Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Caroline von Holzhausen in Frankfurt/M. v. 26.8.1828 (Keilhau)


F. an Caroline von Holzhausen in Frankfurt/M. v. 26.8.1828 (Keilhau)
(BN 492, Bl 66, Reinschriftfragment 1 Bl 8° 1 S., ed. H V 1986, 215f.)

       Keilhau am 26sten August 1828/.·.

Edle Frau.

Wenn der Mann etwas beginnt so soll er es möglichst zu vollenden suchen,
besonders wenn die Mittel darzu in seiner Hand wohl einzig nur in seinem
Willen ruhen. In dieser Überzeugung hat es seinen Grund daß ich heute schon
wieder eine schriftliche Mittheilung an Sie beginne ob ich gleich gestern erst
einen bogenreichen Brief an Sie abgesandt habe; möge der Erfolg mein Be-
ginnen rechtfertigen.
Ich habe mich Ihnen in meinem gestrigen Briefe mehr und vorwaltend in
Beziehung auf mein äußeres Handeln, auf den äußeren Gegenstand mei-
nes Handeln[s] und Wirkens hingestellt, den eigentlichen inneren Grund, die
reine innere Quelle, den Gegenstand des inneren Lebens, das klare sichere in-
nere Ziel konnte ich mehr nur ahnen als sich als unmittelbar von Seele zu
Seele aussprechen zu lassen. Doch Sie sind nach dem Höchsten strebend was dem
Menschenwesen Ziel seines Ringens seyn kann, Sie nehmen besondern Antheil
die Aufgabe meines Lebens zu lösen irdisch vollendet das zu seyn was ich ir-
disch vollendet meinem Wesen nach seyn kann und soll, Sie sind Mutter
meiner ersten Zöglinge und haben als solche ein Recht nach dem zu fragen
was der innerste Grund meines dortmaligen Handelns war, denn so
unbewußt derselbe auch dort noch in meiner Seele gelegen haben mag, so
kann doch nichts eine Eigenschaft des Menschen seyn, was nicht wenn auch erst
später in seinem Handeln als Wirkung, als Folge hervortrete. Dieß zu-
sammen genommen bestimmt mich der Aufforderung meines Gemüthes
dem Zuge meines Herzens und der Bestimmung meines Geistes zu folgen
und Ihnen mein innerstes Wesen und Leben in seinem Quell, seinen Rich-
tungen und seinem Ziele schauen zu lassen, als es einfach und klar
in und vor mir selber liegt. [Text bricht ab]