Grunde nun fortbauen und wie fröhlich das Werk immer weiter gedeihet.
Wir erlauben uns noch Ihnen innig hochverehrter Professsor zwey Nachrichten von unserer Erziehungsanstalt beyzulegen, ob Sie Ihnen gleich schon aus öffentlichen Blättern bekannt seyn mögen, indem der Bericht nach der ausdrücklichen Bestimmung des Consistoriums in der von Zimmermann in Darmstadt herauskommenden allgemeinen Schulzeitung, und mit Bewilligung in der Isis abgedruckt wurde.
Genehmigen Sie von meinen Freunden und mir die Versicherung wahrer Verehrung und der ausgezeichnetsten innigen Hochachtung
FWA Fröbel.

       Keilhau,
am 9en Oktober.
       1825.

[von anderer Hand:]
An
Herrn Professor Weiß
in Berlin.