Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise, Auguste und Amalie Müller in Döllstedt v. 31.1.1826 (Keilhau)


F. an Luise, Auguste und Amalie Müller in Döllstedt v. 31.1.1826 (Keilhau)
(BN 576, Bl 1-3, Brieforiginal 1 B 4° + 1 Bl 8° 5 S., 2 Sätze zit. bei Halfter 1931, 607f.)

Keilhau am 31sten Jenner 1826.


Den drey lieben einigen Schwestern
Luisen, Augusten u Malchen
meinen sehr lieben Nichten.

Ich will Euch allen Dreyen zugleich schreiben, weil ich fast fürchten muß daß Ihr alle drey auch gleich bös auf mich seyn werdet; denn seit dem wir uns das letztere mal sahen ist das letzte Vierteljahr des alten und nun schon wieder ein Monat des neuen Jahres verflossen, auch Malchen hat noch überdieß freundlich mir geschrieben und noch immer habt Ihr keinen Brief von mir bekommen. Wäret Ihr nun nicht gewohnt nur nach langen Zwischenräumen Briefe von mir zu bekommen, so liefe ich wohl Gefahr daß Ihr die Ursache meines jetzigen langen Stillschweigens in etwas anderem als in meinem Beschäftigtseyn und in - meiner Bequemlichkeit finden suchen würdet; doch hoffe ich jetzt daß Ihr in Euch fest überzeugt seyd, ich habe mich Eurer stets in Liebe erinnert und sey mit herzlichen Glückwünschen für Euch und Euren lieben Vater aus dem alten in das neue Jahr übergetreten. /
[1R]
Ob ich gleich das beyliegende Buch mir erlaube Eurem lieben Vater als Zeichen meines hochachtenden Andenkens zu überschicken, so kann es doch auch nebenbey Euch ein Beweis seyn daß ich in der letzteren Zeit wirklich angestrengt beschäftigt war. Es hätte mich von der Überschickung des Buches wohl der Gedanke abhalten sollen daß die Sprache in demselben nicht durchweg Eurem lieben Vater zusagen möchte, doch will aber auch die Schrift indem sie zu Euch wandert nichts anders als eine freundliche Gabe angesehen und aufgenommen zu werden.
Auch die mitfolgende Wochenschrift: die erziehenden Familien haben, indem sie sich an das Buch anschließen keinen anderen Zweck und machen keine andere Anforderung; denn die eigentliche unterhaltende Seite so wie eine leichte Sprache geht ihr [ab] da ich beyde wenigstens nicht mit dem mir vorgesetzten Inhalt vereinigen konnte. Doch sie kommt auch nur zu Euch um sich Euch von Angesicht zu Angesicht zu zeigen, damit Ihr sie im Fall früher oder später einmal zu Euch von ihr gesprochen werden sollte Ihr sie doch kennt, Ihr auch überhaupt auch sehet in welchen Weltverkehr /
[2]
wir in Keilhau jetzt getreten sind.
Nun werdet Ihr aber vor allem wohl gern wissen wollen wie es in Keilhau steht und was sich daselbst zugetragen hat. Gott sey Dank ist im wesentlichen noch so ziemlich alles beim Alten. Albertine wie es sich freylich ganz von selbst versteht stickt feine Kragen näht die feinsten Vorhemdchen für ihren Bräutigam[.] Ernestine näht zierlich[e] Hemde[n] für den ihrigen. Albertine so wie Ernestine sind der gewöhnlichen häuslichen Geschäfte entlassen d.h. Emilie führt nun durchweg die Küche nur noch die Sonntage wechseln. An Ernestinens Stelle ist schon eine gewisse Mamsell Mohnhaupt, eigentlich eine Schwester aus Neudietendorf getreten welche seit einiger Zeit schon im Hause der Gräfin v. Köstritz Wirtschafterin war. Diese Mohnhaupt (Hannchen genannt) führt nun ohne Wechsel die Hauptwirtschaft. Sie wohnt in Ernestines Stübchen und Ernestine ist einstweilen in die grüne Stube nächst der blauen gezogen. Eine Köchin sie heißt Sophie hat Eure Base nun auch mit der sie so ziemlich zufrieden ist, sie ist eine Kaufmannstochter aus einem kleinen Städtchen und zwar noch ein junges Blut aber sehr kräftig und rührig. /
[2R]
Die Frau Hofmann nämlich welcher Du Dich Malchen vielleicht erinnerst ist mit ihrer Tochter Caroline welcher vorher in der Küche war nach Berlin zurück gekehrt; die zweyte Tochter Luise ist aber als Stubenmädchen hier geblieben. So geht es Gott sey Dank der Base mit der weiblichen Hilfe und Unterstützung wohl so gut als es ihr gehen kann.
Herr Barop ist aus Westphalen wegen seiner Militärpflichtigkeit noch nicht zurückgekehrt.
Herr Schönbein ist von hier nach Epson 15 engl. Meilen hinter London als Lehrer in eine Erziehungsanstalt am 4en Jenner abgegangen, seine Stelle ist noch nicht wieder besetzt; doch ist ein Zeichenlehrer Herr Durst ein junger geschickter Maler aus Bayern seit Neujahr angestellt.
Unsere musikalische Unterhaltungen am Sonntage auch am Mittwoch Abends gehen mit zufälligen Unterbrechungen wie gewöhnlich fort.
Nun habe ich gar nichts zu schreiben als Euern theuren Vater von mir meiner Frau und Freunden recht herzlich [zu] grüßen; Auch Ihr werdet von allem recht herzlich und freundlich gegrüßt. /
[3]
Wie stark jetzt die Anzahl der Zöglinge ist und von wannen sie sind könnt Ihr aus einer dritten Beylage welche ich anschließe ersehen.
So bald Ihr nach Gotha schreibt grüßt Euren Bruder auf das herzlichste von mir.
Auch bey Ritters sagt meine und unser[e] Grüße namentlich Lottchen nicht zu vergessen.
Weil ich weiß daß Ihr drey lieben Schwestern drey so rüstige Briefschreiberinnen als besonders aber auch Schreiberinnen niedlicher Briefe seyd so erlaube ich mir für jede von Euch ein niedliches Kästchen buntigen Siegellacks bey zulegen damit, damit Ihr eure [sc.: Eure] lieben, B willkommenen Briefe eben so niedlich zusiegeln könnt.
Nun lebt wohl behaltet uns lieb wie wir Euch. Ich bin unverändert
Euer
aufrichtiger Oheim
Friedrich W A Fröbel /
[3R]
Dem schönen schwesterlichen Kleeblatt
Luisen, Augusten und Malchen Müller
in
Döllstädt

[2R enthält noch einige nicht zum Brief gehörende Wörter / Buchstaben]