Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Pfarrer F. Korn in Obernitz v. 31.5.1827 (Keilhau)


F. an Pfarrer F. Korn in Obernitz v. 31.5.1827 (Keilhau)
(BN 521, 1-6, dat. Entwurf 2 Bl u. 2 B fol, 12 S.)

Keilhau den 31ten May.1827


Hochehrwürdiger Herr
Hochgeehrter Herr Pfarrer.

Ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihren
Brief vom 27ten d. M. lieb wird
es mir seyn die Kleine bald reisefer-
tig zu wissen, denn ich werde solche
dann von hier durch eine Expresse be-
sondere Begleitung nach Gotha bringen
lassen um sie dann dort einem Post
Conducteur zu übergeben welcher sie
mit der Schnellpost nach dem Orte
ihrer Bestimmung bringen wird. Sollte
es nicht angehen in diesen Feyertagen
mich entweder persönlich oder durch
einen meiner jungen Gehülfen von der
Reisefertigkeit des Mädchens zu unter-
richten, worüber ich mich gleich mittheilen
werde, so sind Sie wohl so gütig mir
gleich unmittelbar nach dem Fest Nach[-]
richt zu geben welchen Tag ich bestimmt das
Mädchen abholen lassen kann. Das
Versprechen des vorzuschießenden Geldes
zur Reise u zum nur bis Gotha und zur
Reisekleidung hat mich gefreut, die vor-
streckende Casse wird das Geld vom
Abgang des Mädchens spätestens in 14 Tagen
wieder in Händen haben. Die Reisekosten
von Gotha bis Frankfurt werden
gleich bei Ankunft des Mädchens in Frkfm
bey der Post zurück berichtigt.
Nun zu dem zweyten Theile Ihrer
freundschaftlichen Zuschrift. <->
Wie ich mir den Gedanken zur Ausführung
einer Sache von deren wahren Tüchtigkeit
ich durchaus überzeugt bin aufgebe, und /
[1R]
sollte dieser Gedanke noch Jahrzehn[t]e
in meiner Seele schlummern so habe ich
auch keinesweges den Gedanken auf[-]
gegeben für meine Wirksamkeit
einen Ort und Raum aufzusuchen
wo dem Bedürfnisse meines Strebens
mehr noch als hier auch die äußeren
Umstände sich mit den inneren ver[-]
einen um den Gedanken einer Men-
schenwürdigen Erziehung und eines solchen
Unterrichtes wie er mein ganzes Wesen
erfüllt auch außer mir nach Möglichkeit
rein bestimmt u selbst sprechend darzustellen.
Ob sich nun gleich in der spätern jüngeren Zeit die
Aussicht einen solchen Ort wenn auch erst
später zu finden sich mir immer mehr auf[-]
klärt, so läugne ich doch auch keines[-]
weges daß ich mit Vergnügen noch
den Gedanken in mir pflege, daß eine
Anstalt wie ich solche anstrebe sich in
Obernitz begründen lassen mögte.
Aber um so mehr als ich diesen Ge-
danken wirklich pflegend in mir
getragen habe, um so ernster habe
ich mir auch wiederkehrend wie die Hindernisse die derselben
entgegenstehen so die Umstände
klar vorgeführt und mir bestimmt ausgesprochen unter
welchen eine Verwirklichung desselben
jedoch nur möglich wäre.
