Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 18.3.1826 (Keilhau)


F. an Christian Samuel Weiß in Berlin v. 18.3.1826 (Keilhau)
(GNM Bl 92-93, Brieforiginal 1 B 4° 3 S., zit. bei Halfter 1931, 634)

Keilhau am 18'März 1826.

Hochverehrter Herr und Freund.
Möge Ihre Güte und Nachsicht die ich schon so oft empfand mir verziehen haben, mir
zu erlauben Ihnen durch den Buchhandel einige Drucksachen zu überschicken; doch
werden Sie es gewiß natürlich finden wenn ich, der ich Ihrer Güte so vieles ver-
danke, auch gern jede sich mir darbiethende Gelegenheit ergreife Ihnen die bleibend in
mir lebenden dankbaren Gesinnungen auszudrücken.
Da es mir vor Abgang der beyden Sendungen durch den Buchhandel am [*Lücke*]
und am [*Lücke*] nicht möglich wurde Ihnen dankend den Empfang von Rth. 140.
Pr:C: und von Rth. 24 Pr:C: zu melden, so that ich es in den, die Drucksachen beglei-
tenden Zeilen und ich zweifle nicht daß Ihnen beydes durch die Maurerische Buch-
handlung als Beylagen von A. Wienbrack in Leipzig zur rechten Zeit zugekommen
seyn wird. Die Hauptcasse in Rudolstadt, welcher die eingegangenen Zahlungen
durch übersandte Quittungen angezeigt worden sind, wird sobald als das Ganze
als völlig abgeschlossen zu betrachten ist, von den noch eingegangenen Geldern öffent-
lich Rechenschaft ablegen, sollten Sie jedoch verehrtester Herr Professor vorher von
dieser Casse Quittung wünschen, so bedarf es nur eines leisen Wortes um sogleich
Ihren Wunsch zu erfüllen. Daß Herr Staatsrath Thaer aus Versehen vergessen
worden ist, ist uns sehr unlieb, doch hat sich nun die Anstalt unmittelbar an ihn
wie an die übrigen Herrn gewandt. Wegen der Bestellung der noch übrigen Bücher
an die von Berlin abgegangenen Herrn Theilnehmer thaten wir Ew: Wohlgeboren
den Vorschlag solche auf dem Buchhändler Wege zu besorgen entweder von Berlin
aus direkt oder über Leipzig durch unsern Comissionsbuchhändler A. Wienbrack.
Hinsichtlich des Geldcurses sprachen wir aus daß die Cassenanweisungen ganz
gleich dem groben klingenden Courrant bey uns und besser als Gold stehen.
Dieß der Inhalt meiner früheren Briefe im Fall solche wider Hoffen noch nicht
eingegangen seyn sollten.
Nun erlaube ich mir, bey Ihrer gütigen Theilnahme an ihren unsren erziehen-
den Bestrebungen mich abermals mit einer Bitte an Sie, verehrtester Herr Pro- /
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fessor zu wenden. Herr Schönbein, welcher bisher Lehrer der Naturwissenschaften besonders der
Mineralogie, Physik und Chemie an meiner Erziehungsanstalt war, hat von
einem gewissen Mr Majo, Vorsteher einer Erziehungsanstalt in Epson bey
London eine Anstellung als Lehrer der Chemie <pp> in dessen Erziehungsanstalt
erhalten und ist seit Anfang dieses Jahres dahin abgegangen. Veränderte häusli-
che Verhältnisse forderten einen jungen Mann welcher in Erlangen studirt hatte
und sehr gern in diese erledigte Stelle einzutreten wünschte, in einen anderen
Wirkungskreis. Wäre nun vielleicht unter der Zahl der Ihnen bekannten
jungen Männer einer welcher gute Kenntnisse der Physik, Chemie und Minera-
logie in sich vereinigte, besonders aber in sich noch, wenn auch nicht allgemeinen pädagogischen
Sinn und Trieb, wenigstens aber Sinn, Lust und Trieb zum Lehrfach besonders
zur Heraufbildung für höhere Wissenschaft in sich fühlte, so würde es mich sehr
freuen, im Fall er Neigung hätte die erledigte Lehrerstelle in meiner Anstalt
anzunehmen, durch Ihre gütige Vermittlung mit demselben bekannt zu werden.
Mit der experimentirenden Physik und praktischen Chemie aber müsste er
vertraut seyn, weil sehr viel Fabrikanten Söhne in der Anstalt sind für
welche die Väter gründliche Vorkenntnisse in der Chemie wünschen. Der jährliche
