Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Gotthilf Heinrich Schubert in Erlangen v. 1. Hälfte Dez. 1826 (Keilhau)


F. an Gotthilf Heinrich Schubert in Erlangen v. 1. Hälfte Dez. 1826 (Keilhau)
(KN 21,20, undat. Entwurf 2 Bl 4° 3 ½ S. Dat.: 2R weist auf eine erste Dezemberhälfte: in 14 Tagen wird ein Wechsel geschickt werden, der am 1.1. fällig ist. Im Brief an Weiß v. 18.3.1826 spricht F. vom Erwerb einer naturhistorischen Sammlung. Ende 1825/Anfang 1826 ist Keilhau noch nicht in finanziellen Schwierigkeiten, wohl aber Ende 1826. - Außer rechnerischen Notizen findet sich auf 1R auf der Höhe von "Nahmen das Geschäft neu angeknüpft" die Notiz "7 Dec.", Brief daher mglw. nach 7.12.1826 geschrieben. Im Regest OW in KN 21,20 und in KN-Katalog Adressat irrig als "G.F." Schubert bezeichnet. Auf der letzten Seite: Entwurf an Quästor Handschuch wohl v. selben Tag)

         Wohlgeboren[er] Herr,
HochVerehrtester Herr Professor und Director.
Seit Jahr und Tag früchte [sc.: fürchte] und scheue ich mich die Feder zu ergreifen
um unter Umständen wie die mich noch jetzt umgebenden sind und in einer
Lage wie die meine noch jetzt noch ist an Ew: Wohlgeboren zu schreiben;
und seit Jahr und Tag ersehnte, und hoffte und ich ja erwartete ich von Woche
zu Woche ja fast von Tag zu Tage, daß eine solche Veränderung
meiner Lage und Umstände gewiß in der allernächsten Zeit eintreten
würde, welche mich von der Nothwendigkeit in der ich mich noch jetzt
befinde
in dieser meiner noch jetzigen Lage wie die meine noch jetzt ist mich schriftlich an Sie wenden
zu müssen befreyte; denn ich will es nur gestehen daß mich mir der Gedanke
der Schuldner Ew: Wohlgeboren oder vielmehr der Königlichen
Anstalt zu seyn, ohne zugleich mit Bestimmtheit die Art u Zeit der
Bezahlung zu wissen zu den drückendsten und schmerzlichsten meines
Lebens gehören, denn indem nicht allein das schon das Gefühl und Be-
wußtseyn irgend schuldig u ein Schuldner zu seyn allge überhaupt für mich ein
fast drückendes lastendes ist, so war und ist mir das Gefühl der Schuldner
Ew. Wohlgeboren u einer Anstalt zu seyn welche so gütig wohlwollen[d] gegen
mich und uns sich erzeigte ein fast vernichtend lastendes für
mich ein so Geist u Gemüth u Kraft fesselndes lastendes, daß ich mich
gar nicht überwinden konnte die Feder zu aus..sprechen ergreifen um
Ew. Wohlgeboren dieses auszusprechen.
Ich muß Ew. Wohlgeboren schon bitten daß ich das Ganze im Zusammenhang Ihnen vor[-]
führen könnte darf, nicht um mich bey Ihnen nur zu entschuldigen, noch weniger
um mich zu rechtfertigen, sondern [um] Ihnen zu zeigen wie und wodurch /
[1R]
eine im höchsten Grade kaum verzeihliche Handlungsweise wie die meine
entstehen und sich bis zu diesem Grade von meiner Seite entwickeln
konnte in welchem sie jetzt da steht. Ich liebe durch mein Gemüths[-], u Geistesbedürfniß die und durch
meinen früheren Beruf die Kenntniß u Kunde der Natur im höchsten
Grade; durch mein persönliches erzieherisches Streben sowohl als durch
mein langjähriges u vielWirken sowohl als privat als öffentlicher
Erzieher u Lehrer, als noch besonders durch mein persönliches erziehendes
Wirken u Streben und die demselben zum Grunde liegenden entwicklungs <Grundsätze> auf welche <sich / ich> erkenne ich das Studium und die Kunde der Natur
für die Erreichung eines höhern selbst des höchsten erziehenden Zweckes als uner[-]
setzlich wichtige. Darum war es mir wünschte ich gleich beym Beginne der Begründung meiner
Erz: Anstalt für dieselbe die dazu bey <mir> zu meine[m] Streben so wesentlich nöthig erscheinenden naturhistorischen Sammlungen und ich
war sehr erfreut daß sich mir durch das Wohlwollen Ew: Wohlgeboren u durch die
die [2x] Güte der Direction der Erlanger N. H. Museen dazu so schöne günstige Gelegenh[ei]t zeigte,
ich war glücklich denn als ich für den Ankauf der Sammlung die Zustimmung gab
machte meine u der Anstalt ökonomische u pecuniäre Lage, uns die Beza unmittel[-]
bare Bezahlung der Sammlungen <leicht> möglich. Die Beendigung des Geschäftes aber des Geschäftes aber
zog sich ich weiß nicht wodurch in die Länge und schien ganz in Vergessenh[ei]t
und gekommen zu seyn oder eigentlich der Verkauf der Samml[un]gen einen andern Weg genommen zu haben und
ich mußte damit zufrieden seyn und (dieß) es äußerlich für das Ganze Gut
halten, denn unsere ökon[om]ische Lage hatte ein[e] solche Entwicklung bekommen, daß
ich wir weder die unmittelbare Bezahlung noch eine nahe liegende Zeit zur Bezahlung
