Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an F. Korn in Obernitz v. 7.5./10.5.1827 (Keilhau)


F. an F. Korn in Obernitz v. 7.5./10.5.1827 (Keilhau)
(KN 22,4, Abschr. 5 S. Handschrift "Frl. H.", von OW veranlasst. Der Brief hat eine Eingangsnotiz v. 10.5.1827. Das Original befand sich im Besitz v. Geh. Baurat Treibich, Rudolstadt.)

Keilhau am 7en May 1827.


      Hochehrwürdiger Herr
Hochgeehrtester Herr und Freund.

Gestern schon habe ich von der menschenfreundlichen Frau
wegen Auf- und Annahme des kleinen Waisenmädchen[s]
Antwort erhalten; sie hat sich für die Pflege und Erziehung
der jüngeren Schwester entschieden, und nun kann ich
Ihnen das Ganze klar darlegen: die edle, selten ge-
gebildete und doch höchst einfache Frau ist die Frau Majo-
rin von Hayden
geborne Freyin von Meding in
Frankfurt am Mayn. Das gütige Geschick hat ihr
zwar bey reichen Gaben des Geistes und Gemüthes
auch große Güter des Lebens gegeben, aber der Tod
hat ihrem Leben wiederkehrend tiefe Wunden geschla-
gen und wie es fast scheint ihren Reichthum nutz-
los gemacht, doch Gott hat ihr Herz zu den geisti-
ger wie äußerer Güter bedürftigen Unmündigen
ihres Geschlechtes geweckt. Ich habe diese Frau in /
[2]
einem meiner früheren Briefe an Sie eine fromme
Frau genannt. Ein solches Prädikat ist in der jetzigen
Zeit fast mehr zum Mißtrauen als zum Zutrauen
leitend, weil fromm und frömmelnd christlich und ver-
weichlichend so oft verwechselt wird doch das christlich
fromme Leben dieser Frau ist ein wahrhaftes ist ein
kräftig thätiges kein weichlich spielendes.
Mein erster Wunsch war, daß die Fr: v. H. beyder
Schwestern sich annehmen möchte; sie schreibt mir
darüber: "sie werde keinen Augenblick anstehen
auch die andere Schwester zu sich zu nehmen wenn
sie ebenso viel jünger wäre, als sie älter als der
8jährige ist, "aber ich muß," so sind ihre eigenen
Worte - "bey meiner einfachen Behandlung den schon
zu weit entwickelten Geist der 10 Jahre fürchten"
und ich muß ihr in diesem, so wie in dem Weiteren
was sie mir darüber ausspricht, recht geben.
Ob wir ihr nun das Mädchen selbst durch und
mit einem Fuhrmanne oder mit dem Conducteur /
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eines Postwagens zu schicken für zweckmäßiger halten,
dieß überläßt sie unserm Ermessen, nur bittet sie uns
das Postgeld und die Zehrung vorher schriftlich fest zu
machen, was sie dann sogleich bey Ankunft des Mäd-
chens auszahlen werde, Auslagen die Noth thäten
bittet sie mich zu machen und wenn es nöthig wäre,
da meine eigene Lage oft sehr beschränkt ist, so macht-
te wohl die Armenversorgungscasse in Saalfeld durch
die beyden mir früher genannten Herren auf die kür-
zeste Zeit den etwa nothwendigen kleinen Vorschuß.
Doch dieß wird gewiß, wie auch sich die Sache gestal-
ten wird, kein Hinderniß machen[.] Nur zwey Punkte
sind wichtiger, machen aber gewiß noch weniger Schwie-
rigkeiten: erstlich daß dem Kinde von der betreffen-
den Stadtbehörde ein authentisches Zeugniß gegeben
werde, daß dem Mädchen durch diese Verwendung
der Fr: v. Hayden das Heymathsrecht in Saalfeld
unverkürzt bleibe und daß wenn wider Vermuthen
Umstände die Fr: von Hayden nöthigen sollte[n], das /
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Kind zurück zu geben, solches dann in seiner Stadt
von den betreffenden Behörden ungehindert und ohne Schwie-
rigkeiten zurück[-] und auf- und angenommen würde.-
Ich kann mir nun nicht denken daß dieses Zeugniß,
da die Sache schon in sich selbst begründet ist - aus-
zustellen nur das leiseste Hinderniß finden kann.
Denn hofft die Fr. v. H. von den etwannigen Ver-
wandten daß sie das Mädchen zur ganz freyen
Behandlung und Erziehung übergeben und nie im
Mindesten hemmend und hindernd in das eingreifen
werden, was sie zum Wohl des Kindes für zweck-
mäßig und unerlassig erkennt. Dagegen kann
ich, der ich selbst in der Nähe dieser Dame mehrer[e]
Jahre so wirkte, daß ihr Leben viel beachtet von mir
war indem ich selbst ihrem einzigen Kinde einigen
Unterricht gab, .... jede Bürgschaft für in jeder
Hinsicht höchst musterhafte Leben und Streben in
Wort u in That leisten. Genug das Kind kommt in
ein so günstiges Verhaltniß [sc.: Verhältniß], welches ich für mein /
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eigenes Kind unter und in elterlosen Verhältnissen
nicht vortheilhafter nach jeder Seite hin wünschen könnte
und würde.
Seyn Sie geehrter Herr und Freund nun so gütig
dieß einst weilen den betreffenden Personen nament-
licht den beyden bestimmenden Herren mitzutheilen, da-
mit man vielleicht darauf denken könne die kleine
Habe und Kleidung des Kindes so ganz zu machen und
herzustellen daß es während der Reise von vielleicht
4 bis 6 Tagen der noch rauhen Frühlingsluft und sey es
auch auf dem Postwagen nicht zu empfindlich ausge-
setzt wäre.
Sobald ich wegen der Reise das bestimmte weiß werde
ich eilen es Ihnen mitzutheilen. Ich bin von Ihrer regen
Thätigkeit anderen zu nützen überzeugt Sie werden
es mir verzeihen wenn ich mich bis das Ganze beendigt
ist noch fernerner [sc.: ferner] vermittelnd an Sie wende.--
Lutsche will diesen Sommer wieder hier leben; ist es auch
Ihr Wille?--
Mit immer gleich wahrer wie gleich warmer Hochachtung

der Ihrigste   Fröbel.

Am 10en May. Dieser Brief sollte schon vor einigen Tagen abgesandt werden allein
es fehlte mir an Gelegenheit.