Gehalt würde bey übrigens ganz freyer Station Rth 150 Pr:C: seyn. Sollte
dieser Gehalt für die Forderung welche die Stelle macht zu wenig erscheinen, so
bitte ich zu beachten daß der jährliche Aufwand dagegen auch in unsern Verhält-
nissen wieder sehr mäßig und darum am Ende des Jahres der Überschuß doch
größer als in irgend einem ähnlichen Verhältnisse ist. Würden Sie geehrtester
Herr Professor zu dieser Stelle einen jungen Mann vorschlagen können, so
könnte derselbe sogleich mit mir in schriftliche Verbindung treten, da ich wünschen
muß daß er mit Pfingsten in seine neue Stelle eintrete, indem dann
unser Cursus für das Sommerhalbjahr (<  > da die Verheyrathung von Herrn
Langethal und Middendorffen, letzteren mit der ältesten Tochter meines hiesigen
Bruders und ersteren mit der bisherigen Hausfreundin und Gehülfin meiner
Frau, den Wintercursus etwas zu verlängern und den Sommercursus etwas
abzukürzen nöthigt:) in der Anstalt beginnen wird. /
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In Beziehung auf den Fortgang der Anstalt muß ich aussprechen, daß ob ich gleich außer-
ordentlich den Druck der Zeit empfinde, indem nicht allein die Zahlungen mancher Erzieh-
ungsgelder anfangen unbestimmter einzugehen, sondern mir auch manche Eltern
ausgesprochen haben wie sie die ganze an sich schon sehr mäßige Summe des mittle-
ren Erziehungsgeldes nicht mehr zu zahlen im Stande sind, und ob wir darum gleich
nicht läugnen können daß auch wir jetzt eine harte Zeit noch zu durchkämpfen haben
werden, indem wir doch die Kinder derer welche schon länger uns ihr Zutrauen
schenkten jetzt nicht darum aus der Anstalt geben können, weil diese Eltern jetzt
nicht im Stande sind augenblickliche Zahlungen zu leisten und wir doch dadurch ge-
hemmt sind Kinder zahlungsfähigerer Eltern aufzunehmen,- so ist doch das Zutrau-
en so ist doch das Zutrauen im Ganzen wachsend besonders in manchen Gegenden
und in den Klassen der Fabrikbesitzer, in welcher Beziehung ich darum wünschte
mit einen jungen Physiker und Chemiker vielleicht einmal wenn wir uns verstanden
als bleibenden Mitarbeiter an der Anstalt zu finden.
Noch ist mir seit sich Krause jetzt in Göttingen vor einigen Jahren
in der Isis für die Grundsätze sehr bestimmt ausgesprochen hat, kein
öffentliches Urtheil dafür und keines da wider zu Gehör und Gesicht
gekommen und dieß ist auch wohl das Beste was uns geschehen kann
wir erhalten dadurch Zeit und Muße uns still zu entwickeln und zu ver-
vollkommnen. Unsere Regierung ist wenn auch ohne positives Wirken dafür, doch
achtend anerkennend und still behütend, mit einem Worte sie will uns wohl und
wünscht unser gesundes freudiges und fröhliches Bestehen und freut sich mit uns desselben
dieß muß jetzt genug seyn ob sie gleich sonst wohl den Grundsatz haben mag: "bist du
tüchtig so hilf dir selbst," deßhalb ich es denn auch sehr meide mich bittend an Sie zu
wenden.
Daß wir durch den Herrn Prof. Schubert aus dem Museum in Erlangen eine sehr
schöne zoologische und mineralogische Sammlung erhalten haben habe ich Ihnen
gewiß schon ausgesprochen.
Für das zeichnende Fach ist jetzt ein junger Mann ein Schüler des Cornelius jetzt in
München früher in Düsseldorf lehrend in der Anstalt wirksam: er wünscht zu bleiben.
Nun leben Sie recht wohl. Von Ihrer Theilnahme hoffe ich Verzeihung für den langen
Brief. Meine Freunde und Mitarbeiter grüßen Sie sämtlich auf das achtungsvollste.
Bleiben Sie meinem Streben und uns in Liebe gewogen; wie ich unverändert Ihr
dankbar ergebenster FWA Fröbel /
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[Adresse:]
         Sr Wohlgeboren
dem Herrn Professor Dr Weiß
Director des Königl. mineralogischen
der Universität
         in
frey          Berlin