Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Berlin v. 28.11.1828 (Keilhau)


F. an Johannes Arnold Barop in Berlin v. 28.11.1828 (Keilhau)
(BlM III,10, Bl 103, Reinschriftfragment 1 Bl 8° 1 ½ S.)

       Keilhau am 28sten Nov: 1828.

Mein Barop.

Ob ich gleich schon vor und seit 8 Tagen Dein Lebensfest in mir
feyerte und feyere, so ist es mir doch sehr lieb daß meine Knaben
mit freudiger ja jubelnder Gewißheit sprechen, daß Dein Fest
erst morgen, und daß also heute erst der Vorabend desselben
sey, denn nun habe auch ich die Freude daß der Ausdruck mei-
ner herzinnigen Theilnahme wenigstens nicht gar zu spät zu
Dir gelange und ich Dir die Überzeugung geben kann, daß ich mit
derselben als nicht als lahmer, müder und vergessener hinter
drein komme. Sieh! ich glaubte das Fest Deines Lebens sey schon
den 20ste d. M. wie ich gewöhnlich bey denen die mir lieb und theuer
sind damit zu frühe komme; und so meinte ich es sey eine Nachfeyer
die mir eine lebenfrische himmelsblaue Genziane auf un-
sern klaren lichten Höhen brachte, aber nun war es eine Vor-
feyer und so ist es auch recht, denn schöner und klarer konnte
der Tag nicht seyn.- Ach! warum muß der Mensch in seinen
edelsten reinsten und besten Empfindungen und Gedanken
nach den vorliegenden, von der Wirklichkeit und der
Erscheinung täglich gegeben werdenden Erfahrung immer
fürchten mißverstanden und mißgedeutet zu werden?-
Ach! ein solcher Gedanke lähmt gleich Herz und Blut und Leben,
lähmt Mund und lähmt Hand. Haben wir Menschen einan-
der dadurch nicht das Edelste was wir haben unser höchstes
Gut das Leben getödtet, geraubt, vernichtet, mindestens
niedergetreten, leer und gemein gemacht?- Ja, Leben!
Leben!- Wir haben in diesen Tagen, wo? - werde ich
nachher noch Gelegenheit zu sagen finden - gelesen daß
der Mensch bis in einen großen Theil seines Lebens hinein
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ja bis zum Ende desselben Worte ohne sie wahrhaft zu ver-
stehen gebrauchen könne, über deren tiefen und hohen Sinn er
z erstaunen müsse wenn ihm derselbe endlich aufgeschlossen
werde; solch ein Wort ist auch das Wort Leben [Text bricht ab]