Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Carl von Uttenhoven in Meiningen v. <21>.12.1828 (Keilhau)


F. an Carl von Uttenhoven in Meiningen v. <21>.12.1828 (Keilhau)
(BN 726, Bl 3-4, dat. Entwurf 1 B fol 4 S., vermutlich Handschrift Middendorffs, schwer lesbares, da korrigiertes Datum: In Briefliste Nr. 313 irrige Datierung „27.2.1828“, Heiland 1993, 183f. liest „23.12.1828“. Es könnte wohl „Keilhau 21sten Decbr 1828“ heißen.)

Keilhau <21>sten Decbr 1828.

Herrn Präsident von Uttenhoven


Hochwohlgeborner Herr,
Höchst zu verehrender Herr Präsident

Ob mir gleich zu der von Ew Hochwohlgeboren
niedergeschrieben u gegenseitig ausgewechselten
Punktation wegen Errichtung einer deutschen
Volkserziehungsanstalt in Helba nach dem
gegenwärtigen Stande der Umstände nichts
wesentliches mehr hinzuzufügen ist,
so halte ich es doch für unerläßliche Schuldigkeit
Ihnen höchstverehrter Herr Präsident
dieses noch vor Ablauf des 1 Jan. auszu-
sprechen, so wie einige Punkte zu erwähnen
herauszuheben, welche zwar in der Punktation
schon zum Theil berührt sind, welche die ich aber
so wichtig erkenne, daß ich sie vor völliger
Abschließung des gegenseitigen Vertrags
nochmals in ihrer Wichtigkeit hervor-
zuheben für nöthig achte.
Das erste betrifft die Ausbauung des Schlosses
zu dem erziehenden Zweck. Wenn ich jetzt
das Ganze wieder vor mir vorübergehen
lasse, so finde ich, daß
auch bey einstweiliger Ausbauung nur des einen
Schloßflügels u des Schlafsaales im Boden des andern
hie u da wohl noch
eine u die andere durch den Zweck der Anstalt nöthige kleine
Einrichtung bey dem ersten Überschlag der
Baukosten übersehen seyn könnte, so z[.]B.
einige Dachfenster über dem Schlafraume
der Zöglinge, welcher unerläßlich nöthig
seyn würde zum Trocknen der Wäsche zu be-
nutzen, und so vielleicht noch eins u das andere
wegen der Einrichtung der Küche; auch ein Ofen
in dem allgemeinen Saale der Anstalt /
[3R]
am südlichsten Ende des westlichen Flügels,
so auch eine Thür zur Verschließung des
Eingangs auf der Wendeltreppe oben
vom Corridor aus u.s.w.
Ich ersuche darum Ew Hochwohlgeboren
unterthänig, dieses dadurch vielleicht erwachsende
kleine Plus von Ausgaben auf d[ie] Baukosten, welches doch wohl
im höchsten Fall keine hundert Gulden betragen könnte,
kein Hinderniß werden zu lassen, der Anstalt
die dadurch werdende kommende zweckmäßigere Einrichtung
u Benutzung des Ganzen zu gewähren;
weil oft durch eine kleine zweckmäßigere
Einrichtung einem Ganzen von solchem Umfange
eine große Erleichterung gebracht wird,
und da man dabey vor allem immer den
stetigen Überblick über die Zöglinge und
die Vermeidung alles dessen, was sie den
Augen der Erzieher u Lehrer u vor allem besonders
des Vorstehers einer solchen der Anstalt entziehen
könnte u die Entfernung alles dessen, was
eine außer ihrer Gewalt d Lehrer u Erzieher
u des Vorstehers
liegende Einwirkung auf
die Zöglinge bewirken könnte beachten mußte (vor Augen haben),- dieß
führt mich zur 2ten Bitte:
Es ja bey der ersten Einrichtung des Ganzen ja
fest im Auge zu behalten, daß, wenn
die Erweiterung u Ausbildung des Ganzen
es woran ich keinesweges zu zweifeln
Ursache habe, es nur einigermaßen
nöthig macht, das gesammte Schloßge-
bäude, wie es auch gleich anfangs ausge-
sprochen wurde, der Anstalt einzuräumen.
Es liegt in diesem hier Ausgesprochenen
keinesweges die Absicht, daß dieß sogleich
u daß es auf eine nach andern Seiten
hin gegen die eben obwaltenden Umstände
herbey geführte Weise geschehen möge, sondern /
[4]
ich wünsche nur, daß dieß immer
fest im Auge behalten werden möge