Erlauben Sie mir geehrtester
Herr u theilnehmender Freund Ihnen
das Ganze so auszusprechen wie
mir dasselbe indem ich eben Ihren
Brief las und lese wieder vor
die Seele tritt und so unbefangen
und vertrauend wie ich es mir zu
mir selbst sagte[.] /
[2]
Der Grundgedanke auf welchem
mein erziehendes und unter lehrendes
Wirken u Streben ruht spricht sich
wie in meinem früheren erziehenden Thun
Wirken so besonders seit
den fast 12 mehr als 10 Jahren seit während
ich ein (jetziger) Begründer u Vorsteher
eines Erziehungs Kreises bin, von
Jahr zu Jahr in seiner tiefen Begrün-
detheit immer klarer u bestimmter
aus, ja in den jüngsten Jahren tritt
dieser Gr[un]dgedanke nicht etwa in Er[-]
scheinungen von Monat zu Monat oder
Wochen zu Wochen, sondern in den
täglichen Erscheinungen und also wie absteigend
in immer kleinern u kleinern
Maaßstabe Zeiträumen u Anwendungen, so wie
aufsteigend in immer größern Maaßstabe u Anwendung
sich aufsteigend sich den Forderungen
oder legen Sie mehr Werth den immer in größerm Maaßstabe u Zeitraum
sich Sie ruhig ja prüfend seyn wollen
bestätigt so kann Ihnen eben so bestimmt
ausgesprochen werden der richtige eingehende
durch ein u umsichtige Prüfer des in sich Ge-
gründete eines ErziehungsGrundsatzes
in seiner tiefen
Wahrheit hervor sondern aber was noch
weit mehr ist es gehen daraus auch alle
Erziehungs- und Lehrmittel stetig in ihrem innern orga[-]
nischen
Verein u lebendigen Entwick[-]
lung bis in ihre feinsten Verzweygungen mit Sicherheit Einfachheit und
Anwendbarkeit u ihrer schönsten tiefsten
Fruchtbarkeit hervor. Der Grundgedanke gedanke
als Ganzes ist jetzt auf Zweck Mittel auch so klar u für
die unmittelbare Ausführung so
aus[-] u durchgearbeitet daß seine
Anwendung für jedes bestimmte
u gegebene Verhältniß aus[-]
u durchführbar ist. Genug es
herrscht in meinem Denken und Erkennen
u in meinem Thun u Ausführung vollkommene
Einheit u Friede, ich kenne keinen
inneren Wiederspruch keine innere Beschränkung
noch weniger Zwietracht mit meinem innern Leben
u meiner Darstellung; und so weit es jetzt
noch unter den menschl Verhältnissen
nur immer möglich ist spricht sich dieser hohe Friede
Freude u Einigung auch in allen dem G[an]zen
Kreise aus den ich den meinen knenne.
[*]Zu dieser plan [sc.: klar] vor mir liegenden
täglich sich neu erzeigenden Bestätigung
kommt noch als Zugabe, ich sage mit Bedacht als
Zugabe {ja jedes Wahre/denn jede Wahrheit} muß ja den Beweis {dafür/davon} in sich selbst tragen die Beystimmung von denkendster
prüfendsten u strebendsten namhaften Männern unter der verschiedenartigsten
Berufe hiezu, wovon ich Ihnen die Beweise bey
einer nächsten persönl Zusammenkunft besonders vorlegen mittheilen werde [.]
[ Randnotiz*-*:]
* Kr + v. Wff + Bl + Gr +
Z + v. Wd + Schztgn + Brm *.
Nach diesen in und vor mir liegenden sprechenden
Thatsachen wäre es unverzeihlich ja strafbar
von mir wenn ich nicht dem treu und unver[-] /
[2R]
kürzt dem nachgehen wollte was sich
so in den härtesten u vernichtendsten
Lebenskämpfen als wahr als wahr bestätigt, darum;
mein persönlich unwandelbarer
Vorsatz mein Wirken für aus[-]
führende u darstellende Erziehung u Unterricht nur
dann und unter der nicht einschränkenden Bedingung
auszubreiten oder auch wohl ganz zu verändern
wenn zu meinem Wirken mit
der ganz freyen u unverkümmerten
Wirksamkeit die ich im Innern
die wie ich solche jetzt besitze, hinzu komme
nicht nur eine fördernde belebende
ungehemmte sondern besonders anerkennende pflegende
äußere Lage und solche Ver-
hältnisse
zu theil wird.
