Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Berlin v. 28.7.1828 (Keilhau)


F. an Johannes Arnold Barop in Berlin v. 28.7.1828 (Keilhau)
(KN 23,8, Brieforiginal 1 B 4° 2 S.)

Keilhau den 28sten Jul. 1828.


An Joh. Ar. Barop in Berlin.
       Es grüßt Dich FrFr.

Es dünkt mich Du hättest nicht ganz recht, daß Du so lange Zeit gegen uns schweigst
Ich habe schon längst einige Zeilen von Dir erwartet und gewiß alle in meinem Kreise
mit mir. Jetzt auch nur ein Paar Worte.
Morgen des Tages g[ebe] G[ott] wollen alle Glieder des Hauses eine ErholungsReise antreten.
Ich mit Carl, Ferdin. Wilh. u Leopold nach Anrode; Göttingen, Hildesheim u Cassel
dem Meißner, dem Rhöngebirge über Hildburghausen zurück.
Meine Frau mit Langethal und den übrigen nach Rheinhardsbrunn Inselsberg
Wartburg, Liebenstein und über Suhl zurück.
Middendorff will nach Brechten u Dortmund. Aus dem untern Hause
will uns Niemand begleiten; nach dem Thüringer Walde sind sie gewesen und mich
will auch Niemand begleiten wohl aus dem ganz einfachen Grunde weil mein Leben
und meine Mittheilungen nicht die sind, nicht von der Art sind wie es ihr inneres Leben und
Gemüthe bedarf. Das Gemüthe lebt gern auch einmal still und friedlich in
mit u für sich ohne alle fremde Einmischung auch selbst eine solche die sonst wohl gut
seyn mag. Ein solches Sehnen u Streben ist wohl auch sehr löblich, ja mehr als dieß. Gott
segne es denen, die es haben, lasse ihnen schöne duftende Blumen entblühen u süße
Früchte reifen. Will es Gott so ist die Dauer meiner Reise gegen 3 Wochen; die
der Anderen gegen 14 Tage. Middendorff denkt in 5 bis 6 Wochen wieder hier zu
seyn.
Ich konnte nun doch unmöglich meine Reise antreten ohne endlich Deine Sachen
an Dich abzusenden, Du wirst solche nun nach Deiner Bestimmung durch Lange-
thal
in Erfurth mit Frachtfuhrleuten bekommen. Wie dieser Brief von
hier an Dich abgehet gehen auch Deine Sachen nach Erfurth ab.
Herzinnige und kindliche Grüße an Mutter u Tante und die Versicherung
daß das Leben meines Kreises wieder frisch zu grünen beginne, und daß
sich eine neue Morgenröthe demselben mehrseitig zeichge. Meine liebe Frau
fühlt sich sehr frisch und geht mit vielem Muth u Gottvertrauen auf ihre Reise.
Bis Reinhardsbrunnen gehen wir (etliche 20) alle zusammen. /
[1R]
Damit Du in Gedanken meine Mittheilungen in Göttingen theilen könnest, lege
ich in Deine Schreibereyen die Abschrift eines Briefes von mir an Dr 
Krause
, dessen ich an Dich schon, irre ich nicht, früher erwähnte. Du wirst
ihn schon in Deinen Schreibereyen herausfinden er ist etwas bogenreich gerath[en].
Unser Carl hat seinen Geburtstag am 25sten unter lautem Lebehoch
seiner Schüler Classe, bekränzt durch u mit einem vollen frischen
blumen-, farben- und düftereichen Kranz und beschenkt mit einem lieblichen
Strauß von Allwinen gefeyert. Allwina ist ein echt deutsches
Kernmädchen, kerngesund mit einem Kernsinn- und Willen, einem
Fröbelsinn u Willen. Schon läuft sie bald, faßt alles fest ins Auge
fordert u giebt von allem Kunde; Arm u Füße, Mund u Auge,
Ton u Bewegung alles ist Sprache, und kein Leben geht unbeachtet
vorüber alles verwebt sie kräftig u selbstthätig mit dem ihrigen.
Du siehst Allwina macht mich beredt etwas mag wohl im Stillen
wirken daß sie meine Pathe ist. Nun wenn Pathengeschenke etwas
wirken, was ich in meinem ganzen Leben nur bejahen kann, so scheint
ihr von Oben ein schönes geworden zu seyn.
Daß Jedes in meinem Hause u Kreise ausgesprochen u recht viele
u herzliche Grüße an Dich bestellt dieß bist Du fest überzeugt, aber
sey nur auch ein wenig erkenntlich für so viel Liebe u mach daß
ich wenigstens bey meiner Rückkehr (vergiß nicht in 3 Wochen) einen
Brief von Dir vorfinde, sonst - machte ich Dir die Herzen der
Menschen etwas abtrünnig wenn es nur in meiner Macht stände[.]
Grüße unseren Bauer u theile mir etwas von ihm mit.
Grüße die Luther u sage dem Georg daß ich ihm für seinen Brief
danke und ihm denselben nächstens beantworten würde.
Leopolds Vater, He. Teske aus Samoczin hat uns auf einige Tage
besucht, er schied aufs höchste zufrieden mit Gesinnungen warmer Freund-
schaft u[n]d Dankbarkeit. Mit Treue wie mit Liebe
FrFr.

Habe ich es Dir schon geschrieben?- Dein Rosenstock hat seine Pflegerin gerad an ihrem Geburtstage mit einer
selten schönen klaren Rose beschenkt.- War der Rosenstock brav u verdient er Dank?- Aber alles andere
was sie sonst bekam, so wenig es schon an sich war, trat aber auch ganz in den Hintergrund. Mich tauerte [sc.: dauerte] nur der arme Oheim!-