bestimmen konnte[n], da wurde ohne mein Wissen obgleich in meinem u der Anstalt
7 Dec.
Nahmen [sc.: Namen] das Geschäft neu angeknüpft als ich es nun erfuhr erfüllte
mich dieß bey meiner Lage ([welche es] mir nicht mögl. machte die dadurch auf mich fallenden Lasten weder jetzt gleich erfüllen
zu können noch für deren Erfüllung eine nahe sichere Zeit bestimmen zu können)
wirklich mit großer Bangigkeit, doch gab ich durch die Gesammtheit der Umst[än]de
bestimmt nach, in der Hoffnung es werde sich mir ja bald <dringend> Gelegenh[ei]t zeigen aber
unmögl. war es mir nach Ankunft der Sammlungen trat diese Hoffnung /
[2]
so weit u sehr zurück, daß ich mich nicht überwinden konnte d[i]eß Ew.
Wohlgeboren (auszusprechen) zu bekennen und dieß später leider immer we[ni]ger
als <sich> wie ich gleich Anfangs dieses Briefes aussprach sich mir wieder
immer von einer Zeit zur andern die Hoffnung die Mögl. zeigte Meine Schuld
an die Direk[tion] an Ew. Wohlgeboren abzutragen und so von der Schritte Nothwe[n]d[i]g[-]
keit endl. befreit zu werden mich in einem ohne Zahlungsleistungen wenigstens ohne die be[-]
stimmte Anzeige derselben an Sie zu wenden zu müssen. Doch auch hier habe ich die
so oft zu meinem Schmerz gemachte Erfahrung durchgehen müssen daß der Mensch, gerad durch
das hindurch gehen, gerad das bearbeiten u besiegen muß
für [sc.: vor] was er sich am meisten fürchtet und daß die Umstände des Gefürchteten Stärke Kraft, die Wirkung, die Gewalt
um so mehr zunehmen, je mehr der Mensch es fürchtet u je mehr er hofft daß es
abnehmen soll, und daß so der Mensch zuletzt durch ein bey weitem vielfach vermehrtes
vielfach erhöhtes u [{]verstärktes / [ver]größertes[}] Unangenehmes hindurch gehen es besiegen
sich über dasselbe erheben muß, als er Anfangs fürchtete, was durchzugehen
zu besiegen er zu schwach war so geht es mir nun auch in Beziehung auf Ew.
Wohlgeboren, so stehe ich nun auch in Beziehung auf Ew. Wohlgeboren u eine
löbl. Direction der N. H. Sammlung Erlangen da, denn was ich so sehr ersehnte habe ich noch
nicht erringen können sogl. mit diesem Briefe meine Schuld abzutragen was ich so sehr fürchtete
das muß ich hierdurch Ihnen u der löbl. Direction dieß auszusprechen u die verflossene Monate
ertragene sorgende u lastende Druck
das in der Furcht dafür verflossene lang lastend getragen[e] u drückend empfundene Furcht
dafür haben nichts gefruchtet als - daß sie die Sache nur schlimmer machte.
Nicht um mich bey Ew. Wohlgeboren wegen meines Handelns zu entschuldigen denn das vermag
ich nicht, sondern um Ihnen das Verständ[n]iß eines solchen des Handelns selbst mögl. zu
machen sahe ich mich genöthigt Ihnen dasselbe in seinem innersten Zusammenh[an]g und seiner innersten Bedingung vorzuf[üh]ren. Und <dann erst> nach dem
[{]ich dazu mich überwinden bestimmen / auch mgl. geworden[}] konnte, ist wird es mir mögl. Ihnen sagen zu können, daß <ich> mit Bestimmtheit
hoffe Ihnen in 14 Tagen zunächst ein[en] Wechsel über 264 fl. <24 ?> /
[2R]
auf das Handel[s]haus Arnold v. Eichthal in Augsburg zahlbar am
1. Jan[.] kommenden Jahres nach Erlangen übersenden zu können. Den Rest der 100 fl. so wie
den Betrag der Nebenausgaben u Vergütigung werde ich dann bald darauf entweder
ebenfalls durch Wechsel oder baar auf das dankbarste übersenden[.]
Was bleibt mir nun noch zu sagen übrig; verzeihen Ew. Wohlgeboren
mir wenn es Ihnen nach meinem Handeln möglich ist und erlauben
Sie mir ohngeachtet aussprechen die Versicherung der
ausgezeichnetste[n] Verehrung u Hochachtung aussprechen
zu dürfen mit welcher ich die Ehre habe stets zu seyn [Text bricht ab]