Da mein jetziges und künftiges Wirken
und Streben keinesweges darauf beschr darin
besteht genügende Mmenschenwürdige
Erziehungs[-] u Lehrgrundsätze und diesen
Eentsprechende Erziehungs- und Lehrmittel
aufzufinden und zu erkennen sondern die schon auf-
gefundenen u erkannten und in der Prüfung sich
bestätigten auszuüben und dar[-]
zustellen; da der Erziehungs[-] und Lehrgr[un]dsatz
ein einziger in sich einiger ist der aus sich alles dem
Menschen Bedürfniß Entsprechende nach allen
Seiten hin organisch lebendig entwickelt, da die die [2x]
Erziehungsmittel u Lehrmittel eben so
unter sich ein einiges Lebganze bilden
in deren Verknüpfung u Verzwey[gung] wie in
deren Folge keine Willkühr sondern eine
in sich selbst bedingte Nothwendigkeit herrscht
so daß also nicht willkührlich weder
ein Gegenstand eingeordnet, noch
irgend einer Anderer seinem Wesen nach
weggelassen auch nur irgend einer
willkührlich früher oder später
bey dem Zöglinge in Anwendung gebracht werden kann
so ist ganz natürlich und bey einer /
[3]
Erweiterung oder Versetzung Fortpflanzung meines
Wirkens unerläßliche Bedingung daß
dann mein das Auf- oder Verblühen, mein das
Bestehen oder Vergehen des von mir begonnenen Wirkens nicht von
der Willkühr dem Bey[-] oder Miß-
fall und der Meinung der der einzelnen Eltern abhänge
und Preiß gegeben
diesem Gifte und Krebse alles
wahren erziehenden Wirkens abhänge
u ihm Preiß gegeben sey. Wie ich die
Grundsätze meines erziehenden
Lebens immer mehr als in sich selbst ihr Bestehen
habend erkanntkennen werden muß, so muß
auch immer mehr das Bestehen des
davon ausgegangenen und ausgehenden
praktischen Werkes, meine die bürgerliche und
öko[no]mische Existenz jedes erweiterten
oder fortpflegenden Erziehenden
Wirkens[s], und besonders jeder neue zu begründende
Erziehungsanstalt, (sey sie für den
ganz allgemeinsten oder für einen be-
sonders beschränkten Zweck,) ihre
bür
die Gewehr [sc.: Gewähr] ihres bürgerlichen
und ökonomischen Bestehens in sich selbst
in ihrer Fundation tragen.
Ich habe mein bisheriges u jetziges
erziehendes Wirken: - die Stiftung
und Begründung einer allgemeinen Er-
ziehungsanstalt im felsen festen Ver [-]
trauen auf die ewige Wahrheit
der wiederkehrend öffentl[ich] von mir ausgesprochenen
Erziehungsgrundsätze auf diedenen ihm es ruhet
begonnen, und ich weiß daß wenn
nur keine Untreue gegen uns selbst
kein Verläugnen und Aufgeben des Wahren
bey mir u in den mit mir sich geeint fühlenden
und erkennenden statt findet, daß /
[3R]
daß dann die Wahrheit meines Strebens
sich in laufend[en] Thatsachen kund thun
und später zu seiner Zeit eine eben
so allgemein u gemein anerkannte
Sache werden wird als sie jetzt im
Allgemeinen u gemein miß[-] u verkannt dasteht[.]
