Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Maria Elisabeth Hoffmeister u. die Tante Hanige in Berlin v. Jan. 1826 (Keilhau)


F. an Maria Elisabeth Hoffmeister u. die Tante Hanige in Berlin v. Jan. 1826 (Keilhau)
(BN 486, Bl 26, undat. Entwurf 1 Bl 4° 2 S. Dat.: Der Jahreswechsel ist gerade vorbei, also Januar; sicher nach 1825, da die Schwiegermutter u. die Tante angesprochen werden, nicht F.s Schwiegervater; auf 26R ist gute Finanzlage vorausgesetzt, dies entspricht der Situation 1825/1826, ab Ende 1826 Abmeldungen in Keilhau und Finanzprobleme; weiteres Indiz: noch kein Bezug auf Helba.)

Verehrte lie[be] Mutter
Theure hochgeschätzte Tante

Leider erlaubte es uns, mir u meinem lieben Weibe
auch in diesem Jahr wieder der Dra[n]g der Geschäfte nicht
Sie beyderseits wie es liebender Kinder freudig liebe <bringende> gebende Pflicht
ist an diesen Festtagen u namentl. zur Zeit des Jahres
Wechsels u wenn es auch nur schriftl. wär[e] zu begrüßen
und Ihnen die Gefühle treuer Kinderherzen auszusprechen,
den[n] fast schon 3 Wochen wenigsten[s] aber schon 14 Tage
vor Weyhnachten begann die uns ganz in Anspruch
nehmende Thätigkeit Sorge für das Fest u erst
wenn der heutige Tag geschlossen ist liegt der we-
sentlichste Theil derselben im Rücken. Erst mit
dem Ende der Feste begann besonders für
das uns zu sorgsame treue Weib u die unermüdliche
Hausmutter das Fest wenn ich so sagen darf,
aber in allem Drang der Geschäfte hat sie doch
in den wenigen ruhigen Zeiten ich möchte sagen Augen-
blicken immer mit Sehnsucht des Wunsches gedacht
den lieben Theuern doch nur einige herzliche Worte sagen
zu können. /
[26R]
Diese[s] Drängen u Treiben des Lebens
fängt nun auch an mir zu viel zu werden
um so mehr als als [2x] bey aller Treue
Sorgfalt ja u Aufforderung es doch nicht
möglich ist sich die Zufriedenheit der
Eltern zu erringen. Ich denke deßhalb
mit Ernst daran uns nach und nach
auf ein mehr einfacheres Leben und
Wirken zurück zu ziehen besonders
damit auch das liebe Weib die von Allen in Ihrem Häuslichen <Wirken>
so hoch innig geachtete Hausmutter sich
einiger Früchte der Ruhe für ihre gänzlich[e] Hingabe er-
freue. Von allen Seiten tritt mir die
Überzeugung entgegen daß Gott zu diesem
Streben seinen besondern Seegen geben wird.
Die Kleinheit unserer Bedürfnisse wird uns
bey einer geringeren Einnahme mehr ächte[n] Lebens[-]
genuß und we[ni]ger Sorgen geben als jetzt wo bey sehr bedeutenden Einnahmen
die Anforderungen so groß sind, daß
fast mit der Vergrößerung der Einnahmen sich auch die Größe der Sorgen
vermehrte.
[am Rand, zunächst 26R, dann 26:]
So dürfen wir Ihnen also aussprechen, daß wir mit wahrer Zufriedenheit u
innigem Gottvertrauen u Freudigkeit des Herzens, so wie wenn auch in einiger Schwäche doch in Gesundheit
des Geistes u Körpers in[s] neue Jahr eingetreten s[in]d. Möge ein baldige[r] Brief /
[26]
uns dasselbe von Ihnen theuerste dasselbe aussprechen, so ist dem [sc.: der]
<Meiste> [i. S. v.: der wichtigste] irdische Wunsch uns erfüllt mit dem wir in[s] neue Jahr traten. Möge
auch dieß uns Ihre theuer[e], mütterl. Liebe erhalten so sind alle Wünsche gekrönt.
[Text bricht ab]