Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an F. Korn in Obernitz v. Frühjahr (vor 16.6.) 1827 (Keilhau)


F. an F. Korn in Obernitz v. Frühjahr (vor 16.6.) 1827 (Keilhau)
(KN 22,18, undat. Abschrift, Handschrift "Frl. H.", von OW veranlasst. Das Original befand sich im Besitz v. Geh. Baurat Treibich, Rudolstadt.)

Hochgeschätzter Herr und Freund.

Bald als ich Sie gestern verlassen hatte fiel mir ein
daß es vielleicht gut sey wenn Sie auch den ersteren
Brief von mir an Sie, in welchem ich mich besonders
über den Geist, Zweck und im Allgemeinen, über die
innere Einrichtung einer in Obernitz zu errichtenden
Erziehungsanstalt ausspreche, dem jüngst von mir er-
haltenen mit beylegen. So weit ich mich des Inhaltes
desselben erinnere so ist nichts Unstatthaftes für
diesen Zweck darinne enthalten; wäre dieß wider
Vermuthen, so ließen sich vielleicht die Stellen anfüh-
rungsweise ausheben, welche besonders davon sprechen
daß die Anstalt möglichst alle ihre häuslichen und
wirthschaftlichen Bedürfnisse durch sich selbst zu befrie-
digen suchen solle, daß daher das Arbeiten für äußere
Erzeugnisse
ein eben so bestimmter Zweck dieser Anstalt
wäre, als die Lehre und der Unterricht; nach dem was
Ihre Güte mir von dem Streben und der Absicht Sr Herzoglich-
en /
[2]
Durchlaucht gesagt haben das Volkserziehungswesen beson-
ders zu heben, dünkt mich müßte der Geist und der Zweck
einer solchen Anstalt des Herrn Herzogs Durchl. ganz besonders
zusagen, indem dadurch das Bedürfniß einer wirklichen Volks-
erziehung befriedigt würde und durch eine Volkserziehungsanstalt
das zwiefache gezeigt würde
erstlich was die Familien zu thun und zu leisten haben
       und was sie frühe für die Entwicklung der Kräfte
       ihrer Kinder thun sollen
dann, was den Volksschulen zu thun ist um das häusliche
       Streben aufzunehmen und fortzubilden.
Aber wie die Sache in meinem Geiste liegt, ist, dieß
auszuführen nur Obernitz der einzige Ort jetzt dazu;
lassen wir daher, ich bitte Sie, den Vorschlag mit dem
Amthause fahren, zu diesem Zweck taucht [sc.: taugt] dieß
so schön es zu einem andern seyn mag, jetzt nicht.
Wenn freylich der Durchl. Herr Herzog in den Gedanken
der Begründung und Ausführung einer Volkserziehungsan-
stalt
zum Fundamente der Volksschulen und des Volks-
schulwesens eingingen, so wäre freylich unser Zweck:- /
[3]
tüchtige denk- und thatkräftige Menschen und der des Staates
gute tüchtige Bürger zu bilden innigst und lebendig ver-
woben, und, wie ich das Ganze in mir trage, könnte dann
dem freudigen Gedeihen des Ganzen kein äußeres Hinder-
niß entgegen stehen, und den Keim des inneren Lebens,
ächt menschliche, familienartige gegenseitige Beziehungen
trüge es auch in sich; auch in Beziehung auf die Eltern
und für die allgemeine Vorbereitung besserer und ächte-
rer Erziehung wäre eine solche Anstalt von Privaten
ausgehend wichtig, indem Schulen immer einen gewissen
Zwang der Benutzung fordern, der Antheil an einer
solchen Anstalt aber in dem freyen Willen der Eltern
läge, welcher sich gewiß bald dafür zeigen würde.
Stets der Ihre

Fr Fröbel