Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an F. Korn in Obernitz v. 16.6.1827 (Keilhau)


F. an F. Korn in Obernitz v. 16.6.1827 (Keilhau)
(KN 22,8, Abschrift, Handschrift "Frl. H.", von OW veranlaßt und korrigiert. Das Original befand sich im Besitz v. Geh. Baurat Treibich, Rudolstadt.)

Keilhau den 16en Juny 1827


Hochgeehrtester Herr und Freund.

Ihre gütige so eben empfangene Zuschrift hat mich sehr
gefreut ob ich gleich das wesentliche derselben schon durch
Ihre gefällige Mittheilung welche mir Herr pp Schweig-
hoffer überbrachte erfahren hatte; durch die Post habe
ich bis jetzt keinen Brief von Ihnen geehrtester Herr
und Freund empfangen.
Ihre Zuschrift habe ich Herrn C Bremser übergeben,
und ich würde sogleich dessen Schuld decken wenn nicht
künftigen Dienstag Jahrmarkt wäre, wo immer
für mich vielzähliger Ausgabetag ist. In diesem
Augenblick höre ich Herr C B.- will selbst sogleich zu
Ihnen gehen, er wird Ihnen nun persönlich aus-
sprechen daß die wegen der von ihm zu machenden
Zahlung getroffenen Einrichtung ihm recht ist.
Herr Lutsche ist leider kurz vor Ankunft des Bothen
nach Saalfeld gegangen ich habe Sorge getragen /
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daß er wo möglich heut noch zu Ihnen nach Obernitz
kommen wird. Herzlich freue ich mich daß sein Leben und
Streben nun eine feste bestimmte Richtung bekommt. Gott
segne seine[n] Eintritt in das Seminar.
Das kleine Waisenmädchen ist Freytags früh
von hier begleitet von einem meiner wackersten
jungen Leute nach Gotha gefahren, sind sie gestern
zur rechten Zeit in Gotha angekommen so ist jetzt das
Mädchen schon ganz nahe bey Frankfurt und wenn
Sie dieß lesen schon bey ihrer edlen Pflegerin angelangt.
Nun zu unserer Angelegenheit. Daß der Durchl.
Herzog ehe Er irgend eine Äußerung von Sich giebt
vorher darüber wenn auch nur schriftlich Mittheilung
und Rücksprache mit Herrn Consistorialrath Dr Nonne
nimmt ist nicht allein natürlich sondern sogar noth-
wendig indem ja demselben das Landerziehungs-
wesen zur Leitung anvertraut ist; Aus dieser
Ansicht geht hervor daß es mir Sorge seyn muß
keinen Schritt zu thun welche[r] die Achtung und das /
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Zutrauen, welches dieser Mann schon seiner Stellung nach,
sein persönliches Verdienst ganz ungerechnet, zu fordern Ur-
sache hat, verletze. Deßhalb stimme ich ganz in Ihre Mei-
nung auch diesem nun von unserer Absicht zu unter-
richten, doch dünkt es mich hätten wir ehe wir diesen
Schritt thun noch zwey Sachen abzuwarten.
erstlich daß wir den Schritt keinesweges früher
thun als wir überzeugt seyn können, die nothwen-
digen Mittheilungen zwischen Sr Herzoglichen Durch-
laucht und dem Herrn L C. R. Dr Nonne haben wirklich
statt gefunden und es sey für beide Theile eine be-
stimmte Ansicht und Meinung über unsern Plan
aus den gepflogenen Mittheilungen hervorgegangen
dann dünkt es mich zweitens daß es sehr gut
wäre wenn wir, ehe wir uns an d[en] He. pp. Dr N. schrift-
lich wendeten, wenigstens ganz im Allgemeinen
unterrichtet waren [sc.: wären], welch eine Aufnahme Ihr Schrei-
ben und meine Mittheilungen bey Sr Herzoglichen
Durchlaucht gefunden habe; sollten vielleicht gleich von /
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vorne herein meine Überzeugung den Durchl Herzog
mißfallen haben, so wäre es dann am gerathensten
wenigstens von meiner Seite aus die Sache wenigstens
vor der Hand auf sich beruhen zu lassen; auch glaube
ich, ist es überhaupt gut wenn man dem Ganzen
zu seiner Entwicklung die nöthige Zeit und Ruhe
läßt damit die Gedanken und Grundsätze für
sich selbst sprechen können und wir auch den Schein
vermeiden als wollten wir die Beystimmung auch
nur herbey führen. Soll unser Wollen und Streben
gedeihen so ist ein Grunderforderniß, daß es be-
sonders Sr Herzoglichen Durchlaucht erscheine, als
kämen Gedanken, Grundsätze und Überzeugung-
en ganz aus Ihm selbst
und wir, wir wären
nur die Ausführer, darstellen[d] die besonderen
Pfleger derselben; Auf diesem Fall nun, wo
das Werk sich dann auch einer äußeren festen
Grundlage in seinem Entstehen erfreut können
wir dann auch fest überzeugt seyn daß Sr Herzogl /
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Durchlaucht selbst den Gedanken nicht untergehen
sondern denselben vielmehr selbst nach eigenen Kräften pfle-
gen wird. Nach dieser meiner Ansicht nun werde ich zwar
sogleich daran gehen eine Mittheilung an d[en] He. L. [sc.: C.] R. Dr N.
in mir zu bearbeiten um Ihnen solche zur Prüfung vorzu-
legen, doch sehe ich nicht ein wie ich vor 8 Tagen damit
zu Stande kommen will indem eine sehr vielseitig mich
in Anspruch nehmende Woche meiner erwartet. Auf jeden
Fall werde ich Ihren Gedanken in mir pflegen und für
dessen Verwirklichung Sorge tragen. Zuletzt noch eine
herzliche Bitte: geben Sie mir doch keinen so gewaltigen
Titel lassen Sie mich Ihnen doch nur schlechtweg den
Ihnen aufrichtig verbundenen Freund und Mann seyn
und für die Außenwelt machen Sie aus dem Director
immer einen simpeln Vorsteher jenes kommt mir immer
wie ein Gallakleid vor welches mir dem Keilhauer nicht
zu passen will.
Auf heut war Ihnen ein Besuch zugedacht, aber das
Regenwetter hat meine Absicht vereitelt; da ich nun aber /
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gern vor Abreise meiner Fr Schwiegermutter und mit dersel-
ben Saalfeld u Obernitz sehen will, diese aber in 8 Tagen
v. hier abgehen wird, so komme ich in dieser Woche so bald
als wir eines schönes Tages versichert seyn können.
Sollte nun wider Vermuthen Geschäfte Sie gerad vom
Hause entfernt haben, so bin ich so frey Sie zu bitten
wenn es möglich ist auf diesen Fall es so zu bestimmen
daß wir doch das Innere Ihres Schlosses sehen können.
Verzeihen Sie die Eil mit welcher ich diese Zeilen ge-
schrieben habe. Freundlichen Dank für die mitgetheilten
Gedichte. Mit wahrer Hochachtung und Freundschaft bin ich
Ihnen bleibend verbunden.
FWAFröbel.