Darum muß ich nothwendig fordern,
und bey jeder weitern Ausbreitung meines
erziehenden und lehrenden Wirkens die Gewißheit
davon in mir tragen, daß, wie ich den
Grundwahrheiten, dem Grund Gedanken hin ganz
vertraue, daß so jeder Staat
und jeder Fürst dem ich meine WSache
widme so ganz nur vertraue. Ich
muß in mir überzeugt seyn, daß wie
mein Vertrauen zu der ewigen Wahr[-]
heit der mich leitenden Grundgedanken
keinesweges nur ein Ideelle[s] Ideales
rein[es] Verstandes Wortvertrauen, sondern ein ganz reel[-]
les u reales reines Thatvertrauen ist, ein Vertrauen dem
ich mit solchem Zutrauen entgegen komme
daß ich ihm (vertrauensvoll) seit
den [sc.: dem] fast 11jährigen Wirken größtentheil[s] durch
größtentheils meinem Lebens[-] u Herzensverband
und bestehendes V u verlangten Credit
nur allein eine Zuschußsumme von
wenigstens Rth 25,000 vertrauensvoll
hingab und in mir die Gewißheit habe daß dieses
Capital sich den geeinten Gliedern nicht allein
zu seiner Zeit nach der Einsicht [eines] jeden
angemessen rendiren, sondern sogar sich reproduci[-]
ren wird, welche Gewißheit schon jetzt
fast alle mit mir theilen[;] so muß auch ich bey jedem
erweiterten und fortpflegenden Wirken
die Überzeugung u Gewißheit in mir
tragen, daß die Thätigkeit so auch das Vertrauen
welches irgend ein Staat zu mir habe
bezeige keinesweges blos ein Ideelles
u Ideales ein Wortvertrauen
sondern ein reel[l]es u reales ein
Sach[-] u Thatvertrauen sey, daß
es ein Vertrauen sey, welches /
welches mir ein solches Zutrauen be-
weise, daß es nicht gleich bey einem
mäßigen Zuschuße von wenn auch
mehreren Tausend Thalern in einigen Jahren
fürchte dieß Geld, dieß Capital
ging zu Grunde, ging verlohren wenn nicht gleich
eine reine genügende Bill[i]on
im H[au]ptbuch gezogen werden kann[.]
Dieser Kurzsichtigkeit welcher ich mich
bey allen furchtbaren u drückenden schmerz[-]
lichen u zerschneidenden Lebenserfahrungen
als ein Einzelner u noch überdieß
als nur als ein Privatmann nicht hingebe
dieser Kurzsichtigkeit u Ansicht kann
ich nicht zugeben, daß ihr der Staat lebe
sie pflege und sich ihr überlasse hingebe, dem ich nun
wenigstens einen Theil meines Lebens
hingebe widme. Zwey Bilder sollen meine
Ansicht in diesem Punkte darlegen u
ich glaube glücklich ist der Mensch der sie anwende
wie der Staat der sie gebraucht:
- Geld ist wie die Raupe die sich
gleichsam selbst verzehrend mitfrißt
einpup[p]t um als ein Schmetterling
eine Psyche zu erstehen. Geld
ist wie ein Mensch der sich als Erdner
ins Grab legt um als ein Gott-
genosse zu erstehen. Das Geld soll
soll gleichsam im Gebrauch sich selbst
vernichten und vergeistigen um als nun nicht etwa uns
Geld u Gelderzeugniß verachtende Kraft
sondern wenn wie sie es für zweckmäßig
erkennt, als eine Geld u Reales schaffende
Kraft zu erstehen.
Zutrauen, Zutrauen ist wie
ich es in einem meiner frühern Anzeige Schriftchen
so bestimmt ausgesprochen habe die
Grundbedingung alles gemeinsamen /
[4R]
fruchtbringenden Wirkens also auch zwischen jedem
Staate u zwischen seinen einzelnen als solche thätigen sich erziehenden Gliedern.
