Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Berlin v. 15.12.1828 (Keilhau)


F. an Johannes Arnold Barop in Berlin v. 15.12.1828 (Keilhau)
(KN 23,13, Brieforiginal 1 Bl 8°2 S.)

Keilhau Mondtags Nachmittag am 15.
Decbr 1828.

     Mein Barop.

Da es mir fortdauernd mit der sprechendsten Gewißheit ent-
gegen tritt, daß es ganz wesentlich gut und dem Ganzen
nach jeder Seite hin, besonders in Rücksicht des höchsten Zweckes
unseres Wirkens, ersprieslich sey, wenn Du uns in diesen
Festtagen auf einige Zeit mit Hülfe der Schnellpost besuch-
test; so kann ich nicht umhin Dir dieß nochmals auszusprechen.
Verzeihe mir deßhalb die doppelte Ausgabe des Postgeldes
welche ich Dir verursache. Siehe Barop! ehe wir gemein[-]
schaftlich im äußeren Wirken hervortreten so ist es nöthig
daß wir uns gegenseitig eine ziemliche Zeit vorher un-
sern hohen und höchsten inneren Zweck unseres Handelns u Wir-
kens in unserm Innern recht lebendig, und unserm Geiste
recht klar und dem Schaffen recht bekannt machen; dieses
alles vorzubereiten und uns dahin einzuführen ist nun
keine Zeit geschickter als die hohe festliche Zeit welcher wir
entgegengehen da hat alles nur die eine höchste Beziehung
und so auch alles Empfinden und Denken der Menschen.
Wenn es Dir also möglich ist und Du meine Überzeugung
theilst so komme; jedoch sollst auch Du, da ich Dir nun die
meine ausgesprochen habe, nicht gegen Deine klare Überzeugung
handeln. Besonders möchte ich mich mit Euch allen
darüber besprechen: wie wir mit u bey einem kräftigen
Anfang des neuen Wirkens zugleich ein gesteigert
lebendiges
u fruchtbringendes Fortbestehen unseres jetzigen /
[1R]
Wirkens erreichen.
Wir leben, dieß habe ich gestern in Eil Dir auszu[-]
sprechen vergessen ein sehr freudiges, Geist und Ge-
müth erhebendes und fortbildendes Leben kommst
Du so sollst Du mündlich davon hören.
Wenn Du von Weimar über Remda gehst und dann
bey dem Herrn Pfarrer in Dahlendorff, (von dessen
Bruder dem Handl[u]ngsdiener Sunderstadt in der
<Ly>schen Handlung in der Jägerstraße Du Dir ja zum
Überfluß
ein Paar Zeilen geben lassen kannst) ab-
steigst, so kannst Du ganz Keilhau unbekannt
am Christfest frühe allen als ein lebendiges Christ[-]
kind erscheinen, und ich kann vom Pfarrer aus durch ein
Wort darauf vorbereitet alles dazu einrichten.
Hast Du nie von einem jungen Maler Butzke
etwas gehört?- er war aus Brandenburg wo
sein Stiefvater Kaufmann war. Er war einmal
hier in K.- wollte aufs höchste gern hieher zurück[-]
kehren, allein der Vater gab es nicht zu pp. er soll
jetzt in Berlin bey den Restaurationen von Ge-
mälden arbeiten.
Nun Gott befohlen lieber Barop, ich weiß
Dir nun nichts mehr zu sagen als daß wir alle
gesund sind und alle Deiner mit herzinniger treuer
Liebe gedenken, und unter allen nicht am mindesten
Dein
         FrFr.

Unser Herr Carl arbeitet sehr daran wieder
nach Cassel gehen zu können, scheint dann dem pädagogischen Leben
adje sagen und sich ganz der ausführenden Musik widmen zu wollen.
Meinen gestern von Rudolstadt aus an Dich abgesandten Brief, welcher Dir meldet daß die Errichtung
einer deutschen Volkserziehungsanstalt in Helba nun entschieden ist, und daß sie [im] Frühjahr ins Leben treten soll,
hast Du doch erhalten?-