Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Charlotte von Ahlefeld in Weimar v. 3.2.1827 (Keilhau)


F. an Charlotte von Ahlefeld in Weimar v. 3.2.1827 (Keilhau)
(BN 358, Bl 1, dat. Entwurf 1 Bl 8° ½ S.)

Keilhau am 3. Febr 1827. An die Fr. Ch[a]r[lo]tte v. Ahlefeld in Waimar [sc.: Weimar].
Es ist Schon wieder verf ist eine lange Zeit verflossen seit dem während welcher ich Ihnen treue Kunde von Ihren l. Pfleglingen treue Kunde geben konnte, und doch be[-]
schäftige ich mich in mir immer sehr damit weil die Brüder Drey selbst mir viele Aufforderung dazu
gab[en]; denn bey unter der recht ganz kleinen Zahl von Kindern dieses Alters die um mir [sc.: mich] lebten und leben, sind
kaum einige welche sich so eigenthümlich zu in ihrem Leben zeigten als diese; Je mehr sie sich entfalten
je mehr zeigen sie zwar ein sich durchziehendes auch characterlich Gemeinsames, aber auch wieder
ein unter sich so Verschiedenes, daß man in Versuchung kommt, sie gar nicht für Brüder zu achten[.]
Merkwürdig ist es daß es sich in dem eignen <gemeinen> Leben der Knaben ganz selbst so ausspricht[.]
So zeigen sie oft eine seltene Anhänglichkeit u Liebe zu einander, besonders wenn einer etwas
wünscht u bedarf oder einem etwas zu Le[i]des geschieht, und oft stehen sie sich wie ganz Fremde gegen-
über, so kann einer den andern oft leicht anklagen u seine kleinen Fehler aufdecken u es scheint
ihm dann die Strafe des andern nicht zu schmerzen; ebenso sprechen Sie [sc.: sie] oft von einander als
währen sie sich ganz fremde 3e Personen während sie sich zu einer andern Zeit mit <Fr[eund]>schaft suchen. Dieses Gesamt Verbunden-
seyn zweyer entgegengesetzter sich ganz widerstrebender Richtungen in einer Person macht nun auch den Gemeinsamen Character
aller 3 u wieder jedes einzelnen aus. Noch nie
ist mir in Knaben, in Kindern dieß so sehr so sprechend entgegen getreten als in den 3 Clemens [.Text bricht ab]

[1R]
[enthält Anschrift von anderer Hand und Poststempel: Coburg 30. Jan. 1827:]
Seiner Wohlgebohren
Dem Herrn Vorsteher der allgemeinen
deutschen ErziehungsAnstalt FWA Fröbel
      zu
      Keilhau
über Rudolstadt.