Darum wie die Grundpfeihler [sc.: pfeiler] meines
Lebens u Wirkens Wahrheit u
Gottvertrauen <sind>, so ist es mir
Bedürfniß so muß ich fordern daß
Wahrheit u Zu- u Vertrauen
das Band zwischen mir und dem Staate
sey in dem ich mein Wirken zunächst und unmitt[el-]
bar widme und dieses guten [sc.: gute] Vertrauen welches
muß ich sage es offen fest unbe[-]
dingt seyn; denn zeigt mir der
Staat daß er sich nothwendig
um einen gewöhnl Ausdruck zu gebrauchen
Nummero sicher stellen müsse
so zeigt er mir dadurch nur
Mißtrauen, und Mißtrauen
gebiert Zweyfel, Zweyfel ge-
biert Trennung, Trennung gebiert
Widerspruch, Widerspruch
Krieg, u. s. w. Krieg aber Verheerung
Vernichtung und so ist gleich
im Anfang dem [sc.. der] Beziehung der <nur>
Tod desselben gegeben; In
diesem Fall wäre es also bey
weitem gegen ersprieslicher dem
schon von mir begründeten Wirken
dem unbedingtes Zutrauen in mir
zu Grunde liegt
auch unter den
schwierigsten Umständen aber bey
unbedingtem Zutrauen in mir ganz
neue Kraft zu widmen, als sie
für eine Thätigkeit zu zersplittern, wo sie sich höchstens
schon gleich Anfangs getheiltes Zutrauen Statt
finde, in welchem Falle nothwendig das
Alte mit dem Neuen zu Grunde gehen
würde. Deßhalb nun lege auch ich
hier Ihnen theilnehmender Herr u Freund
so offen mein Inneres vor als es immer
selbst offen vor mir liegt.
Gewöhnlich hat man eine ganz falsche
Ansicht meines ächt erziehenden Wirkens
und meiner wahren Stellung als Vorsteher
einer Anstalt. Man nennt die Stiftung
u Begründung einer Erziehungsanstalt eine
Speculation
eine Unternehmung eine
Privatsache eines Einzelnen wohl
gar eine Speculation
eine Art
von Handwerk Geschäfte oder
wohl gar eine Speculation wenn
auch nicht grad! um reich zu werden doch wenigstens ein
gemächliches Leben, ein Leben wie
das Sprichwort sagt als ein <Mann>
bey der <Stade> [sc.: Stadt] zu führen, da denkt
man nun ist es ja seine Schuld die
Schuld seiner <biederstens> gesprochen
unzeitigen Gutmüthigkeit, wenn er
<nicht> solche Bedingungen wodurch <nutzt> daß die
jede weitere Unterstützung von
Allgemein unnöthig machen; denn
sagt man es ist eine Privat
Sache eine PrivatUnternehmung
was geht die dem Ganzen dem Allgemeinen an[?] /
[5]
Kommt er nicht durch so ist es seine Schuld
warum versteht er nicht zu rechnen
nicht Hauszuhalten! Wohl versteht er
wahrhaft zu rechnen u ächt hauszuhalten aber der Staat,
verstehet es nicht der so spricht der versteht es nicht, denn
der Gewinn nicht etwa das dadurch die Anstalt in
gesteigerden [sc.: gesteigerten] Umlauf
gesetzten Geldes, sondern der Gewinn der
so und dad[urc]h entwickelten und zu einem Gesichtbaren
sich unsichtbar aber so nicht zu berechenbare vortreten[d]e <Allg[emein]> Gemeingut
gewordenen Geistigen intellectuellen und sittlichen Kraft:
wem Anderen kommt dieser Gewinn dieser sehr große
Gewinn zu letzt wieder zu gute als dem
Staate, denn welches ist zuletzt das
unveräußerliche sich in sich selbst erzeugende
und steigende Capital des National Ver[-]
mögens als der Grad der als ein Gemein[-]
gut <err[un]gene> intellectuelle u physische harmonische
Kraft der Kraft u nicht allein der Ein[-]
sicht u des Erkennens, sondern aus [sc.: auch] des
Ausübens u des Darstellens; Und sollen
diese höchsten Gaben und Güter dem
Ganzen dem Staate ohne für alle
Hingabe und Aufopferung werden? –
Nur der Staat u der Fürst welcher
kurzsichtig handelt nur der Einz Uner[-]
fahrene, oder Glaubt man der
Ausspruch: - die Stellen von guten
Menschen betreten ist sind eingericht[et] zu
segnenden Gaben für Jahrhunderte
– ist nur in Büchern wahr? -
Darum wenn <nun> Staaten sprächen
wie angeführt, so würden sie er sich als
schlechter Rechenmeister u schlechter
Haushalter beweisen, denn die Kräfte
weckende Kräfte würden sich früher
oder später von ihm wenden und er
würde er scheinen wie ein Knabe
der in kindische[r] Einsicht seines Vater[s]
nicht ferner bedarf, weil er ihm
Wohnung, Schutz u Obdach zu geben schuldig ist. – Umgekehrt wird /
[5R]
der Staat und der Fürst einst als der
wahrste erscheinen, der zuerst erkennt welches
der Wahre Nationalka[rakter] ist, und
worinn dieser besteht
und dieser Einsicht
gemäß zuerst handelt.