es für die Beachtung
nicht in d[en] Hintergrund trete,
weil sich zu einer in sich selbst begründeten
nothwendigen Sache - die Umstände oft
schneller günstig wenden als man glaubt.
u ich dann wünschen, muß daß dieses viel-
leicht eintretende günstige Zusammentreffen
dann nicht unbeachtet vorüber gelassen werden möge.
Hieraus geht nun das ein drittes noch allgemeineres hervor:
was ich höchstverehrter Herr Präsident
Ihrer thätigen Theilnahme und Ihrer hohen
Einsicht zur Prüfung vorlegen u aus
-sprechen
möchte. Es ist dieß: daß da das
Ziel, welches bey der auszuführenden Er-
ziehungsanstalt vorschwebt, ein großes
u umfassendes u darum nur bey einer
entsprechender Kraft u Raum zu erreichen
ist, daß deßhalb so dürfen auch die zur Ausführung
bestimmten Kräfte - [{]weil / indem nur[}] angemessene
Beschränkung wohl entwickelnd würkt eben
auch durch Raum u Bedingungen
nicht
mehr beschränkt werden als die Umstände
schon durch sich selbst sie beschränkend sind, weil
sonst auch eben so gleichmäßig die Leistungen wider
Willen u eifrigstes Bemühen hinter dem
redlichst angestrebten Ziel zurück bleiben müssen.
Zuletzt ist mir nun nur noch eins her-
auszuheben übrig. Der mir von Ihnen
höchst verehrter H Präsident mir ausgesprochene
Gedanke in der beabsichtigten Volkserziehung
in Helba Knaben auf zu nehmen, welche
bis jetzt unter andern Verhältnissen vom
Staate erzogen worden sind, um dadurch
der Helbaer Anstalt vielleicht selbst einen
eignen Fond zu zuführen zu können, schien
mir nicht allein in dieser sond. auch in andern /
[4R]
Beziehungen so wichtig, daß er mich u seine
Ausführung
bisher vielseitig beschäftigt hat. Bey der
mögl[ichen] Ausführung desselben muß ich jedoch
immer auf die Überzeugung zurückkommen,
daß es eigtl[ich] der Feld[-] u Gartenbau, die
Pflege u Bearbeitung der Natur es ist, welche
den Menschen sittl unter rechter Leitung von Grund aus sittl[ich] macht
keinesweges aber unter gleichen Umständen in
eben dem Maaße das (Gewerbe) Handwerk
Jedoch muß auch in dieser Beziehung die Einschrän-
kung unerläßl[ich] festgehalten werden, daß jenes
Ziel selbst unter diesen Einwirkungen sich nur bey solchen Knaben als zuerreichen
mögl[ich] sich absehen läßt, welche durch ihr bisheriges
Betragen nicht den Zuchts- u Zwangsanstalten
verfallen sind. Halten wir nun unter diesen
nothwendigen Beschränkungen die Verwirk-
lichung des Gedankens v. Ew Hochwohlgeb.
fest, so
Darum wäre dann bey der Ausführung
der Helbaer Anstalt wesentl[ich] darauf zu
sehen, daß sie nicht zu sehr in dem ihr nothwendigen
Ackerraum beschränkt würde sey es auch nur durch Anweisung
von, einen auch erst noch urbar zu machenden dann
doch tragbaren Bergland, weil es dann so
auch mögl[ich] werden würde könnte die Erziehungs-
gelder, namentl[ich] für solche Knaben so billig
als mögl zu setzen stellen. Jedoch muß hierbey (bey dieser) die mündl[ich] ausge-
sprochene Einschränkung festge unerläßlich festgehalten
werden daß jenes Ziel nur bey solchen Knaben als zu
erreichen mögl[ich] sich absehen läßt, welche durch ihr bis-
heriges Betragen nicht den Zucht[-] od[er] Zwangsanstalten
verfallen sind.
Indem ich nun nicht glaube, daß diese Bemerkungen
welche ich auch zum Theil mir und < ? weise>
welche ich doch vor Abschließung des Ganzen zuvor ausge-
sprochen, u hoher Beachtung u Prüfung vorzulegen für
nothwendig hielt
der förml völligen Abschließung des Vertrags
ein Hinderniß seyn können u (da) ich (auch) sonst
in der Sache selbst kein stör hindernde Störung störende Hinderung sehe,
so stelle ich die endl[ich] Ab letzte Bestätigung höchstem u hohem
Ermessen ganz anheim; jedoch würde es mich sehr freuen,
wenn diese bald nach der in d Punktation festgesetzten Zeit
erfolgen könnte, weil ich die Kräfte, welche ein schwan-
kender u ungewisser Zustand bey einem Kreise v d Umfange
wie dem meinen aufzehrt, lieber zur Gestaltung u natürl[ichen] Hervor-
wachsung des neuen Lebens aus dem alten zum Gewinn beyder
benutzen möchte. Alles dieses habe ich auch, zum Theil jedoch nur andeutungs-
weise Sr Herz[oglichen] Durchl[aucht] in d[ie] Anlage, welche ich unterthänig
bitte dem Durchl Herrn Herzoge Höchst Demselben einzuhändigen, ausgesprochen.
Sie hochgeehrtester Herr Präsident deßhalb
nun nur noch um baldige Mittheilung der höchsten Entscheidung Sr.
Herz. Durchl. unterthänig bittend verharre
ich in hoher Verehr[un]g
Ew Hochwohlgeb
unterthänige[r]

[keine Unterschrift]