Es wird dieß besonders bey einem solchen Staate
u Lande Statt finden, das welches bey einem geringen
Umfang in Rücksicht sowohl auf d Naturprodukte
als die Erzeugnisse d Gewerbefleis die <Judigten[-]>
erzeugniß also in Hinsicht auf materielle Güter
kaum wohlhabend noch weniger reich zu
nennen ist wohl aber v[on] Menschen anlagsvollen regsamen
thätigen auch strebenden Menschen (die mit einem gewissen
Maaße so wohl intell. als moral Kraft bewohnt ist
(Und hier bleibt mir noch ein[en] sehr wichtigen Punkt
wenigstens anzudeuten übrig. Es geschieht nun zwar
jetzt in allen d meisten deutschen Ländern sehr viel für E[rziehung] Lehre
u Unterricht (für Vervollkommnung alles dessen was Schule
heißt) so daß man fast d Meinung werden könnte, es
sey in dieser Beziehung kaum noch da mangelndes Erspriesl[iche] zu
leisten od. auch nur anzuregen. Aber nach meiner
tiefsten Überzeugung liegt in der Z[ei]t selbst die größtmöglichste Vervoll-
kommnung alles dessen was Schule und heißt keinesweges das
was jedes größere oder kleinere Ganze sey es als Staat
od Familie bis zu dem einzelnen Menschen herab, jetzt bedarf[.]
Denn das größte menschheitl. Bedürfniß ist (jetzt) in d[er] jetz.[igen] Z[ei]t
die Stärkung u Entwicklung u Ausbildung der moral[isch-] sittl[ichen]
Kraft (die Ausbildung dessen was man Charakter Gesinnung nennt)[.]
Es ist nun zwar wahr daß die Bildung
dafür durch das Intellectuelle hindurch geht,
wenn aber das dieses Intellectuelle nicht in
dieser Beziehung betrieben wird so ist die Bildung
desselben mehr davon ab als hinzu führend,
dieß wird an ist es was d. Schule eben recht u allein so wenig nicht in den u bey Sinn dafür berücksichtigten kann
wie Auch entwickelt d Schule mehr Verstandes- als Thatkraft
wie die Schule allenfalls sie auch weniger die
praktischen als Verstandesfähigkeiten seiten entwickelt
u ausbildet u so im Ganzen mehr die
Verstandes Erkenntniß[-] als die Thatkraft entwickelt.
Darum legten auch nach mehrseitiger Erfahrung
die Schulseminarien für d. prakt. Leben so sehr wenig [Grund]
wie man bemerken will, ja um so weniger als die
jungen Seminaristen sich einsichtsvoll u erkenntnißreich dünken[.]
Dasjenige aber was wir der Zeit nach meiner Einsicht
u Überzeugung bedürfen leistet nur die das Geeinte der Erz.
u. d. Unterrichtes ist gerade d. <Wahrhaftigkeit> d. Gleichgewichtes beyder
od. wie ich mich in einem Anzeiger Schriftchen
wiederkehrend darüber ausspreche die Einigung d Erkenntniß
u Thatkraft
des Wissens und Thuns d. Lehre u d Beyspiels
der Erlernung u unmittelb[aren] Ausübung. Dieß giebt aber nur
das Ganze einer tüchtigen u menschenwürdigen Erziehung. Bis
diese nun [restlicher Text dieses systematischen Exkurses auf 6R]/
[6R]
ein solches allgemeines Eigenthum d[em] Mensch[en] geworden
ist, daß sie vielmehrseitig aus dem wirkl Familienleben
in leitendem Beyspiele entgegentritt ist es ganz un-
erläßl[ich] nothwendig d[a]ß Erziehungsanstalten, daß Musterer-
ziehungsanstalten, die das nothw[endig] unersetzl[iche] allgemeine
mit nothwendigen (localen u) Landschaftl[ichen] vereinen. Ja
es ist d[eshal]b nöthig, wenn mit Bewußtseyn u Einsicht also
auf eine menschenwürdige Weise v[om] Menschen aus
für die Bildung des Geschlechtes u die Entw Entgegenbildung (Ausbildung) desselben
für künftige Zeit gewirkt werden soll, daß in unserm
deutschen Lande zunächst wenigstens Eine solche Muster-
erziehungsanstalt errichtet werde. Ich habe dazu
nun wied wiederkehrend (in den mehrerwähnten Schriften) sehr bestimmt
wenn auch ungehört, aufgefordert u eingeladen; ich
selbst habe suche als Einzelmensch d[ie]sen Gedanken, der mit dem Innersten
meiner Überzeugungen ganz Eins ist als Einzelmensch auszuführen
gesucht, indem ich eine allgemeine deutsche Erziehungs-
anstalt begründet habe. Aber doch ich muß auch in d[ie]ser Bezieh[un]g
aussprechen was ich schon oben sagte: künftige Zeiten
werden das Land, den Staat u den Regenten
weise u glückl[ich] nennen welche die Ausführung
jenes dies[es] Grundgedankens zu einem Geg[en]st[an]d ihrer größten
Aufmerksamkeit machten, welche keinesweges sich
wegwandten v[on der] Verbesserung des Schulunterrichtes aber mit
gleicher Festigkeit die Darstellung einer mensch[en]würdigen Erziehung
durch Begründung zunächst wenigstens Einer solchen Erziehungs-
Anstalt
im Auge behalten [sc.: behielten], welche den Erstwichtigen Satz
erkennen daß was einer tüchtigen Erziehung wohlthut er-
kenntniß- u einsichtsvolle Wissen[s-] u thatkräftige
Menschen beziehungsweise nothwendig hervorgehen u bedingen
nicht aber die Erhöhung d. intellect. Kräfte nothw[end]ig
auch die Erhöhung d sittl. d Thatkraft der Ausübung
u Darstellung im Leben im Öffentl[ichen] wie im Einzelnen bed[in]gen[.] /
[5R]
[Resttext von 5R] Dieß sind nun die Ges[innun]gen u Grundsätze
welche mich bey jeder künftigen Er[-]
weiterung u Fortbildung oder auch wohl gar Ver-
pflanzung meines Wirkens d[urc]h bildung
neuer Erziehungsanstalten oder d[urc]h
Versetzung der schon bestehenden
leiten werden; und ohne diese Ges[innun]gen
und Grundsätze ins Leben getreten zu
sehen werde ich nicht einmal mein Wirken
<thätig> erweitern, weil ich durch die Einheit
der ich mich jetzt im Innern erfreue
zwar später aber um so sicher[er], durch
eigene Kräfte u Mittel aber um
so einiger u übereinstimmender Norm ein bestimmtes Ziel
zu erreichen vor mir sehe.
Lassen auch Sie geehrtester Herr
diese Gesinnungen u Grundsätze die Ihren
seyn und halten Sie fest daran, sie werden sich bestätigen und an
dem Festhalten dieser Grundsätze wird
die ächte Begründung, so wie das gesunde
innere u äußere Bestehen einer in Obernitz zu begründ[en]den
Erziehungs[-] und Lehranstalt für in welchen
Kreis u in welchem Umfang es auch immer
sey nur <immer> abhängen; darum so mehr ich
nun wirklich diesen Gedanken aus mehr[-]
facher Hinsicht namentlich auch darum
lieb habe weil Herzöge von Sachsen
es immer waren welche wahres aber in der Ersch[einung]
noch schwaches und junges<Gute immer>
beförderten um so wohl weniger darf ich bey
meinem Wirken
von jenen Grundsätzen rc
abgehen.
Im Äußeren würde[n] also folgende
Bedingungen daraus hervorgehen
1) freye Wohnung für Zöglinge /
[6]
und die Glieder der Anstalt
2) so wie für alle diese freyes
Holz freye
3 freye Beleuchtung; so vielleicht am zweckmäßigsten
einst d[urc]h Gas

Weiter 4 die Kosten sowohl zumr jedem tägl als den im Fortgang der Anstalt nothwen[digen]
weiteren baulichen Ausbauen der Gelände[.]
5) Den 5 Im Fall es nothwendig wäre
angemessene Geldvorschüsse[zu besorgen, schlage ich vor, damit]
daß das Ganze nicht dem Wucher u dem
Eigennutz u der Habsucht Einzelner
preis gegeben wäre [:] Ich würde, auch
da ich selbst wünsche daß die Anstalt
keine Last sondern zum Segen und Nutzen
Wohl des Landes u der Gegend seyn recht rechne
soll in alle diesem mich in den nöthigen Forderungen hierin selbst
so weit beschränken als es ohne Ver[-]
Nachlässig[ung] kümmerung desr reinen Pflege
geschehen könne[.]
6 Hauptsächlich aber sechstens wäre es nöthig daß die Anstalt
nicht blos als eine geduldete sondern wirklich
vom Staate in ihrer bestimmten Wirkungsweise
und diesem angemessen[en] <Raume> erkannt u anerk[ann]t werde[.]
Die Anstalt verpflichtet sich dagegen
treue männliche Rechenschaft jeder
Zeit sowohl in der Innersten u Inner[-]
sten Rücksicht: in Hinsicht auf Zweck als Darstellung
als auch durch strenge u klare
Führung von Büchern zu jeder Zeit im
Äußern darzulegen dem Staate
dem Fürsten jedem dazu Berechtigten
vorzulegen.
Da ich mir vorgesetzt habe wenn
es anders die Witterung erlaubt
mit meiner Fr: Schwiegermutter
deren Fr Schwester die jetzt v. B.[Berlin] zum Besuch bey mir sind,
und meiner Frau
und sämtlichen übrigen andern Gliedern meines Kreises
den 2en Feyertag [Pfingsten] nach Saalfeld zu gehen und zu
fahren auch von dort aus Sie wenn Ihnen
es nicht lästig ist, von dort aus Sie mit
den erstgenannten in den ersten Nachmittags
Stunden Sie auf einen Augenblick in Obernitz
vor zu besuchen sprechen, so verschiebe ich bis dahin
was ich vielleicht wegen Herrn <Bremser>
u Herrn <Lutsche> Ihnen zu sagen hätte habe. Letzern
werde [ich] das mir von Ihnen ausgesprochene
mittheilen wo er dann selbst ent-
scheiden kann.
Billig sollte ich Sie wohl wegen der
Lage dieser Mittheilung um Verzeihung
bitten, doch ersuche ich Sie vielmehr solche als
ein Zeichen der wahren Hochachtung anzusehen
mit welcher ich unausgesetzt bin
Ihr ergebenster D[iene]r u Freund